Übach-Palenberg: Ausstellung: Spontane Kunst mit einer Spur von Wissenschaft

Übach-Palenberg: Ausstellung: Spontane Kunst mit einer Spur von Wissenschaft

„Zehn - zwölf - fuffzehn...” Die Männer im städtischen Seniorenzentrum an der Bahnhofstraße nicken mit dem Kopf, schütteln sich oder machen eine Kaffeepause. Doch das alles ficht Hedwig, genannt Hedi, Klee nicht an. Denn jetzt sind die Räume in der Bahnhofstraße in Palenberg nicht nur Schauplatz vieler auf hohem Niveau ausgefochtener Skatwettkämpfe.

Sie sind auch Ausstellungsraum, Platz für heimische Kunst, für die Hedi Klee ganz besonders einsteht. Hedi Klee ist Architektin und freischaffende Künstlerin, sieht sich in der Heimat verwurzelt. Sie stellt ihre große Familie in den Vordergrund, träumt von einem selbst entworfenen und einzigartigen Haus, philosophiert gerne und nimmt Motive aus ihrer Heimatstadt Übach-Palenberg als Vorlage. So auch bei der Werkschau im städtischen Seniorenzentrum bis Ende Mai.

Schon als Architektin verlor sie nie ihre künstlerischen Ambitionen aus den Augen. Nach dem Abitur am damaligen städtischen Gymnasium, nach einer kurzen Zeit in einer ortsansässigen Bank, begann sie ihr Studium der Architektur in Aachen. Neben den typisch wissenschaftlichen Fächern legte sie großen Wert auf die künstlerischen Darstellungsmethoden.

Kreativität und Wissenschaft konnte sie in ihrem Berufswunsch der Architektin vereinbaren. Ihr Architekturstudium erweiterte sie unter anderem bei Professor Ulf Linke in Freihandzeichnen und Farblehre. In Aachen war in den frühen 1980er Jahren kein Platz mehr vor ihren Skizzenstudien sicher, schmunzelt sie. Perfektionismus ist ihr fremd, aber sie strebt immer nach Perfektionierung ihrer Arbeiten.

„Stillstand ist für mich Rückgang. Ich möchte mich stets weiterbilden. Von mir soll man nie hören: Jetzt kann ich auf diesem Gebiet alles.” Immer bleibt sie neugierig, will Neues lernen und erfahren. Experimentieren, Neues wie auch Kreatives ausprobieren, das ist ihr Wille, aber immer mit einem profunden wissenschaftlichen Hintergrund. „Erst muss man lernen, erfahren, dann kann man ausprobieren”, so geht sie an ihre Arbeit, ob als Künstlerin oder Architektin.

Ihre Architektenentwürfe waren es auch, die sie zur Aquarellmalerei brachten. Um diese Entwürfe besser präsentieren zu können, bildete sie sich weiter als Aquarellmalerin. Aber ihre wahre Passion ist die Darstellung mit Acrylfarben und sonstigen Materialien. Nichts ist im Haushalt, im Büro, oder auf der Baustelle vor ihren Ideen gefeit. Hier wird eine Gardine zum Druckstock, dort Sand in Farbe verarbeitet, Reste von Dämmmaterial werden umfunktioniert und für ihre Kunst verwendet.

Anderes entstehen lassen

Formen und Farben faszinieren sie, mit ihnen spielt sie, sie verarbeitet sie und lässt wieder andere, neue Formen und Farben entstehen. Auch mit Licht experimentiert sie. Licht und Farbe - ausdrucksstark und endlos variabel. Für sie ist unsere Region, die Stadt in der sie lebt und arbeitet, der Nabel der Welt. „Heimat”, definiert sie, „ist dort, wo deine Wurzeln sind. Deine Familie, das sind deine Wurzeln”.

Ihr Organisationstalent zeigt Hedi Klee als stellvertretende Vorsitzende des Künstlerforums „Schloss Zweibrüggen”, dem sie seit vielen Jahren angehört. Da sie nicht gerade ungern redet, findet sie immer Zeit für ein gutes Gespräch. Besonders gerne unterhält sie sich über Kunst. Wobei sie eine eigene Definition des Begriffs hat: „Kunst ist ein Thema, das uns bewegt, das uns motiviert, das uns animiert, das uns inspiriert. Kunst ist ein Thema, das uns immer begleitet”.

Hedi Klee ist zwanghaft auf der Suche nach Neuem. Sie will die Dinge wirklich anders sehen, etwas wirklich neu lernen. Sie will das Gelernte weiterentwickeln zu einer neuen Wirklichkeit. Sie verarbeitet viele Impressionen zu eigenständigen Erfindungen. Das ist für sie Kunst. Ihre Werke erschließen sich keineswegs beim ersten, flüchtigen Zugriff. Sie drängen danach, in Muße entdeckt, in Ruhe erfahren zu werden. Mit allen Sinnen, mit der Phantasie, vor allem aber mit der Seele. Ihr ist es auch wichtig, dass es dem Betrachter Freude macht ihre Bilder anzusehen, sagt Hedi Klee, „hineinzuschauen und hineinzugehen”.

Ausstellung bis Ende Mai zu sehen:
Ein Bild von den Arbeiten der Künstlerin Hedi Klee können sich Interessierte bis zum Mai-Ende im städtischen Seniorenzentrum Übach-Palenberg, Bahnhofstraße 14, machen. Die Öffnungszeiten sind montags, mittwochs und donnerstags von 9 bis 14 Uhr. Ab Mai ist die Ausstellung zusätzlich dienstags von 9 bis 14 Uhr zugänglich.

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