Gangelt: Diakon Thomas Hoff: Den Menschen auf Augenhöhe begegnen

Gangelt: Diakon Thomas Hoff: Den Menschen auf Augenhöhe begegnen

„Ich möchte nach Kräften an dem Werk weiter arbeiten, dass Katharina Kasper in Gangelt begonnen hat!“ Diesen Satz sagt Diakon Thomas Hoff, der seit August dieses Jahres als erster weltlicher Hausoberer die Nachfolge von Schwester Patricia antrat, die nach Dernbach in die Provinzleitung des Ordens wechselte. Nach gut vier Monaten will er nicht einfach sagen, dass die Arbeit Spaß macht: „Es ist viel Arbeit, die ich aber mit Herzblut angehe!“

Thomas Hoff hat als Notarassistent gearbeitet, bevor er im September 2006 zum Diakon geweiht wurde und seine zivile Arbeit — wie das bei Diakonen die Regel ist — beibehielt. Schon bei seinem Wirken in den Pfarreien der Weggemeinschaft waren es die Begegnungen mit den Menschen, die ihn daran denken ließen, so etwas einmal hauptberuflich zu machen. Dieses Angebot kam Ende 2010 aus den Gangelter Einrichtungen und schnell war er sich mit seiner Frau Simone einig, dass sein Weg in diese Richtung führt.

Diakon Thomas Hoff ist seit seit 2014 Ordensvertreter in der Katharina Kasper ViaNobis.

War seine bisherige Arbeit in der Weggemeinschaft häufiger von punktuellen Begegnungen geprägt, ist sie in den Gangelter Einrichtungen mehr von dauerhafter und lebensbegleitender Art. „Hier bin ich sehr nahe dran an den Menschen“, erzählt Thomas Hoff, dessen Büro immer für die Bewohner, Klienten, Patienten und Mitarbeiter offen steht. „Waren es früher vornehmlich die Schnitt- und Wendepunkte eines Lebens, wo die Menschen intensiver nach Kirche und Glauben fragten, begleite ich nun im täglichen Miteinander einige hundert Personen im Leben und im Alltag.“

Dabei spielt natürlich auch die Tatsache, dass es sich meist um Menschen mit Behinderungen handelt, eine Rolle. „Von denen erhalte ich direkte und klare Ansagen“, so Hoff. „Sie entscheiden ganz bewusst selber darüber, wen sie wann, wo und wie lange in ihrem Leben dabei haben möchten oder nicht.“

Da gibt es die klassischen Glaubensfragen, da gibt es den, der mit Gewissensbissen zum Gespräch kommt, da gibt es den mit den „weltlichen“ Problemen im Alltag oder in der Gruppe und dann gibt es auch die, die immer wieder mal zu einem Schwätzchen vorbei kommen. „Gibt es etwas Schöneres, als wenn jemand ihren Terminkalender durcheinander bringt, weil er ihnen jetzt und sofort vorspielen will, was er gerade auf der Blockflöte gelernt hat? Das Problem, mit der einen Sache beschäftigt und in Gedanken schon bei der nächsten zu sein, haben viele Menschen mit Behinderung einfach nicht. Da gibt es viel zu lernen.“

Auch das gehört zu dem, was Thomas Hoff sich in seiner Arbeit vorgenommen hat: Den Menschen auf Augenhöhe zu begegnen! „Dabei biete ich ihnen den Glauben an“, bringt er wieder die Ordensgründerin Katharina Kasper ins Gespräch. „Es ist ganz wesentlicher Teil meiner Aufgabe, darauf zu achten, dass da, wo Katharina Kaspar drauf steht, auch Katharina Kaspar drin ist“, beschreibt er den besonderen Geist, der in der Katharina Kasper ViaNobis GmbH in Gangelt herrscht.

Messen und Wortgottesdienste, bei denen der Ordensvertreter häufig mitwirkt, finden in der hauseigenen Kapelle statt. Er steht natürlich in einem regen Austausch mit Schwester Charlotte, der Oberin im Konvent, und freut sich, wenn sie und die jüngeren Schwestern, die im Hause leben und arbeiten, sich an der Mitgestaltung der Gottesdienste beteiligen.

Er geht aber auch in die Gruppen, wo zielgerichtete Dienste im Angebot sind. Dabei steht selbstverständlich das Wort Gottes im Mittelpunkt. „Aber wir reden auch unter vier Augen oder in kleinen Gruppen über die großen und kleine Dinge des Lebens“, so Hoff, der sich immer wieder verblüfft zeigt, wie außergewöhnlich Menschen mit Behinderung zum Beispiel mit dem Thema Sterben umgehen.

Er erzählt die Geschichte rund um eine Bewohnerin, die während der Karnevalstage verstarb. Eine Mitbewohnerin war trotz ihrer Trauer zur hauseigenen Kappensitzung gegangen, hatte anstatt der Kamelle eine gelbe Plastikente gefangen, die sie dann während der kleinen Trauerfeier wortlos auf die Bettdecke der Verstorbenen legte. „Das sind die Momente, in denen der Boden unter meinen Füßen wackelt!“

Natürlich ist auch das Weihnachtsfest im Haus ein großes Thema. Anstelle einer Predigt, gibt es während der Gottesdienste Gespräche über Sinn, Schönheit und Wichtigkeit dieses Festes. „Es ist ein außergewöhnliches Erlebnis, diese Begeisterung und Lebendigkeit einer Gottesdienstgemeinde zu spüren und zu erfahren.“

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