Geilenkirchen: „Brunnenfest pur“ im beschaulichen Kraudorf

Geilenkirchen : „Brunnenfest pur“ im beschaulichen Kraudorf

„Diesmal feiern wir ein ‚Brunnenfest pur‘ — ohne Tag des offenen Denkmals, ohne Flohmarkt und ohne Autorenlesung, wie teils in den vergangenen Jahren!“, verriet Günter Heinrich, erster Vorsitzender der Interessengemeinschaft der Pfarre Kraudorf, die das Fest organisierte. Zudem finde das Event jetzt wieder auf dem Brunnenplatz statt, nicht, wie früher, nahe der Kirche, erzählte er.

An diesem Ereignis schienen die meisten der 117 Kraudorfer und auch viele „Zugereiste“ Interesse zu haben, denn schon bald waren bei herrlichstem Sommerwetter die Holzbänke alle besetzt. Ebenso drängten sich die Gäste an den Stehtischen und genossen Bier und Gegrilltes. Auch das verlockende Kuchenbuffet — „alles selbst gebacken“, wie Petra Jöris und Gabriele Heinrich betonten — ließen sie sich schmecken.

Alles selbst gebacken: Das Kuchenbuffet ließ keine Wünsche offen. Foto: Renate Kolodzey

Riesenspaß hatten auch die Kinder: Sie jauchzten auf einer großen Hüpfburg und spielten ausdauernd mit dem kühlen Nass des leise vor sich hinplätschernden Brunnens, den sie, teils barfuß, umlagerten.

Günter Heinrich erläuterte, dass der Brunnen 2003 von den Mitgliedern der Interessengemeinschaft erbaut worden sei und mit einer Solarzelle betrieben werde. Die Pumpe laufe nur bei Sonne. Sei dies nicht der Fall, fehle Wasser im Behälter, das dann die Anlieger nachfüllten. Die verzierte Eisenplatte stamme noch vom ursprünglichen Brunnen, der nach dem Krieg zugeschüttet worden sei, nachdem ein Kind darin ertrunken war.

Der Kraudorfer „Ureinwohner“ Josef Jaeger kann sich noch gut an dieses schlimme Ereignis erinnern, das sich 1946 an einem Samstagnachmittag ereignete. Die Wasserleitungen hätten nicht funktioniert, und der Brunnen sei die einzige Stelle im Dorf gewesen, wo es Wasser gab. „Es war klar wie Kristall — meine Eltern holten dort zweimal täglich zwei Eimer voll“, wusste Jaeger noch.

Eine Frau wollte ebenfalls zum Brunnen gehen, der mit einem kleinen Häuschen überbaut war, ihr fünfjähriges Kind sei voraus gelaufen und habe die Türe geöffnet. Im selben Moment sei es schreiend in den 25 Meter tiefen Brunnenschacht gestürzt. Sofort habe man einen Mann in einem Korb hinuntergelassen, um das noch lebende, wimmernde Kind zu bergen. „Dieser Mann hatte nur einen Arm“, ergänzte Eduard Jöris, „sonst gab es keine Männer mehr im Dorf!“

Trotzdem konnte der Einarmige die Kleine packen. Beim Hinaufziehen entglitt sie ihm jedoch und fiel wieder hinunter. Unglücklicherweise auf Eisenstäbe, die im Brunnen quer gespannt waren. Schließlich konnte das Kind nur noch tot geborgen werden.

„Das war damals ein Schock hier im Dorf!“, erinnerte sich Jaeger schaudernd. Da es keine Schlösser gab, habe man ab diesem Zeitpunkt zur Sicherung Draht um die Türe gewickelt.

„Heute ist der Brunnen nur wenige Zentimeter tief!“, informierte Günter Heinrich die Gäste, die sich über die Restaurierung freuen: „Durch den Brunnen haben wir wieder einen Mittelpunkt im Ort, an dem wir feiern können!“, meinte Verena Nießen aus Hoven, und Anna Schaef aus Kogenbroich freute sich: „Das Brunnenfest ist klein, aber gemütlich — ein Stück Heimat!“.

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