Geilenkirchen: Aus ungewöhnlichen Perspektiven des Erzählens

Geilenkirchen: Aus ungewöhnlichen Perspektiven des Erzählens

Drei Leute, sechs Bücher und gut 25 Gäste: Mit der Premiere seiner „Buchwelten” in Geilenkirchen traf Franz-Josef Fürkötter gleich ins Schwarze.

Gemeinsam mit Irmgard Trauling und Johannes de Kleine zeigten die mit „Literatur im Gespräch” unterschriebenen „Buchwelten”, wie entspannt die Atmosphäre bei einer lockeren Plauderstunde über die Buchneuheiten vor dem Sommer sein können.

Ein Glas Wein oder Alkoholfreies in der Hand, erfuhren die interessierten Zuhörer in knapp zwei Stunden vom Inhalt sechs neuer Werke, die nun auf den deutschen Buchmarkt drängen.

So stellte Johannes de Kleine unter anderem „Die Bibliothek der Schatten” von Mikkel Birkegaard vor. In dem spannungsgeladenen Roman wimmelt es vor Magie, und alles dreht sich um die Macht der Bücher.

Nicht nur für Johannes de Kleine, der als Geistlicher lebendiger Teil des Kirchenkreises Jülich ist, eine „spannende Sache”. Ihm ging die Geschichte von Luca Campellis Wunsch, umgeben von seinen geliebten Büchern zu sterben, mindestens ebenso nah, wie ihn die außergewöhnliche Geschichte fesselte. „Ein Buch mit Suchtgefahr”, ergänzte auch Buchhändler Franz-Josef Fürkötter, „allerdings besser nicht vor dem Einschlafen”, meinte er augenzwinkernd.

Hodscha und Piepenkötter

Ebenfalls spannend, vor allem aufgrund der ungewöhnlichen Erzählperspektive, war das von Irmgard Trauling vorgestellte Buch „Fremde Schwestern” von Renate Ahrens. Darin wird die packende Geschichte der beiden Geschwister erzählt, die außer ihren Eltern nicht viel gemeinsam haben. Das bleibt, bis das Schicksal sie eines Tages doch wieder zusammenführt.

Darüber hinaus wurden noch „Der Tote von Nablus” von Matt Beynon Rees, „Zerbrechlich” von Jodie Picoult, „Die Perspektive des Gärtners” von Hakan Nesser und „Maria” von Carlos Ruiz Zafón vorgestellt, doch die Gäste wurden den Eindruck nicht los, dass „Der Hodscha und die Piepenkötter” an diesem Abend das Lieblingsbuch von Franz-Josef Fürkötter war. „Vielleicht habe ich es auch wegen der Namensähnlichkeit ausgewählt”, scherzte er, doch ganz bestimmt gefiel ihm und den Gästen das zweite Werk des Rundfunkredakteurs Birand Bingül wegen dessen Witzes.

Im Grunde genommen geht es um einen türkischen Geistlichen, der im Westfälischen auf die konservative Bürgermeisterin Piepenkötter trifft. Wer bei dieser Grundkonstellation nun nur einen lauwarmen Aufguss des Don Camillo und Peppone-Stoffs wittert, liegt gründlich daneben. Denn der Geistliche spricht zwar auch mit seinem obersten Dienstherrn, und der Kampf zwischen geistlicher und verwalterischer Macht ist ähnlich, aber die Ausrichtung zielt genau auf die heutige Zeit.

Mit Wortwitz, Hintersinn und einer Geschichte, die amüsiert, den immer wieder diskutierten Hintergrund der Migration nicht vernachlässigt und vielen persönlichen Begegnungen zwischen den Haupfiguren war dieses Buch so etwas wie der heimliche Star der ersten „Buchwelten” in Geilenkirchen.

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