Angehörige der Jüdin Ruth Dahl besuchen Geilenkirchen

Lebendiger Geschichtsunterricht : Mit Respekt und Toleranz Ausgrenzung vermeiden

Geschichte auf einer ganz persönlichen Ebene erlebten Schülerinnen und Schüler der 9. Klassen des Bischöflichen Gymnasiums St. Ursula Geilenkirchen. Sieben Angehörige der Familie der in Geilenkirchen aufgewachsenen Jüdin Ruth Dahl waren aus Amerika angereist, um den Spuren ihrer Mutter und Großmutter nachzugehen.

Ruth Dahl, 1922 geboren, war Schülerin des Gymnasiums St. Ursula gewesen. 1938 hatte sie mit ihren Eltern Deutschland verlassen müssen und war ins benachbarte niederländische Valkenburg geflüchtet.

Im Untergrund hatten sie überlebt. Große Teile der Familie wie Ruths Bruder Karl waren aber deportiert worden. Nach dem Krieg war Ruth Dahl nach Amerika ausgewandert und hatte eine Familie gegründet. 1996 hatte die inzwischen verstorbene Ruth Dahl Geilenkirchen besucht. Nun waren ihre drei Töchter Amy, Carla und Helen mit ihren Kindern in Geilenkirchen zu Gast.

Karl-Heinz Nieren, der die Familiengeschichte der Dahls recherchiert hatte, begleitete die Gäste beim Besuch in St. Ursula.

Lehrer Pascal Cremer freute sich über die Offenheit, mit der die Angehörigen vom Schicksal ihrer Mutter beziehungsweise Großmutter erzählten.

Sieben Mitglieder der Familie Dahl besuchten auf den Spuren von Ruth Dahl das Bischöfliche Gymnasium. Foto: defi

Sehr persönlich sprachen sie auch über ihre Gefühle angesichts der Orte, die so prägend für ihre Familiengeschichte geworden waren. Familienfotos machten das Erzählte anschaulich. Cremer: „Wir sind sehr dankbar, dass die Familie ihre Gedanken mit uns geteilt hat.“ Man könne im Geschichtsunterricht viele Bücher lesen, aber es sei schon etwas ganz anderes, wenn man mit Menschen reden könne, die einen direkten Bezug zu dem haben, was geschehen ist.

Die Schüler erkundigten sich nach dem jüdischen Leben in den USA und fragten, wie die Familien mit ihren deutschen Wurzeln umgehe. Die Botschaft der Familie von Ruth Dahl war klar, gegenseitiger Respekt und Toleranz müssen jede Art von Ausgrenzung vermeiden.

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