Geilenkirchen: Die Angst vor dem nächsten Stuhlgang

Geilenkirchen: Die Angst vor dem nächsten Stuhlgang

„Über Po-Probleme wird oft selbst in der Familie nicht gesprochen”, weiß Dr. Günter Haselow, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Visceralchirurgie und Proktologie des Geilenkirchener St.-Elisabeth-Krankenhauses. Er kennt aber auch die Angst mancher Patienten vor dem nächsten Stuhlgang.

Da Krankheiten und Beschwerden der Analregion zwar weit verbreitet, aber ein oft tabuisiertes Thema sind, möchte er die Menschen aufklären. Deshalb laden er und sein Team zu einer Bürger-Informationsveranstaltung zum Thema „Hämorrhoiden und andere proktologische Erkranken ein”.

Zuerst zum Hausarzt

Sie findet statt am Donnerstag, 21. Juli, 18 Uhr, im Tagungsraum des Reha-Zentrums am Geilenkirchener Krankenhaus. Jeder ist zu dieser Informationsveranstaltung herzlich eingeladen, eine Voranmeldung ist nicht erforderlich. Nach einführenden Vorträgen der Mediziner über verschiedene proktologische Krankheiten, Beschwerden, Möglichkeiten der Diagnostik und Behandlung können Fragen an das Podium gestellt werden, die dann gerne beantwortet werden.

„Wir wollen das Thema bürgernah aufgreifen. Viele Menschen, die Beschwerden haben, halten zu lange still. Sie brauchen sogar Zeit, bis sie endlich ihren Hausarzt aufsuchen”, sagt Haselow und rät: „Wenn man Beschwerden hat, führt der erste Weg zum Hausarzt. Wenn dieser dann unseren Rat braucht oder glaubt, dass eine Operation erforderlich ist, kann er uns den Patienten gerne vorstellen.” Rund 400 Patienten werden im Geilenkirchener Krankenhaus im Jahr proktologisch behandelt, davon etwa 200 operativ. Immerhin verfügt die Klinik mit Chefarzt Dr. Günter Haselow und den drei Oberärzten Dr. Christoph Huschens, Dr. Markus Cober und Dr. Sven Hansen über vier Fachärzte für Proktologie. Sie sind es auch, die am kommenden Donnerstag ein breites Publikum informieren wollen.

Nach einführenden Worten von Dr. Haselow spricht Dr. Christoph Huschens über Analfissur. „Dabei handelt es sich um einen Schleimhauteinriss im Darm. Patienten klagen über Schmerzen während des Stuhlganges, über Brennen und Juckreiz. Die Patienten haben Angst vor dem nächsten Stuhlgang”, beschreibt Haselow das Krankheitsbild. Nicht jeder Patient müsse gleich operiert werden, manchmal helfe eine gezielte Salbentherapie. Hämorrhoiden, eine absolute Volkskrankheit, ist an diesem Vortragsabend das Thema von Dr. Markus Cober.

„Hämorrhoiden sind keine Krankheit, sie müssen nicht behandelt werden. Sie müssen erst behandelt werden, wenn sie Beschwerden verursachen, wenn es sich also um ein Hämorrhoiden-Leiden handelt”, erläutert der Chefarzt. „Viele Menschen leiden heute unter Verstopfung, haben Darmentleerungsprobleme und lassen sich zu wenig Zeit beim Stuhlgang”, weiß Haselow und empfiehlt eine gesunde Ernährung mit Ballaststoffen und ausreichender Flüssigkeitszufuhr und Bewegung. Denn. „Trägheit fördert die schlechte Verdauung.” Von der Behandlung mit Salben bis zur schonenden Operation reichen die Therapiemöglichkeiten. „Heute sind die Patienten nach der Operation zeitnah schmerzfrei”, so der Chefarzt.

Über Analfisteln und Abszessen spricht Dr. Sven Hansen. „Diese Vereiterungen im Analbereich entstehen durch eine Entzündung von innenliegenden Drüsen, die zu Eiterhöhlen führen. Dadurch wird die Funktion des Schließmuskels gestört. Liegt bereits eine Darmfistel vor, ist eine aufwändige Operation erforderlich”, erklärt Haselow.

Das Analkarzinom im Schließmuskelbereich ist anschließend das Thema des Chefarztes. „Oft wird die Erkrankung nur zufällig festgestellt, wenn man Hämorrhoiden operiert oder kleine Hautveränderungen sieht. Dieser Krebs ist im Frühstadium sehr gut behandelbar”, versichert der Proktologe. Während er kleine Karzinome operativ entfernt, behandelt er größere in Zusammenarbeit mit dem Aachener Klinikum mit einer Strahlenchemotherapie.

„Wenn man im Analbereich etwas entdeckt, sollte man es nicht lange verschleppen”, warnt Haselow. Er und seine Kollegen können durch eine Enddarmspiegelung, Druckmessung der Schließmuskelfunktion, Röntgen und MRT eine Diagnose erstellen und eine Therapie einleiten. „Im proktologischen Bereich möchten wir aufklären und mit der Kompetenz, die wir haben, die Proktologie in dieser Klinik weiter ausbauen”, blickt der Mediziner in die Zukunft.

Informationsabend für interessierte Ärzte

Vor dieser Bürger-Informationsveranstaltung lädt die Klinik für Allgemein- und Visceralchirurgie und Proktologie in der Region niedergelassene Ärzte aller Fachdisziplinen, die sich für proktologische Krankheiten interessieren, zu einer Info-Veranstaltung ein. Sie findet unter der Überschrift „Proktologie Update 2011” am Mittwoch, 20. Juli, 17 Uhr, im Tagungsraum im Reha-Zentrum am Geilenkirchener Krankenhaus statt.

Die Vorträgesollen einen einen interessanten und aktuellen Überblick über die Diagnostik und Therapie geben. Unter anderem werden neue Operationstechniken vorgestellt.

Referenten sind neben dem Geilenkirchener Chefarzt Dr. Günter Haselow und Oberarzt Dr. Christoph Huschens als Gastredner Chefarzt Dr. Eugen Berg, Koloproktologisches Referenzzentrum Prosper Hospital Recklinghausen, und Chefarzt Dr. Karl Heinz Ebert, Abteilung Allgemein- und Visceralchirurgie des St.-Martinus-Hospitals Olpe.

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