Geilenkirchen: Das „weiße Städtchen“ Thorn lockt die Europafreunde

Geilenkirchen : Das „weiße Städtchen“ Thorn lockt die Europafreunde

Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute so nah liegt? Dies muss sich vermutlich auch der Vorstand der Europa-Union Geilenkirchen gefragt haben, als er beschloss, Mitglieder und Gäste zu einer Tagesfahrt in das „weiße Städtchen“ Thorn in Limburg, Niederlande, einzuladen.

Das sommerliche Wetter erlaubte es den Besuchern aus Geilenkirchen, mit einer Bootsfahrt über die Maas und die Maas-Seen das Besuchsprogramm zu beginnen.

Nach einem stärkenden „Bourgunderlunch“ erwarteten zwei charmante Gästeführerinnen die rund 50 Mitglieder und Gäste der Europa-Union, um mit ihnen das Städtchen zu erkunden.

Klein, aber fein — dies trifft zweifellos auf Thorn zu. Rund 800 Jahre lang war Thorn die Hauptstadt eines Miniaturfürstentums, heute steht fast jedes Haus unter Denkmalschutz. Die Besucher merkten sehr schnell, dass es einiger Zeit bedurfte, diese idyllische Stadt kennenzulernen und seine baulichen Schönheiten zu entdecken.

Hauptattraktionen sind der historische Kern mit pittoresken weißen Häuschen und zahlreichen Originalgebäuden aus dem 15. bis 19. Jahrhundert.

Die mit Steinen aus der Maas gepflasterten verwinkelten Gassen laden zum Bummeln ein, vorausgesetzt man hat das geeignete Schuhwerk dabei. Lauschige Höfe und die Abteikirche, deren ältester Teil auf das Ende des 10. Jahrhunderts datiert ist, verleihen Thorn mit seinen 2400 Einwohnern ein mittelalterliches Bild.

In Thorn regierten fast 800 Jahre lang Stiftsdamen, die aus dem Ort eine Quelle des Wohlstands machten. Während in das Damenstift nur unverheiratete Frauen aus dem Hochadel eintreten durften, konnten heiratswillige Ordensdamen außerhalb der Klostermauern eigene Häuser bewohnen, die zum großen Teil noch heute erhalten sind.

Ende des 18. Jahrhunderts besetzten die Franzosen die Stadt und führten Steuern auf der Grundlage der Fenstergröße ein. Da die Häuser in Thorn viele Fenster hatten, konnten arme Bewohner die Steuer nicht aufbringen und mauerten daher die Fenster zu. Anschließend verbargen sie die „Narben der Armut“ unter einer Schicht weißen Kalks.

Glücklicherweise, mögen Besucher heute urteilen, verleihen die weiß gekalkten Häuser Thorn einen besonderen und einmaligen Charme, der jedes Jahr Tausende Besucher anzieht.

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