Geilenkirchen: Das Gefühl des Liebens ist der Tod der Liebe

Geilenkirchen: Das Gefühl des Liebens ist der Tod der Liebe

Wenn aus der Aula eine Arena wird, wenn Theater zum multimedialen Erlebnis wird, dann zeigt der Literatur-Kurs „Theater“ des Bischöflichen Gymnasiums St. Ursula was er kann. So auch beim jüngsten Stück namens „Fall Luise M.“.

Die Grundlage für die intensive Überarbeitung und Innovation des Stoffs war Friedrich Schillers zeitloses Werk „Kabale und Liebe“. Mehr als noch in Shakespeares Liebes-Drama „Romeo und Julia“ legte der deutsche Dichter den Fokus auf den Absolutismus der Liebe, die Tyrannei, die aus ihr erwachsen kann, und die fatalen Folgen einstig ungeteilter Zweisamkeit.

Genau dort platzierten die jugendlichen Darsteller unter der Leitung von Kurslehrerin Claudia Villis ihren Schwerpunkt. Sie rückten die Figur der Luise in den Mittelpunkt, zeigten minutiös ihr Martyrium, aber auch ihre Hoffnungen, ihre grenzenlos enttäuschte Liebe und ihre Verzweiflung. Motivator hinter diesem Spiel bleibt Ferdinand, der wohl das Gefühl des Liebens mehr liebt als die Liebe selbst. Mit einem bisher in solchen Rahmen noch nicht gesehenen Kunstgriff verstanden es die Schüler, das Drama noch intensiver darzustellen, ohne es der leichten Konsumierbarkeit wegen zu opfern.

Denn Luise war an diesem Abend in der Aula des Gymnasiums gleich zweimal anwesend. Zum einen als leibhaftige Darstellerin, die am Schluss den Todestrank zu sich nimmt. Zum anderen als Videoeinspielung, die aber nicht als „Konserve“ vom Band kam, sondern zeitgleich in einer stillen Ecke der Aula produziert und live in den Theaterraum übertragen wurde.

Der zweite Kniff an diesem Abend, der es für die Darsteller nicht einfacher machte, war der Theateraufbau. Wie in einem Straßentheater spielten die Jugendlichen in der Mitte eines stadionartig aufgebauten Auditoriums. Kein Souffleur stärkte ihnen den Rücken, sie mussten sich dem 360 Grad umfassenden Blick der Zuschauer hingeben. Und das Experiment gelang. Denn nicht nur die Schauspieler brachten es mit ihrer extremen Interpretation auf den Punkt, die nach allen Seiten offen war und Überraschungen — wie plötzlich aus einer Ecke heraustretende Spieler — verbarg und die Intensität des Spiels spürbar verstärkte. Das mit starken Kontrasten arbeitende Licht, die wenigen, aber pointiert gesetzten Sound­effekte und die aufs Nötigste reduzierten Kostüme wie auch Requisiten ließen dem Stück genügend Raum, um zu atmen.

Macht und Ohnmacht der Liebe konnten so auf eine der wohl eindrucksvollsten Weisen erlebt werden und gaben den Gästen das Gefühl, nach gut einer Stunde Theatergenuss für etwas wirklich Einmaliges applaudieren zu dürfen.