Geilenkirchen: Bürger klagen: Awacs-Lärm immer lauter

Geilenkirchen: Bürger klagen: Awacs-Lärm immer lauter

Die Initiative gegen Awacs-Emissionen gibt nicht auf: Auch nachdem der Geilenkirchener Stadtrat mit den Stimmen der CDU den Antrag der Initiative auf Errichtung einer zweiten Lärmmessstation in der Innenstadt abgelehnt hat, hält sie an ihren Plänen fest, den von den in Teveren startenden und landenden Aufklärungsflugzeugen verursachten Lärm stärker zu dokumentieren.

100 Geilenkirchener Familien haben sich mittlerweile dem im Jahr 2001 gegründeten Verein angeschlossen, mit dem Ziel, den Fluglärm über Geilenkirchen zu reduzieren. Wogegen die Mitglieder aber nicht kämpfen, sagen sie ebenso deutlich: „Wir haben nichts gegen den Awacs-Verband. Wir wünschen uns den Erhalt aller Arbeitsplätze”, erklärt Vorsitzender Jürgen Seidler.

Dies unterstreicht auch die zweite stellvertretende Vorsitzende Elisabeth Solty: „Wir sind doch nicht blind. Wir wissen, dass der Awacs-Verband ein erheblicher Wirtschaftsfaktor ist.”

Nachtflugverbot

Diejenigen, die 1998 als Bürgerinitiative gegen Awacs-Lärm gestartet sind, können heute nach eigenem Bekunden auf Erfolge ihrer Arbeit verweisen. Da sind die Platzöffnungszeiten des Teverener Flugplatzes, durch die die Flugzeiten außerhalb operativer Einsätze geregelt sind, da ist das Nachtflugverbot, da ist die Anschaffung eines zweiten Simulators, da sind die reduzierten Triebwerktestläufe, und da ist die Lärmschutzkommission, die sich der Verein auf seine Fahnen schreibt.

„Wir stehen dabei im Dialog mit dem Verband. Und wir fühlen uns von ihm akzeptiert”, sagt Elisabeth Solty. Und Seidler ergänzt: „Wir haben nie eine einzige Aktion gegen den Verband gestartet. Wir hatten nur ökologische Aktionen, aber nie ökonomische Ziele.”

Während Elisabeth Solty die Führung des E-3A-Verbandes für die Kommunikationsbereitschaft lobt, herrscht bei Jürgen Seidler Unverständnis: „Es ist einfacher, mit einem Vertreter der Air Base zu reden als mit der Stadt.” Dies unterstreicht auch Elisabeth Solty: „Wir versuchen, ins Gespräch zu kommen, aber es gelingt uns nicht. Auf schriftliche Anfragen nach einem Termin mit dem Bürgermeister bekommen wir keine Antwort.”

Jürgen Seidler erinnert sich an ein Gespräch, „als der Bürgermeister sein Amt angetreten hat”. Aber: „Seitdem gab es keins mehr.” Vor einem Jahr habe der Verein nochmals konkret um eine Unterredung gebeten. „Denn wir halten den Dialog für wichtig. So wie wir ihn mit Kreisdirektor Peter Deckers und mit dem Leiter des Kreisgesundheitsamtes Dr. Feldhoff haben. Auf unsere schriftliche Bitte hin gab es vom Bürgermeister allerdings keine Reaktion”, beklagt sich Solty.

Eine Anfrage zur Fluglärmproblematik und Lärmschutzzonen anlässlich des Umwelttages in Geilenkirchen hätten alle im Rat vertretenen Fraktionen beantwortet: „Nur nicht die CDU.” Seit Juli 2008 betreibt der Verein eine eigene Lärmmess-Station auf Gut Hommerschen mit dem Ziel, den von den Awacs-Flugzeugen verursachten Lärm zu erfassen und die Daten zu speichern.

„Wir wollten die zweite etwa 3400 Euro teure Anlage im Stadtkern. Nicht um die Base in ihrem Bestand zu gefährden, sondern um Vergleichsdaten zu sammeln”, begründet Seidler den Antrag. Viele Bürger hätten den Eindruck, die Flugzeuge seien lauter geworden. Diese subjektiven Empfindungen der Menschen müsse man aber objektiv darstellen. Außerdem sei so ein Vergleich der Daten von Stadtrand und Stadtmitte möglich.

Keine längere Startbahn

„Wir wollen mit diesen Daten überhaupt nicht rechtlich gegen den Verband vorgehen, sondern nur dokumentieren, was wir empfinden”, erläutert Solty. Derweil macht Martha Schulenburg, ebenfalls Vorstandsmitglied des Vereins, auf eine weitere Problematik aufmerksam: Angesichts der Forderung der niederländischen Provinz Limburg, die Startbahn um 900 Meter in Richtung Geilenkirchen zu verlängern, um den Lärm auf niederländischer Seite zu reduzieren, könne man mit dem Lärmmessgerät dokumentieren, „dass es schon laut genug ist”.

Bis zu 110 Dezibel

„Ja, wir merken doch, dass es immer lauter wird, obwohl weniger geflogen wird. Wir messen hier Spitzenpegel bis 110 Dezibel. Solche Werte gibt es in der zivilen Luftfahrt nicht”, sagt Solty, und Seidler ergänzt: „Die Gesetzgebung orientiert sich nicht an Spitzenpegeln, sondern an Mittelpegeln. Und die sind nicht mehr so hoch, weil in Geilenkirchen weniger geflogen wird.”

Einen Dialog mit der Politik über die Messstation, so Solty, habe es nicht gegeben, lediglich „eine Inaugenscheinnahme unserer Anlage durch die Verwaltung”. Sie glaubt auch, den Grund zu kennen: „Politiker sehen in Awacs mit Recht einen Wirtschaftsfaktor. Aber manche glauben, wenn man sich in Augenhöhe mit den Soldaten unterhält, ziehen sie ab. Das aber ist eine Entscheidung auf höchster Nato-Ebene und hat nichts damit zu tun, ob sich ein Bürgermeister hinter seine Bürger stellt.” Für die Initiative steht derweil fest: Die zweite Station wird angeschafft, notfalls über Spendengelder finanziert.

Während Martha Schulenburg eine Startbahnverlängerung um 900 Meter im Zuge der Sanierung im Jahr 2011 befürchtet, sagt der Vorstand unsisono: „Das Problem Fluglärm ist da. Und auch ein Afghanistan-Einsatz und damit verbundene Flugreduzierung dürfen uns nicht von unserem Einsatz abhalten.”

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