Geilenkirchen: Bürgermeister will Klimaschutzkonzept für Geilenkirchen

Geilenkirchen: Bürgermeister will Klimaschutzkonzept für Geilenkirchen

Raus aus der Atomkraft: Dies fordern Politiker im Bund und in den Ländern. Doch wo soll die Energie herkommen? Inwieweit soll man in die erneuerbaren Energien umsteigen? Welche Bedeutung hat die Windenergie? Mit der Energiewende beschäftigen sich nicht nur Bundestag und Bundesrat.

Auch in den Kommunen sind diese und viele andere Fragen angekommen. Einerseits will man sich von seiner umweltfreundlichen Seite zeigen, andererseits sind die Städte und Gemeinden gezwungen zu sparen. Besonders jene Kommunen, die sich in der Haushaltssicherung befinden. Auch Bürgermeister Thomas Fiedler will für Geilenkirchen ein Klimaschutzkonzept. „Es geht darum, weniger Energie zu verbrauchen, Anreize und bestmögliche Informationen für private und gewerbliche Energienutzer zu schaffen und Energie intelligenter einzusetzen”, definiert Fiedler die Ziele.

Nach den Diskussionen in Land und Bund über Klimaschutz sieht Fiedler Hinweise, dass es in diesem oder im nächsten Jahr gesetzliche Vorgaben für Kommunen gibt. „Dann werden die Kommunen vielleicht gesetzlich gezwungen darzustellen, was sie für den Klimaschutz tun können”, sagt Fiedler. Er weiß auch: „Solange das Bundesumweltministerium Geld für solche Maßnahmen ausschüttet, sollten wir die auslaufende Phase der Freiwilligkeit nutzen. Sobald ein Klimaschutzkonzept für alle Kommunen verpflichtend ist, sind die Fördergelder ganz schnell aufgebraucht. Für uns ist das natürlich auch interessant, weil wir uns in der Haushaltssicherung befinden.”

Seit Mitte vergangenen Jahres widmet sich Fiedler verstärkt dem Klimaschutz. „Die Dringlichkeit war mir sehr bewusst. Auch die Energieversorger stellen sich darauf ein und sind landesweit dabei, wenn es darum geht, die Kommunen zu unterstützen”, sagt er. Jetzt will er zunächst die Erstellung eines Klimaschutzkonzeptes vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit gefördert wissen.

Zunächst einmal wird sich der Bauausschuss in seiner Sitzung am Dienstag, 7. Februar, 18 Uhr, mit dem Thema beschäftigen. Er soll die Verwaltung beauftragen, ein Klimaschutzkonzept erstellen zu lassen und Fördergelder zu beantragen. Fiedler rechnet mit Kosten von 30.000 bis 40.000 Euro für ein Klimaschutzkonzept. „Das würde aber mit 80 Prozent gefördert. Die restliche Summe hätte man durch Energiesparmaßnahmen ganz schnell eingespart, so dass die Erstellung des Konzeptes haushaltsneutral wäre.”

Wie breit das Spektrum des Klimaschutzes auch in einer Kommune ist, macht Fiedler deutlich: Warum sollte Geilenkirchen nicht Standpunkt für eine Erdgastankstelle sein? „Erdgas ist ein zukunftsträchtiger Stoff für Mobilität und führt zur Verbesserung der Kohlendioxid-Bilanz”, weiß Fiedler. „Derzeit fahren im Kreis Heinsberg 42 Fahrzeuge mit Erdgas.” Der Bürgermeister hat aber auch den „Mamataxiverkehr” im Auge, beispielsweise zur Musikschule. „Warum sollte man Kurse nicht in der Stadt aufteilen, damit nicht alle Kinder in die Innenstadt gebracht werden müssen?”

Für Fiedler ist auch die Nahversorgung ein Thema der Zukunft. „Die ist in den Orten nicht mehr gegeben. Das muss gefahren werden.” Auch die Patienten der rund 40 Fachärzte in der Stadt müssen mobil. Deren Autos verbrauchen Benzin oder Diesel und benötigen Parkraum in der Stadt: „Telemedizin wird ein Thema sein”, versichert Fiedler.

Liegt ein Klimaschutzkonzept vor, geht es an die Verwirklichung von Maßnahmen. „Da müssen alle städtischen Immobilien auf ihren Energieverbrauch überprüft werden. Da müssen Dächer saniert und neue Fenster eingebaut werden. Die Kunst wird sein, sich Maßnahmen fördern zu lassen, die sich nach Jahren amortisieren. Unsere LED-Straßenbeleuchtung rechnet sich nach etwa acht Jahren”, nennt Fiedler ein Beispiel. Die Senkung des Energieverbrauchs liegt Thomas Fiedler besonders am Herzen, ob im Sportzentrum Bauchem oder in den örtlichen Vereinsheimen. Mit den Vereinen will er darüber reden, wie Energie eingespart werden kann. Und das können manchmal ganz einfache Maßnahmen sein: Der Letzte macht das Licht aus!

„20 Prozent Energie kann man durch ein Klimaschutzkonzept einsparen. Das ist möglich. Dabei handelt es sich aber immer um den Spagat zwischen Wünschenswertem und finanziell Machbarem”, sagt Fiedler und erinnert an die alte Schule Süggerath: „Die müsste eigentlich saniert werden, doch der Haushalt gibt das nicht her”, bedauert er.

Zunächst bereitet Fiedler mit Wirtschaftsförderin Susanne Köppl und Juristin Lea Schmitz den Antrag an Umweltministerium vor. Erhält die Stadt einen positiven Bescheid, muss die Erstellung eines Klimaschutzkonzeptes zunächst ausgeschrieben werden. Hat man sich für einen Bewerber entschieden, könnte es zum Jahresende fertig sein. „Dann könnten wir in Absprache mit der Kommunalaufsicht die Machbarkeit einzelner Projekte vorstellen.” Dabei versichert Fiedler: „Es wird nichts getan, was sich nachher nicht in barer Münze auszahlen wird. Energiesparen hilft unserer Haushaltslage, denn ich verbinde Klimaschutzziele mit Einsparzielen.” Doch jetzt startet erst einmal ein Wettbewerb der Kommunen um die Fördermittel . . .