Betreutes Wohnen in ehemaliger Hauptschule Boscheln

Mit Engagement und Herzblut : In alter Schule ein neues Zuhause geschaffen

Brigitte Fochler hatte zum Einzug in ihre neue Wohnung hohen Besuch. Selbst der Bürgermeister war gekommen, um zu schauen, wie nett sie sich eingerichtet hatte. Brigitte Fochler ist jetzt 65 Jahre alt.

Die helle, schön möblierte Zweizimmerwohnung in der alten Schule in Boscheln ist ihre erste eigene. Zuvor hatte Fochler in Gangelt in einer Einrichtung der ViaNobis gewohnt. Auf die Frage, ob sie sich denn den Schritt in die eigenen vier Wände zutrauen würde, hatte sie geantwortet: „Ich will im Leben doch auch noch etwas erleben.“

Brigitte Fochler hatte sich selber sehr dafür eingesetzt, eines der 23 Apartments des Wohnprojektes „Alte Schule Boscheln“ zu bekommen. Nachdem die Bewohner eingezogen sind, wurde nun die Einweihung gefeiert. Im Foyer der alten Schule gab es Musik und Reden und anschließend Fingerfood. Brigitte Fochler lud schon ein wenig stolz alle Gäste ein, sich doch einmal ihre schöne Wohnung anzuschauen.

Ilka Gerigk ist bei ViaNobis die Leiterin der Eingliederungshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung. Gerigk hieß die geladenen Gäste herzlich willkommen in der ehemaligen Hauptschule an der Friedensstraße in Boscheln. Der markante Turm mit dem Feuermelder ist natürlich erhalten geblieben, doch im Innern der Schule ist alles neu, hell und freundlich gestaltet. Einige der neuen Bewohner, so Ilka Gerigk, seien direkt aus dem Elternhaus, andere aus den stationären Wohnbereichen der ViaNobis im Kreis Heinsberg zugezogen. Männer und Frauen in der Altersspanne zwischen 20 und 72 Jahren haben in der alten Schule ein neues Zuhause gefunden.

Möglichkeiten der Begegnung

Ilka Gerigk: „Dieser bunte Strauß an Menschen, aber auch die besondere Immobilie einer alten Hauptschule, die zu einem Mehrparteien-Wohnhaus umfunktioniert wurde, geben dem Wohnprojekt einen ganz besonderen Charakter.“ Neben der Möglichkeit, in der eigenen Wohnung die Privatsphäre zu genießen, bietet das Haus auch vielfältige Möglichkeiten, Begegnung zu erleben.

Mehrere Gruppenräume, die Räume der Tagestruktur unter dem Dach und nicht zuletzt der Treffpunkt für Jedermann als Mittelbau auf dem ehemaligen Schulhof bieten viele Gelegenheiten für das gesellige Beisammensein der Menschen, die dort wohnen und derjenigen, die zu Besuch kommen.

Das Ehepaar Deptar aus Hückelhoven, so Ilka Gerigk, und die Firma Elmo Massivhaus aus Wassenberg als Ideengeber für das Wohnkonzept hätten mit der alten Schule ein Paradebeispiel geschaffen für Inklusion und Teilhabe.

Die Menschen, die jetzt in der alten Schule leben, seien in Übach-Palenberg mit offenen Armen aufgenommen worden, und dem Gelingen des Wohnprojektes habe nichts im Wege gestanden.

Das Betreuungsteam, so Ilka Gerigk, habe sich mit viel Enthusiasmus und Herzblut dafür eingesetzt, dass der Einzelne den großen Schritt in einen neuen Lebensabschnitt geschafft habe.

Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch brachte in seiner Ansprache seine Freude zum Ausdruck, dass die neu errichteten Wohnungen in der ehemaligen Hauptschule das Unterstützugs- und Betreuungsangebot für Menschen mit Handicap in der Stadt Übach-Palenberg erweitert hätten und dem wachsenden Bedarf nachkommen würden. Der Stadt sei es ein zentrales Anliegen, allen Bürgern, sei es mit Behinderung oder ohne, die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen.

Jungnitsch: „Wir wollen alle Barrieren abbauen, die handfesten wie die mentalen, und eine inklusive Gesellschaft aufbauen.“ Wenn Menschen mit Handicap mitten in der Gesellschaft leben, dann verändere sich auch die Haltung der Gesellschaft gegenüber Behinderten, dann ändere sich das Bild, das Menschen ohne Handicap von ihren Mitmenschen mit Behinderung haben.

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