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Birgden: Mandolinenorchester gestaltet mitreißenden Konzertabend

Mandolinenorchester „Wandervogel“ Birgden : Zarte Töne sind beim musikalischen Festmenü die größte Stärke

Zarte, wie hingehaucht getupfte Töne, die sich ohne die Schwere riesiger Instrumente oder gar elektronische Verstärker nur dem reinen Klang der Komposition hingeben: Das ist eine der Stärken, mit denen Mandolinen seit jeher brillieren.

Wie sich ein perfekt arrangiertes Mandolinen-Orchester anhört, durften die Besucher in der Pfarrkirche St. Urbanus in Birgden am vierten Adventssonntag erleben.

Was fast schon schüchtern mit den Worten „Vorweihnachtliches Konzert des Mandolinenorchesters Wandervogel Birgden“ überschrieben war, entpuppte sich beim näheren Hinhören als bestens zusammengestelltes, musikalisches Festmenü - nicht nur für Liebhaber dieses diffizilen Instruments.

Unter der bewährten Leitung von Christel Haak gingen die Damen und Herren vom „Wandervogel“ in ihrem Heimatort schon gleich mit dem ersten Stück in die Vollen: Die „Fantasia“ der „Impressioni Musicali“ aus der Feder von Giacomo Sartori war ein festlicher Empfang zu einem festlichen Anlass. Da brauchte es fast schon nicht mehr die wunderbaren Worte von Hermann-Josef Dahlmanns, der als blendend informierter und bestens aufgelegter Conferencier durch das Programm führte.

Trotzdem brachten seine Worte zwischen den einzelnen Klanggenüssen noch das gewisse Tüpfelchen aufs I, so erklärte er beispielsweise, dass die vom Ensemble gespielte „Elisabeth-Serenade“ des britischen Komponisten Ronald Binge auch im Arrangement von Karl Huppertz die optimistische Grundstimmung der gerade frischen Regentschaft von Königin Elisabeth II. von England widerspiegeln sollte.

Ohnehin war der ganze Konzertabend nicht nur vom Können der Solisten, Gruppen und des ganzen Orchesters geprägt. Auch die Wahl der Stücke – vom schwebenden „Abend in Toledo“ von Martin Schmeling über die flirrende „Triste Siberia“ von Mario Maciocchi bis zu Giacomo Sartoris zweitem Beitrag des Abends, „La Sagra del Villagio“ – zeugte vom musikalischen Verstand aller Akteure.

Dabei banden die „Wandervögel“ bei auch wieder einmal Gäste aktiv mit ins Geschehen ein: Zum einen das „Duo Amire“ mit Astrid und Michael Riegraf, die mit ihrer Interpretation moderner Stücke wie „Fragile“ von Sting oder „While my Guitar gently weeps“ von den Beatles bewiesen, dass Mandolinen und dazugehörige Instrumente durchaus auch mit rockigen Kompositionen nicht fehl am Platz sind. Zum anderen wurde Astrid Riegrafs glockenreine Stimme auch bei Programmpunkten wie den „Irischen Segenswünschen“ zum Kristallisationspunkt eines bis ins letzte Detail ausgefeilten Klangs.

Kein Wunder, dass sich das Mandolinenorchester an diesem Abend über aufwändige Tontechnik auch ein Tondokument erstellen ließ, das natürlich auch die außergewöhnliche und zur Musik passende Akustik des Gotteshauses festhielt.

Zum Abschluss des zu Recht viel beklatschten Abends sang Astrid Riegraf das spannende „Still, still, still“, dazu durften alle Anwesenden dank des auf der Rückseite des Programms abgedruckten Textes bei „Vom Himmel hoch“ selbst die Stimme erheben.

Und weil es so schön war, schloss sich mit dem traumhaften „Amazing Grace“ im Arrangement von Matti Kontio noch ein Klangklassiker an, der die ganze Opulenz des Orchesters noch einmal brillant auf den Punkt brachte.