Übach-Palenberg/Gangelt: Baumschulen haben hohe Kosten: „Irgendwer muss uns doch helfen!“

Übach-Palenberg/Gangelt : Baumschulen haben hohe Kosten: „Irgendwer muss uns doch helfen!“

Die Wetter-App hat Jörg Barkowski immer im Blick. Auch die Nachrichten verfolgt er regelmäßig, und am Morgen geht sein erster Blick nach dem Aufstehen aus dem Fenster gen Himmel. „Eine solche Trockenheit habe ich noch nicht erlebt.“ Jörg Barkowski ist Geschäftsführer von Baumschulen Barkowski in Gangelt-Broichhoven.

Vom Bodendecker bis zum Alleebaum hat der Familienbetrieb sämtliche Baumschulpflanzen im Angebot — und alle haben sie Durst. „Viel Durst“, weiß Barkowski. Aber er, sein Vater Alfred und die zwei Mitarbeiter kommen mit dem Gießen nicht mehr nach.

Dieser junge Apfel hat Glück. Er steht im Gewächshaus und wird täglich gegossen. Darauf müssen die Bäume auf den Feldern aus Kostengründen verzichten. Ob sie das überleben? Foto: Simone Thelen

„Fast 3500 Quadratmeter Fläche am Betrieb selbst müssen täglich gewässert werden. Das schaffen wir zum Glück noch, da wir einen eigenen Brunnen haben.“ Allerdings können die umliegenden Felder mit einer Gesamtgröße von fünf Hektar Land mittlerweile nicht mehr bewässert werden. „Hier stehen die Alleebäume, die wir eingekauft und verschult haben und auch jene, die wir veredelt und umgeschult haben. Diese müssen wir nun leider sich selbst überlassen. Ich hoffe, dass sie es trotzdem irgendwie schaffen werden“, sagt Barkowski.

Josef Kranz ist zuversichtlich: Mit regelmäßigem Gießen und genügend Schatten bekommt er seine Pflanzen schon durch den Sommer. Foto: Simone Thelen

Auf jeden Fall hat er bereits Meldung gemacht. Die explodierenden Kosten durch die großen Wassermengen, die bisher schon auf die Felder aufgetragen wurden, und die Lohnkosten hat er schon beim Steuerberater gemeldet. Auch die Hausbank ist informiert, denn die Erträge bleiben derzeit aus. „Wenn die Bäume auf den Feldern es nicht schaffen, müssen wir sie verbrennen und neue einkaufen. Aber Wasser- und Personalkosten für das tägliche Gießen wären noch höher“ — eine kaufmännische Rechnung.

Jörg Barkowski hat sich auch an den Bund deutscher Baumschulen gewandt. „Landwirte bekommen in Krisensituationen Subventionen, was auch richtig ist. Aber die Baumschulen werden vergessen. Dabei sind unsere Pflanzen und Bäume doch wichtig für uns Menschen. Und man denke nur an die Insekten. Alles ist ein großer Kreislauf.“ Nicht umsonst habe sich der Bund der Baumschulen den Slogan „Grün ist Leben. Baumschulen schaffen Leben“ gegeben. Barkowski: „Darüber sollten sich die Politiker, auch hier vor Ort, mal Gedanken machen. Natürlich hat niemand Schuld an der Situation. Aber irgendwer muss uns doch helfen!“

Jörg Barkowski ist neben der Baumschule auch in der Gartengestaltung aktiv. Seine Kunden — Privatleute, Gartenbauer und Kommunen — hat er teilweise schon kontaktiert und auf die besondere Situation hingewiesen. „Jeder sollte im Moment täglich gießen, und ich rate davon ab, derzeit zu pflanzen. Der Boden ist zu hart, und neue Pflanzen, auch Rollrasen, können sich kaum in der Erde verankern.“

Josef Kranz, Geschäftsführer des Gartencenters Kranz in Übach-Palenberg, hat seinen Schwerpunkt in der Gartenplanung und -gestaltung. Große Umsatzeinbußen sieht er durch die Trockenheit noch nicht. „Wir arbeiten mit Containerpflanzen, also jenen, die in Töpfen stehen. Sie haben intakte Wurzeln und können problemlos gepflanzt werden — allerdings ist tägliches Gießen, am besten zweimal pro Tag, unbedingt notwendig.“

Wasser und Schatten

Kranz unterhält neben der Gartengestaltung und dem Verkauf auch eine Baumschule, überwiegend mit Tannenbäumen. „Die Tannenbäume gießen wir nicht. Die schaffen das allein.“ Gegenüber dem Gartencenter werden allerdings verschiedene Tujasorten gezogen, die täglich Wasser brauchen. Kranz: „Sonst werden sie braun, und wir können sie nicht mehr verkaufen.“ Täglich von 10 bis 17 Uhr ist ein Mitarbeiter dafür abgestellt, die Bäume und Pflanzen auf einer Fläche von rund 7500 Quadratmetern zu wässern. 10.000 Liter Wasser werden jeden Tag benötigt. Das Wasser kommt aus der Leitung, der 70.000 Liter fassende Regenwassertank ist schon seit Wochen leer. „Und für das Gießen brauchen wir eine Fachkraft. Man muss wissen, welche Pflanze wieviel Wasser braucht, man denke nur an einen Olivenbaum im Vergleich zur Hortensie.“

Wichtig sei, und das ist auch als Tipp für jeden Gartenbesitzer zu verstehen, den Pflanzen möglichst viel Schatten zu spenden. Kranz macht das mit großen Tuchdächern, die die Sonne abhalten. „Wer in seinem Garten zum Beispiel einen Ahorn hat, dem empfehle ich — so lustig sich das auch anhören mag — den Baum mit einem Sonnenschirm zu schützen. Die Blätter verbrennen sonst, und der Baum ist hinüber.“

Josef Kranz und Jörg Barkowski haben zwei Dinge gemeinsam. Das erste ist, dass beide Betriebe im 50. Jahr bestehen und sie das Handwerk von der Pike auf gelernt haben und quasi mit den Bäumen aufgewachsen sind. Darauf basiert dann auch die zweite Gemeinsamkeit: die Liebe zu ihrem Beruf und den Pflanzen. Barkowski: „Die Natur spiegelt den Menschen wider. Wie in der richtigen Schule die Kinder, werden auch die Bäume in der Baumschule versetzt, sie wachsen und erreichen eine höhre Qualität, als würden sie dazulernen.“

Um lernen zu können, brauchen die Pflanzen wie auch echte Kinder natürlich ein gutes Umfeld. Und dazu gehört: genügend Wasser.

Mehr von Aachener Nachrichten