Aus dem Rat in Gangelt: Kuriose Straßennamen

Aus dem Gangelter Rat : Woher hat der „Bollestengel“ seinen Namen?

Allerhand Kurioses, Altes und Außergewöhnliches tritt zu Tage, wenn man sich mit den Straßennamen in Gangelt beschäftigt. Das tat nun der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung.

Straßennamen beschäftigten die Mitglieder des Gangelter Gemeinderates in ihrer jüngsten Sitzung. Da war zum einen der Antrag der Volksbank Heinsberg, mit der Bitte, dem Straßenschild „Raiffeisenstraße“ im Gewerbepark Gangelt ein Hinweisschild zu spendieren, das sagt, wer denn hier gemeint ist. Angedacht ist, die Lebensdaten von Friedrich Wilhelm Raiffeisen (1818 bis1888) und „Genossenschaftsgründer und Sozialreformer“ auf ein kleineres Schild unterhalb des Straßennamens anzubringen.

Der spezielle Anlass hier war der 200. Geburtstag des Mannes, nach dem Banken benannt sind.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Karl-Heinz Milthaler erinnerte in dem Zusammenhang daran, dass es in allen Ortsteilen der Gemeinde Straßennamen gibt, mit denen viele Leute nichts mehr anfangen können. „Auch dort sollten wir ansetzen und Erläuterungen anbringen!“

Das griff Bürgermeister Bernhard Tholen auf und beauftragte die Ortsvorsteher, entsprechende Straßen zu ermitteln.

Tholen kam dann auf die langen Straßennamen zu sprechen. Die bereiten häufig bei Bestellungen im Internet Probleme. Bei der Hermann-Josef-Claeßen-Straße (28 Zeichen) beispielsweise könne man aufgrund der Länge die Hausnummer oft nicht mehr eingeben. Jeder Postboteisse, davon ein Lied zu singen.

Nicht viel besser sei es bei der Dr.-von-den-Driesch-Straße (26 Zeichen). Abkürzen - so lautete also das Gebot der Stunde.

Abkürzen ist nicht nötig bei den neuen Namen im Baugebiet Gangelt-Nord-V. Gangelts Ortsvorsteher Gerd Schütz hatte Vorschläge unterbreitet, sich dabei an den alten Flurzeichnungen orientiert und das auch mit allen Fraktionsvorsitzenden vorab besprochen. „Im Grootfeld“ ist dabei eine bekannt Bezeichnung – so heißt ein dort schon lange bestehender Bauernhof. „Wasserfeld“ liegt daneben, und der Begriff lässt sich leicht ableiten. Schwieriger ist das bei „Im Hatskestal“. Schütz hatte vorab bei alten Gangeltern recherchiert und war darauf gestoßen, dass in dieser Senke in grauer Vorzeit regelmäßig eine Hatz auf Hasen stattgefunden hat.

Dass die Sache mit dem Flurnamen nicht überall gut ankommt, zeigte SPD-Chef Rainer Mansel am Beispiel von Breberen auf. Dort, wo es bald Sebastianusstraße heißen wird, ist das Baugebiet „Bollestengel“. Man müsse der örtlichen Mundart nicht unbedingt mächtig sein, um hier mehr oder weniger schlüpfrig abzuleiten. Selbst alte Breberner könnten sich aber nicht erinnern, woher dieser seltsame Name stammt.

Wenn man von der Neu-, der Dorf-, der Haupt-, der Schul-, der Linden-, der Wald, der Kirch- und der Ringstraße absieht, findet man in der Gemeinde in jedem Ort Straßennamen, mit denen zumindest die heutige Generation nichts mehr anzufangen weiß. Der Luisenring in Gangelt ist nach einer Bürgermeistersgattin benannt, die Hermann-Josef-Claeßen-Straße nach deren Mann, der von 1812 bis 1957 Bürgermeister war.

Solange war selbst Heinrich Aretz nicht Bürgermeister – doch dazu später mehr.

Bei der Pastor-Fischenich- und der Pastor Schleyer-Straße kann man darauf kommen, welche Zunft gemeint ist – die Personen sind allerdings den Wenigsten noch bekannt. Bei der Dr.-von-den-Driesch-Straße kennen viele noch den alten Landarzt „Manes“ zumindest aus legendären Erzählungen.

Während die kleinen Orte Vinteln (55 Einwohner)und Schümm (fast 100) gar keine Straßenamen haben, gibt es in Kievelberg (25) die Von-Lieck-Straße.

Grundsätzlich werden in Gangelt keine Straßen nach lebenden Personen benannt – außer, sie heißen Heinrich Aretz. Der Ehrenbürger, Ehrenbürgermeister und überall hochdekorierte ehemalige Bürgermeister (1964 bis 97) hat im Birgdener Neubaugebiet schon „seine“ Straße, und es wird auf absehbare Zeit nicht nötig sein, dort extra für Unwissende noch ein Hinweisschild anzubringen.

(hama)
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