Schüler kämpfen: Bald wieder Badeshorts im Ü-Bad erlaubt? 

Schüler kämpfen : Bald wieder Badeshorts im Ü-Bad erlaubt? 

Hautenges Höschen oder doch lässige Schwimmshorts? Für die Jugendlichen in Übach-Palenberg stellt sich diese Frage überhaupt nicht. Die Männer bevorzugen die langen Beinkleider beim Sprung ins kühle Nass. Doch dabei gibt es ein Problem.

Seit 2010 erlaubt die Badeordnung im Ü-Bad nur Bikini, Tankini, Badeanzug, Badehosen oder Kastenbadehosen. Badeshorts gelten als Drecksschleudern und wurden daher aus hygienischen Gründen verboten. Konsequent wird jeder Träger einer Badeshorts vom Bademeister aus dem Wasser gefischt. Doch daran könnte sich bald etwas ändern: Der Demokratiekurs des Carolus-Magnus-Gymnasiums hat nämlich einen Antrag auf Änderung der Badeordnung gestellt.

In seiner Sitzung am Donnerstag hat sich der Haupt- und Finanzausschuss erstmals mit diesem Antrag befasst, und die Chancen für die Anhänger der lässigen Badeshorts stehen nicht schlecht. „Wir finden es toll, dass sich die Jugendlichen in diesem Kurs mit solchen Themen beschäftigen“, erklärt Gerhard Gudduschat für die CDU. Der Antrag sei bemerkenswert und solle nun in dem zuständigen Fachausschuss beraten werden.

Gute Vorzeichen für Änderung

„Wir stehen dem Anliegen allerdings generell positiv gegenüber“, führt Gudduschat weiter aus. Wichtig sei ihm, sollte sich der Ausschuss für eine Änderung der Badeordnung aussprechen, diese auch bis zur Eröffnung der Freibad-Saison verabschiedet zu haben. „Ich könnte mir ansonsten im ersten Schritt auch einen Versuch vorstellen“, sagt er. „Wir erlauben einfach alle Badehosen und schauen eine Saison lang, wie sich der Chorgehalt entwickelt.“

Die Badeordnung war damals geändert wurden, um einen familienfreundlichen Chorgehalt zu ermöglichen. Die automatische Chlorierung des Wassers wird nämlich je nach Grad der Verschmutzung aktiviert. „Die Erfahrung hat gezeigt, dass Jugendliche etwa verschwitzte und dreckige Shorts, die sie zuvor im Alltag oder beim Sport schon getragen hatten, hinterher als Badebekleidung nutzen - inklusive Unterhose“, so die Argumentation des Amtes für Schule, Sport und Wohnungswesen in Übach-Palenberg vor einigen Jahren.

Nachdem zuweilen unangenehme Chlorwolken ausgestoßen worden waren, die bei Badenden zu gesundheitlichen Problemen führen können, entschied sich die Stadt  zu einer Radikal-Kur im Ü-Bad und strich die Badeshorts von der Liste der zulässigen Badebekleidung.

Diskussion ist nicht neu

„Diese Anregung ist nicht neu und verfolgt uns schon so lange, wie wir die Badeordnung verändert haben“, betont daher auch Alf-Ingo Pickartz (SPD) im Hauptausschuss. Diese Entscheidung sei damals aber über die Köpfe der Jugendlichen hinweg getroffen worden. „Jetzt melden sich die Betroffenen zu Wort“, so Pickartz weiter. Er sei dafür, ihre Bitte zu erhören. „Ich sehe keinen weiteren Beratungsbedarf und stimme dem Antrag zu.“ Für ihn sei die Änderung des Badeordnung dabei auch eine Art des gelebten Marketing für das Schwimmbad und die Stadt.

Die Schüler hatten in ihrem Antrag darauf verwiesen, dass nur wenige Jugendliche das heimische Freibad aufgrund der Badeordnung besuchen würden. Stattdessen nehmen sie lieber eine weitere Anfahrt in Kauf und besuchen die Freibäder in Gangelt und Merkstein. „Wer als Jugendlicher aber unser Freibad besucht, kommt später mit seinen eigenen Kindern wahrscheinlich wieder“, so die Argumentation von Alf-Ingo Pickartz.

Kritisch sieht hingegen Corinna Weinhold (UWG) den Vorschlag der Schüler, die Badeordnung soweit zu ändern, dass bei Zuwiderhandlung entsprechende Verweise ausgesprochen werden können. Für die Jugendlichen sei deutlich zu erkennen, welche Jungen zwei Hosen übereinander tragen, und sie gehen davon aus, dass die Badeaufsicht dies ebenfalls gut bemerken kann. „Den Bademeister möchte ich einmal sehen, der zu einem Jugendlichen hingeht und ihn ermahnt, weil er zwei Hosen trägt“, macht Corinna Weinhold auf ein Umsetzungsproblem aufmerksam.

Da die Jugendlichen im Hauptausschuss nicht anwesend waren, sprach sich Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch dafür aus, den Antrag in den zuständigen Fachausschuss zu verweisen und nicht direkt an den Rat zu empfehlen. „Dann können die Jugendlichen dort ihre Argumente vorbringen und alle Facetten zu dem Thema rauf und runter diskutiert werden“, so der Bürgermeister. Dieser Empfehlung schlossen sich die anderen Mitglieder des Ausschusses einstimmig an.

Schüler haben weiteren Antrag

Anschließend hatte der Hauptausschuss noch einen weiteren Antrag vom Demokratiekurs des Carolus-Magnus-Gymnasiums auf dem Tisch. In diesem beantragen die engagierten 16 Schüler einen kostenlosen Wlan-Zugang im Jugendzentrum in Übach-Palenberg. Der Kurs ist überzeugt, dass Wlan die Attraktivität und die Aufenthaltsqualität im Jugendzentrum deutlich steigern würde.

„Ein öffentliches Wlan wäre wünschenswert und machbar“, schreiben die Schüler in ihrem Brief an die Ratsmitglieder. Alternativ können sich die Schüler auch einen zeitlich begrenzten Zugang über ein Passwort oder eine entsprechende Registrierung vorstellen. „Auch diesem Antrag stehen wir positiv gegenüber“, erklärte Gerhard Gudduschat für seine Partei. „Ich denke, daraus lässt sich etwas machen.“ Einstimmig sprach sich der Ausschuss dafür aus, den Antrag in den zuständigen Fachausschuss zu verweisen. „Im Fachausschuss sollten dann auch die genannten Varianten und ihre Machbarkeit gegenüber gestellt werden“, ergänzte Corinna Weinhold.

Grüne schon lange dafür

Mit stiller Genugtuung und einem leichten Lächeln im Gesicht verfolgte Frank Kozian  (Bündnis 90/Die Grünen) diesen Tagesordnungspunkt. Seine Partei hatte bereits im Oktober 2015 einen Antrag auf Freifunk im Mehrgenerationenhaus gestellt. Er freut sich, dass durch die Jugendlichen nun Bewegung in das Thema kommt.

Der Demokratiekurs hat angekündigt, an den nächsten Sitzungen teilzunehmen. Sollten sie Rederecht erteilt bekommen, wollen die Schüler ihr Anliegen vorbringen und für Wlan und eine Änderung der Badeordnung kämpfen.