„Weihnachten im Schuhkarton“: Die einzige Annahmestelle macht dicht

„Weihnachten im Schuhkarton“ : Die einzige Annahmestelle macht dicht

„Das System der weltweiten Aktion ‚Weihnachten im Schuhkarton‘ hat sich geändert, und damit können wir uns nicht mehr identifizieren. Ansonsten hätten wir es gerne weitergemacht“, sagen Kurt Werner und seine Frau Marlene Derichs-Werner bedauernd. Näher ins Detail gehen möchten sie nicht.

Seit neun Jahren sei bei ihnen zu Hause die offizielle Sammelstelle der stets liebevoll verpackten Schuhkartons mit Geschenken für Kinder gewesen, die um die Weihnachtszeit weltweit verschickt werden, erzählen die beiden. Früher wohnten sie in Landgraaf, dort hätten sie mit dem ehrenamtlichen Sammeln begonnen.

2002 seien sie nach Übach gezogen, und ab 2004 hätten sie hier zunächst gemeinsam mit Bernd Paulus aus Alsdorf Päckchen gesammelt, ehe sie das ab 2009 im Alleingang durchführten. Die Geschenke hätten sie dann an die Organisation weitergeleitet, die sie in die jeweiligen Länder verschickt, schildern sie den Hergang.

Bunt verzierte Schuhkartons

Vergangenes Jahr seien 830 Päckchen zusammengekommen, im Durchsschnitt jährlich 500, und insgesamt in den neun Jahren rund 5000, erläutert das Ehepaar. Die bunt verzierten Schuhkartons hätten die beiden in Übach-Palenberg, Alsdorf, Baesweiler und Merkstein abgeholt, zuletzt auch in Gangelt, Landgraaf, Hückelhoven und Eupen, da die Sammelstellen in Aachen und Heinsberg zugemacht hatten. „Vergangenes Jahr waren wir von Eupen bis Viersen die einzige Annahmestelle“, berichten sie.

Nach dem Abholen der Päckchen kontrollierten sie, ob das Richtige drin war, denn beispielsweise Gebrauchtes, Lebensmittel oder Gummibärchen durften nicht hinein. Wenn Schokolade, Bonbons, Dauerlutscher, Zahnbürste oder Zahnpasta gefehlt hätten, hätten sie diese Sachen ergänzt, damit sich der Inhalt möglichst überall geähnelt habe, schildert das Paar das Prozedere. „Das haben wir dann selbst eingekauft und bezahlt — das war für uns ganz selbstverständlich“, meinen sie.

„Wir sind dankbar, dass wir auch Wertschätzung für unser Tun erfahren durften, beispielsweise durch die Ehrennadel der Stadt Übach-Palenberg, die jeder von uns im Januar 2016 erhielt“, freuen sich die beiden. Foto: R. Kolodzey

„Für die Weihnachtspäckchen-Aktion habe ich mir immer Urlaub genommen“, verrät Marlene Derichs-Werner. Sie ist im Justizzentrum in Aachen beschäftigt. Dinge, die nicht in die Schuhkartons hineindurften, gab sie dorthin weiter, denn diese Behörde packte Weihnachtspäckchen für die Aachener Tafel und ergänzte sie damit.

„Die Aktion hat uns all die Jahre wahnsinnig viel Spaß gemacht — die Geschenke waren immer mit so viel Liebe gepackt“, strahlt Derichs-Werner. „Manchmal kam auch eine auf Deutsch übersetzte Antwort von Kindern aus den jeweiligen Ländern, und wenn man sah, wie sich die Kinder freuen, war das toll. Alles war immer sehr positiv“, versichert sie.

Kurt Werner erinnert sich zudem an manch lustige Begebenheit, so, als er einmal in Alsdorf viele Päckchen abholte und ihm Erstklässler entgegenkamen, die ihn neugierig fragten, ob er wohl vom Nordpol käme. Mit seinem Bart habe er scheinbar Ähnlichkeit mit dem Weihnachtsmann gehabt. „Ho-ho!“, habe er verschmitzt gerufen und Riesenspaß dabei gehabt.

„Wir sind dankbar, dass wir auch Wertschätzung für unser Tun erfahren durften, beispielsweise durch die Ehrennadel der Stadt Übach-Palenberg, die jeder von uns im Januar 2016 erhielt“, freuen sich die beiden.

Ehrenamt trotz Rente

Kurt Werner möchte sich in seinem Rentnerleben weiterhin ehrenamtlich betätigen: Seit Jahren spiele er schon im Übacher Carolus-Seniorenzentrum für die Bewohner zwei- bis dreimal pro Woche Gitarre und singe dazu altbekannte Volkslieder und Schlager, sagt er.

Auch will er mit seiner Frau, die noch in Vollzeit berufstätig ist, das „Fenstersingen“ der evangelischen Kirche im Dezember wie in den vergangenen Jahren mit seiner Gitarre an den täglich wechselnden Stationen begleiten. Das Abschlusssingen mit rund 60 Leuten sei immer bei ihnen zu Hause, erzählen die beiden, und verraten schmunzelnd: „Mit Keksen, Tee, Kakao und sehr leckerem Glühwein.“

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