Christian Macharski liest im Amtsgericht Geilenkirchen

Lesung im Amtsgericht : Die Stunde der Wahrheit

Hastenrath Wills achter Fall heißt „Die Stunde der Wahrheit“. Autor Christian Macharski stellte diesen Dorfkrimi, in dessen Mittelpunkt wieder sein Alter Ego, Dorfvorsteher Hastenraths Will, steht, gleich nach dem Erscheinungsdatum im Amtsgericht Geilenkirchen vor. Der große Sitzungssaal war an diesem Abend ausverkauft, was eher unüblich ist. Obwohl so manche Szene aus Macharskis neuem Krimi durchaus aus den Annalen des Amtsgerichtes entnommen sein könnten.

Corinna Waßmuth, Leiterin des Amtsgerichtes und Sprecherin des Rechts in so manch vertracktem Fall, dürfte im Geiste schon das Urteil gesprochen haben, als Macharski schilderte, wie Kreisliga-C-Legende Richard Borowka auf dem Fußballfeld darin verwickelt ist, dass einem Spieler der gegnerischen Mannschaft in einer von spielerischen Qualitäten eher unbeeindruckten Partie mit einem Schlag das Nasenbein gebrochen wird. Borowka wäre als Täter, Mittäter oder Anstifter der Körperverletzung (Genaueres müsste die Beweisaufnahme ergeben) vielleicht noch mit einer Bewährungsstrafe davon gekommen, obwohl man ja nicht weiß, was er in den sieben Dorfkrimis zuvor schon so angestellt hat.

Die Besucher der Leseshow hatten auf jeden Fall einen vergnüglichen Abend. Christian Macharski hat in all den Jahren auf den Bühnen des Selfkants und weit darüber hinaus eher noch an Attraktivität gewonnen. Man muss sich sogar fragen, gäbe es den Selfkantkreis überhaupt ohne Hastenraths Will?

Professionell ausgeleuchtet war der Sitzungssaal an diesem Abend. Ein Schweinwerfer rechts, einer links postiert und dazwischen der Fernseher, auf dem Hastenraths Will „live“ dazu geschaltet wurde, wenn Christian Macharski am Pult eine Lesepause einlegte und Hastenraths Will das Wort zu einem Kommentar überließ.

„Die Stunde der Wahrheit“ startet im Kuhstall von Landwirt und Ortsvorsteher Hastenraths Will. Stets ein Mann der kurzen Entschlüsse, verpflichtet Will einen Unbekannten, der auf seinem Hof gestrandet ist, ihm bei einer heiklen Betriebsprüfung ein wenig unter die Arme zu greifen. Der Unbekannte hat sein Gedächtnis verloren, weiß in buchhalterischen Dingen aber bestens Bescheid. Während der Mann ohne Gedächtnis seine Erinnerung vermisst, tuen Hastenraths Will, Hauptkommissar Kleinheinz und Richard Borowka, was in solch einem Fall zu tun ist, sie gehen auf Spurensuche.

Christian Macharski hat in diese Spurensuche so manche amüsante Geschichte eingebaut, wie die von den Bulleneiern, dem Eierbänkchen und manch anderem Schmunzelnswertem. Bei der Dorfkrimi-Reihe handle es sich weder um Comedyromane noch um klassische Regionalkrimis, sondern schlicht um spannend-leichte Unterhaltungsliteratur irgendwo zwischen Thomas Mann und Rosamunde Pilcher, befindet Macharski. Und mit dieser Einschätzung scheint er auch richtig zu liegen, denn die Besucher des Leseabends im Amtsgericht Geilenkirchen wussten diese Art der Unterhaltung sehr zu schätzen.