Geilenkirchen: Die historische Standuhr tickt wieder richtig

Geilenkirchen: Die historische Standuhr tickt wieder richtig

Eine historische Standuhr aus dem späten 18. Jahrhundert tickt wieder richtig. Das dies der Fall ist, hat die Stadt Geilenkirchen dem Linderner Uhrmacher Detlef Sprute zu verdanken, denn der hat das schmucke Kleinod wieder in Gang gebracht.

Aus dem teils eigenen, zum Teil aber auch vom ehemaligen Geilenkirchener Heimatmuseum übernommenem Mobiliar aus vergangenen Jahrhunderten ragt im Haus Basten die 2,15 Meter hohe Standuhr hervor.

Jetzt läuft sie wieder: Uhrmacher Detlef Sprute (r.) hat die historische Standuhr in liebevoller Kleinarbeit repariert. Darüber freut sich auch Geilenkirchens Bürgermeister Thomas Fiedler (l.). Foto: Georg Schmitz

Kein Ton zu hören

Bis vor wenigen Wochen regte sich aber nichts mehr im Innern des „Wunderwerks uhrmachertechnischen Schaffens“. Aber dann kam der 8.8.2008 als sich Detlef und Wilma in der Guten Stube der Stadt das „Ja-Wort“ gaben. Des Uhrmachers Blick fiel auf die beiden großen Standuhren, und er stellte fest, dass sich bei beiden weder ein Rädchen drehte, noch ein klangvoller Ton zur vollen Stunde ertönte. Das muss sich ändern, beschloss Detlef Sprute und bot der Stadt an, die wunderschöne alte Uhr aus Kirschbaumholz kostenlos zu reparieren.

Die Sprutes betreiben in Lindern die einzige Uhrenfachwerkstatt im Kreis Heinsberg und waren schon deshalb prädestiniert, das Pendel wieder in Schwung zu bringen. Natürlich war die Instandsetzung für den 49-jährigen Uhrmachergesellen eine besondere Herausforderung, denn anfangs stand nicht fest, ob die defekten Originalteile hätten ersetzt werden können. Detlef Sprute musste die Uhr komplett überarbeiten, so dass am Ende eine Grundinstandsetzung dabei heraus kam.

Das Uhrwerk wurde seinerzeit von Hand hergestellt und ist trotz des hohen Alters noch in gutem Zustand. Viele Teile wie Seilrollen, Gewichte, Zapfen und Lagerwalzen galt es zu erneuern, Hebel mussten in den Urzustand versetzt werden. Derart feinmechanische Arbeiten bedürfen guter Augen und ruhiger Hände, und mit beiden Attributen ist der Linderner bestens ausgestattet.

Der Uhrmacher schaut das Schmuckstück immer wieder an und hat auch einiges zu erzählen: „Damals, im 18. Jahrhundert, konnten sich nur reiche Leute eine derartige Standuhr leisten“, sagt er über das wertvolle „Mobiliar mit Zeitanzeige“. Bei dem weißen Ziffernblatt handele es sich um Porzellan, und tatsächlich sieht es wie ein umgedrehter Teller aus. Das hinter Glas befindliche Ziffernblatt ist auf einem gestanzten und gepunzten metallenen, zum Teil vergoldeten Untergrund befestigt.

Einmal in der Woche müsse die Uhr mit einem speziellen Vierkant aufgezogen werden, damit das Sekundenpendel immer in Bewegung bleibe. Wer genau hinsieht, erkennt immer eine leichte Bewegung des großen Zeigers, und dennoch steht die Standuhr gegenüber einer modernen Uhr in Sachen Zeitabweichung nicht schlechter da. „Die Uhr ist so ganggenau wie heutige Uhren“, weiß Detlef Sprute. Das Pendel müsse nur entsprechend eingestellt werden.

Bürgermeister Thomas Fiedler bedankt sich mit Geschenk und Blumenstrauß bei dem Uhrmacher für die freiwillig geleistete Arbeit, wohl wissend, dass die benötigten zwei Arbeitstage von Sprute ansonsten finanziell nicht unwesentlich zu Buche geschlagen hätten. Der Uhrmacher liebt sein Handwerk, berichtet aber, dass es sich um einen „aussterbenden“ Beruf handele. „Nachwuchs wird gesucht, aber nicht gefunden“, so Sprute.

Reparaturzeichen von 1790

Der Linderner Heiner Coenen hat die Standuhr für Detlef Sprute genauer unter die Lupe genommen und recherchiert. Wobei die Uhr aller Wahrscheinlichkeit nach aus dem in Fachkreisen bekannten Ort Stromberg im heutigen Rhein-Sieg-Kreis stammt. Da die Uhr im Haus Basten ein Reparaturzeichen von 1790 aufweist, wurde sie offensichtlich vom bekannten Uhrmachermeister Kuchhäuser gefertigt, ist sich Coenen sicher.

Der Studiendirektor a. D. schwelgt in Vergleichen, wenn er an die Standuhr denkt. „Sehr schöne und beeindruckende Uhren zeigen oft anhand langsamer, regelmäßig schwingender Pendel worum es seit Urzeiten wirklich geht: dass Zeit vergänglich ist und vor allem große Uhren das sehr bewusst machen.“

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