Gangelt: Angeln auf Rezept am Gangelter Kahnweiher

Gangelt : Angeln auf Rezept am Gangelter Kahnweiher

„Sind da überhaupt Fische drin?“ Dieser Spruch kommt in der Hitparade der Petri-Jünger in Gangelt noch vor „Hast du schon was gefangen?“ Seit genau 50 Jahren geht das so — ein Anlass, den Verein, den Angelsport und die Hege- und Pflegearbeiten rund um den Kahnweiher zu feiern.

Dr. Hermann von den Driesch sen. war Jagdpächter rund um den Bereich des Kahnweihers; damit gehörte auch der kleine See, der 1925 angelegt wurde, zu seinem Revier.

Willi Babel und Matthias Jansen (mit Urkunden) wurden von Bürgermeister Bernhard Tholen und den Vorstandskollegen als Gründer geehrt. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Der Landarzt war nicht nur Bürgermeister (1946-69), sondern auch volksnah und für seine unkonventionelle Art bekannt. Er führte ein, dass man quasi auf Rezept angeln konnte. Kam jemand in seine Praxis, der angeln wollte, schrieb er auf ein Rezept „Willi Babel darf am Kahnweiher angeln“, und die Sache war erledigt. Willi Babel steht im Satz vorher nur beispielhaft. Er ist es aber, der die Geschicke des Vereins seit 40 Jahren durch Höhen und Tiefen lenkt.

Dieses Engagement ist neben vielen andern im Ort mit ein Grund dafür, dass Willi Babel zum illustren Kreis der Ehrenamtspreisträger in der Gemeinde gehört. 1968 rief Dr. von den Driesch den Angelverein „Petri Heil“ ins Leben. „Das war in ein paar Minuten passiert“, erinnert sich Babel. „Du machst das, du das und du das — und schon stand der Vorstand!“ In den ersten zehn Jahre stand Heinz Beckers aus Stahe dem Verein vor. Rund 20 Mitglieder gab es damals; heute sind es 40 — ausschließlich Männer. Davon angelt aktiv aber nur rund die Hälfte. Trotzdem sieht Willi Babel in der Gruppe eine gute Durchmischung der Altersstruktur, die ihn positiv in die Zukunft blicken lässt.

Um diese Zukunft zu sichern, lässt Willi Babel den Blick auf der Suche nach einem Nachfolger in der Runde der Petrijünger schweifen.

Zukunft heißt für den Verein und seine Mitglieder aber auch, den Weiher und die unmittelbare Umgebung im Sinne des Naturschutzes zu pflegen. Mindestens einmal im Jahr ist man unterwegs, um die Ufer in Schuss zu halten und Unrat aus dem Wasser zu holen. Regelmäßig werden hier Fahrräder und Mopeds entsorgt. In den vergangenen Jahren wurden von Vereinsmitgliedern 5600 Sicherungspfähle für das Ufer in den Boden gebracht. „Ohne den Angelverein wäre der Kahnweiher nicht das, was er heute ist“, gibt sich der Vorsitzende selbstbewusst.

Der Fischbestand im Kahnweiher ist gut. Neben Raubfischen wie Aal, Barsch und Hecht findet man den klassischen Friedfischbesatz. Das der ein oder andere Angelbruder beim Fischen auch schon mal in den Weiher (Maximaltiefe in der Mitte 1,60 Meter) gefallen ist, gehört zu den Geschichten von Petri Heil, die immer gerne mündlich überliefert werden. Bei der Feier, zu der auch die Partnerinnen eingeladen waren, nutzte Bürgermeister Bernhard Tholen die Gelegenheit, Glückwünsche zu überbringen, den Anglern für ihre vielfältigen Arbeiten rund um den Weiher zu danken und zusammen mit Helmut Görtz, Kassierer im Verein und Chef des Ordnungsamtes, die beiden noch lebenden Gründungsmitglieder Willi Babel und Matthias Jansen zu ehren. Sie wurden Ehrenmitglieder und damit von allen finanziellen Beiträgen befreit.

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