Zum Welt-Alzheimertag am 21. September: Besuch vom Clown als Prävention

Zum Welt-Alzheimertag am 21. September : Besuch vom Clown als Prävention

„Den Schnee, Schnee, Schnee, Schnee-Walzer tanzen wir, Du mit mir, ich mit Dir; den Schnee, Schnee, Schnee, Schnee-Walzer tanzen wir, denn seit dieser Zeit, da gehöre ich immer Dir.“ Wer schon etwas älter ist, die zweite Lebenshälfte durchschreitet, der dürfte auch noch die Melodie zu diesem Walzer-Seligkeit verbreitenden Liebeslied im Ohr haben.

Und wer diese Melodie hört, bekommt sicherlich romantische Gefühle, die gut tun. Wenn dann noch ein Herr und eine Dame mit roten Pappnase vor einem stehen, und man gemeinsam bei Gitarren- und Geigenklängen das Schnee-Walzer-Lied singt, dann dürfte bei den meisten Menschen älterer Generation sich ein Lächeln auf den Lippen einstellen.

Auch wenn der ein oder andere gleich wieder einschläft, wäre dieses Lächeln schon ein Erfolg. Davon sind die Mitarbeiter des Wohnbereichs „Barbara“ des Katharina Kasper-Heims in Gangelt überzeugt. Helga Saß ist die zuständige Pflegedienstleitung für diesen Wohnbereich, in dem 33 Bewohner leben. An Demenz erkrankte Menschen und Menschen, die aufgrund ihres Alters mit eingeschränkten kognitiven Fähigkeiten leben, werden von Helga Saß und ihrem Team betreut.

In einer Fachzeitung hatte Helga Saß einen Artikel über  „Clownvisiten für Demenzkranke auf Rezept“ gelesen. Beim Lesen war es nicht geblieben. Sie nahm mit dem in Berlin ansässigen Verein Rote Nasen Deutschland Kontakt auf. Und mit der BKK EUREGIO fand sie einen Partner, der die Clownvisiten als Präventionsleistung fördert. Die Partnerschaft macht es möglich, dass die Clownvisiten im Wohnbereich „Barbara“ des Katharina Kasper-Heims nun schon seit einem Jahr regelmäßig alle zwei Wochen stattfinden können.

Zum Einjährigen war auch der Chef von Clown Locke und Clownin Udine nach Gangelt angereist. Reinhard Horstkotte ist der Artistic Director von Rote Nasen Deutschland und selber ein ausgebildeter Clown. Horstkotte hatte vor 20 Jahren den Klinik-Clown für sich entdeckt. Nach seiner Ausbildung zum Artisten und einer Spezialisierung auf das Clown-Fach war Horstkotte zuvor ganz traditionell auf Bühnen, im Straßentheater und im Circus aufgetreten. Das macht er heute zwar immer noch, doch ist die große Zeit von Clowns wie Grock, Charlie Chaplin oder Charlie Rivel, der immer so schön „Schööön!“ sagen konnte, leider vorbei.

Den Menschen Poesie und Lebensfreude zu vermitteln, dies sei die Aufgabe eines Clowns, sagt Reinhard Horstkotte. Ob dies nun im Circus oder bei Auftritten in Kinder- und Flüchtlingsheimen oder eben alle 14 Tage im Wohnbereich „Barbara“ gelingen kann, hängt sehr vom Improvisationsgeschick der Clowns ab.

Julia Tettenborn als Clownin Udine und Klaus Renzel als Clown Locke haben im vergangenen Jahr Beziehungen zu den Bewohnern aufbauen können. Dabei verlangt jeder Bewohner nach einer anderen Ansprache. Der Schneewalzer ist aber  ein schöner Einstieg und bricht meist schnell das Eis.

Bewohnerin Theresia Michel ist stets dankbar für den Besuch der Clowns. Ein wenig hat sie den Spruch von Charlie Rivel „Jeder Mensch ist ein Clown, aber nur wenige haben den Mut, es zu zeigen“ für ihr Leben angenommen. Sie geht gleich mit, als Clown Locke zur Gitarre greift und tanzt mit Clownin Udine ein paar Runden den Schneewalzer.

Josefine Better ist nicht ganz so lebhaft wie ihre Mitbewohnerin. Sie freut sich aber offensichtlich auch über die lustigen Gäste. Clownin Udine probierte bei Josefine Better den rote Nasen-Trick aus. Das Reiben der roten Pappnase an der Nase des Gegenübers macht, wenn man nur dran glaubt, alles etwas einfacher. Oder um es mit Charlie Rivel zu sagen: „Der Optimist hat nicht weniger oft unrecht als der Pessimist, aber er lebt froher.“ Etwas von diesem Frohsinn dringt eigentlich zu allen Bewohnern durch. Auch solche, die vielleicht, schnell wieder einschlafen, seien doch berührt worden vom Auftritt der Clowns, hat das Team vom Wohnbereich „Barbara“ feststellen können. Und Einschlafen sei doch ein gutes Zeichen, meint Reinhard Horstkotte, „das zeigt doch, dass die Menschen sich geborgen fühlen.“ Er fügt hinzu: „Wir möchten das die Menschen froh sind.“ Und ein Clown könne viele Türen öffnen.

Mehr von Aachener Nachrichten