Geilenkirchen: Behinderten auf dem Arbeitsmarkt Perspektiven bieten

Geilenkirchen: Behinderten auf dem Arbeitsmarkt Perspektiven bieten

Norbert Pobernik ist 53 Jahre alt und seit drei Jahrzehnten beim Caritas-Behindertenwerk in Eschweiler beschäftigt. Er wohnt zusammen mit Ehefrau und seinen beiden 20 und 22 Jahre alten Töchtern in Alsdorf.

Seit zwei Wochen absolviert er ein vierwöchiges Praktikum in der Schreinerei von Hartwig Bardehewer in Geilenkirchen-Niederheid. Der Schreinermeister hat bisher gute Erfahrungen mit Menschen mit einer Behinderung gemacht, denn mit Noueddin Gannon arbeitete zuvor bereits ein 23-Jähriger aus der Werkstatt für Behinderte in seinem Betrieb. „In diesen eineinhalb Jahren hat Noueddin einiges gelernt und von hier mit genommen”, blickt Bardehewer zurück.

Gannon hatte sich nach dem Praktikum entschlossen auch weiterhin in der Tischlerei zu arbeiten, bevor er sich dem Landschaftsbau zuwandte. Nun hat Fredi Gärtner, der Leiter Sozialer Dienste und Fachberater Berufliche Bildung der Caritas Behindertenwerk GmbH, dem Geilenkirchener Schreinermeister mit Norbert Pobernik einen Nachfolger vermittelt. „Wir wollen unseren Frauen und Männern Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt aufzeigen”, sagt Fredi Gärtner. Der Einsatz in der Schreinerei könne über ein Praktikum hinausgehen und in einen betriebsintegrierten Arbeitsplatz münden.

1064 Menschen betreut das Behindertenwerk aktuell, und schon viele wurden zwischenzeitlich in ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis übernommen. Kostenträger für die Maßnahmen sind der LVR und die Agentur für Arbeit. Jeder Integration auf einen betriebsintegrierten Arbeitsplatz ist zunächst ein Praktikum vorgeschaltet, und so weit hat es Norbert Pobernik geschafft. „Nach zwei Wochen habe ich ein gutes Gefühl”, sagt der 53-Jährige mit Blick auf eine eventuelle weitere Beschäftigung bei Hartwig Bardehewer.

Für den Unternehmer sind Zuverlässigkeit, Fleiß und der Wille weiterzukommen die Voraussetzung für ein Beschäftigungsverhältnis. Die drei genannten Punkte hat er bei einigen Mitarbeitern oftmals vermisst, und deshalb ist er schließlich auf das Behindertenwerk zugegangen.

Bardehewer hat die Erfahrung gesammelt, dass die Männer vom Behindertenwerk weitaus engagierter und hoch motiviert an die Arbeit gehen. Hier hat ihn auch Norbert Pobernik nicht enttäuscht, der von Anfang an kräftig mit anpackt. Das Schleifen von Türen zählte zu den ersten Aufgabengebieten des 53-Jährigen und derzeit ist er mit der Überarbeitung eines Würfelparketts beschäftigt.

Hartwig Bardehewer erklärt dem Praktikanten die Handgriffe und sieht sofort, ob sich der Mitarbeiter eignet. Bei Pobernik entdeckt er keine Schwierigkeiten, denn der Alsdorfer ist sowieso handwerklich orientiert. Seit 20 Jahren fährt Norbert Pobernik Auto, die 17 Kilometer Strecke von Alsdorf sind für ihn überhaupt kein Problem.

Noch ist nicht klar, ob das Praktikum direkt in den betriebsintegrierten Arbeitsplatz übergeht. Doch die Chancen stehen gut für ihn, und wenn ihn sein Gefühl nicht trügt, wird er alsbald eine feste Anstellung bei Hartwig Bardehewer bekommen. „Die Behindertenwerkstatt kann sich dann rausklicken und der Integrationsfachdienst würde Norbert ein Jahr lang begleiten”, erklärt Gärtner.

Wenn Pobernik die Arbeit bei Hartwig Bardehewer danach immer noch gefällt, wäre der 53-Jährige vollkommen unabhängig.