Geilenkirchen: Der jecke Sturm war da, der Regen fehlte

Geilenkirchen: Der jecke Sturm war da, der Regen fehlte

Zum Beginn des Sternenmarschs fielen dann tatsächlich ein paar Regentropfen vom Himmel. Die kamen zwar fast auf die Minute pünktlich, wären aber kaum der Rede wert gewesen — wenn denn die Stadt den Rathaussturm nicht in vorauseilendem Gehorsam ins Zelt verlegt hätte. Der Regen aber — zu Karneval sei das krumme Wortspiel gestattet — fiel ins Wasser.

Und so stand zu Beginn eines närrischen Nachmittags die Erkenntnis, dass man das Zelt auch im Depot und die Narren im Freien hätte lassen können. Eine Tatsache, die allen Beteiligten am Freitag sichtlich leid tat. Hinterher aber weiß man bekanntlich immer mehr — und die Stimmung ließ sich das Geilenkirchener Narrenvolk auch durch die unnötige Überdachung nicht vermiesen.

Watschte mit E-Gitarre und bester Büttenrednerstimme die Grünen ab: Bürgermeister Thomas Fiedler.

Zumal man festhalten muss: Ein Festzelt besteht neben einem Dach auch aus biegsamen Holzdielen auf dem Boden. Und darauf lässt es sich selbstverständlich schöner schunkeln als auf dem starren Beton des Marktplatzes.

So süß ist der Geilenkirchener Karneval: Keine Spur von Lampenfieber bei diesen jungen Tänzerinnen.

Bevor die Ratsleute um Bürgermeister Thomas Fiedler auf die Bühne gebeten wurden, hatten die Jecken schon Gelegenheit bekommen, sich mit dem Vorprogramm auf Betriebstemperatur zu bringen.

Geballte Macht: Der Sternenmarsch durch die Innenstadt fiel halbwegs trocken aus.

Geballte Macht

Große Karnevalisten und kleine Käfer: Auch diese beiden Gäste hatten ihren Spaß.

„Die geballte Macht der Geilenkirchener Karnevalsgesellschaften“, kommentierte der moderierende Präsident der KG Loot se Loope, Norbert Hermanns, den Einmarsch der Vereine samt Prinzenpaar Klaus II. (Sigismund) und Johanna I. (Wagemann). Danach zeigten auf der Bühne zuerst viele kleine Karnevalisten, wie richtig gefeiert wird, anschließend die Schwergewichte von „Kölsch Blood“. Deren kölsches Liedgut wurde zwar nicht gerade vom besten anzunehmenden Sound geadelt, der gesungenen Aufforderung „Drink noch ene met“ kamen die mittlerweile zahlreich im Zelt vertretenen Jecken aber dennoch gerne nach. Kölsches Blut und Geilenkirchener Karneval — das passt.

Seine (vorläufig) letzten Minuten als Bürgermeister nutzte Thomas Fiedler, um ausgestattet mit Elektrogitarre und bester Büttenrednerstimme den einen oder anderen Ratskollegen abzuwatschen — vor allem von den Grünen. „Wir kommen alle, alle, alle in den Himmel weil wir so brav sind“, stimmte Fiedler bei blinkenden Ironiewarnleuchten den ollen Gassenhauer von Jupp Schmitz an. Und der hat anno dazumal auch ein Stück geschrieben, mit dem Fiedler die Situation seines Kämmerers singenderweise illustrierte: „Wer soll das bezahlen, wer hat so viel Geld...“

„Die Ratsmitglieder zittern schon“, stellte Moderator Hermanns anschließend fest. Denn nach einem kurzen Auftritt der Tanzgarde „Dance Generation“ stand endlich die Schlüsselübergabe an. Die von Fiedler gestellte Knobelaufgabe lösten Klaus und seine Johanne spielend — sie bestand darin, kurz angespielte Karnevalshits zu erkennen.

Dann war der Schlüssel freigegeben für die Narren. „Jetzt! Da liegt er! Ich kann ihn schon sehen! Da ist das Ding!“, war ein atemloser Norbert Hermanns über die Lautsprecher zu vernehmen. Thomas Fiedler nahm seine vorübergehende Entlassung niemandem krumm, im Gegenteil lobte er das Prinzenpaar praktisch als vorläufig letzte Amtshandlung noch in den höchsten Tönen: „Liebe Johanne, Du machst das wunderbar, lieber Klaus, Du machst das auch fantastisch.“

Anschließend wurde gefeiert mit dem Tanzmariechen Melissa, dem Männerballett „Au Knotze“, der Showtanzgruppe „Celebration“ und der Musikgruppe „Volljaas“ sowie DJ Ronny.

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