Amtsgericht Geilenkirchen: Zwei Jahre Haft auf Bewährung für Ramadan H

Einbruchserie im Kreis Heinsberg : „Herausragende Pluspunkte“ bringen dem Angeklagten ein mildes Urteil

Zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt Richterin Corinna Waßmuth den Angeklagten Ramadan H. Dank seines umfangreichen Geständnisses, gemeinsam mit einer Bande für sieben Einbrüche im Kreis Heinsberg verantwortlich zu sein, fällt die Strafe so milde aus.

Ramadan H. ist still. Ab und zu zucken seine Knie. Mit seiner Dolmetscherin spricht er leise und ruhig. Der Libyer ist vor dem Amtsgericht Geilenkirchen wegen bandenmäßigem Diebstahls in sieben Fällen angeklagt und wegen eines Verstoßes gegen das Aufenthaltsrecht. Am heutigen Tag sollen Zeugen gehört werden, und die Prozessbeteiligten sind gespannt, ob und wie sich der Angeklagte selbst zu den Vorwürfen äußern wird.

Erst in der vergangen Woche war Ramadan H. als Zeuge vor dem Landgericht Aachen erschienen. Hier wird der Prozess gegen die übrigen fünf Angeklagten geführt, mit denen er gemeinschaftlich für eine Einbruchserie im Mai und Juni 2018 im gesamten Kreis Heinsberg verantwortlich sein soll. In Aachen hatte sich Ramadan H. aber überraschend entschieden zu schweigen. Er galt als zentrale Figur des Verfahrens, denn erst durch seine früheren Aussagen war es der Polizei möglich gewesen, die Serie von insgesamt neun Einbrüchen aufzuklären und den übrigen Bandenmitgliedern - drei Deutsche, ein Niederländer und ein Tunesier – auf die Schliche zu kommen.

Vor Beginn der Verhandlung in Geilenkirchen bittet der Verteidiger von Ramdan H. um ein nichtöffentliches Rechtsgespräch. Wie Richterin Corinna Waßmuth im Anschluss mitteilt, habe man gemeinsam überlegt, wie sich eine mögliche Einlassung von Ramadan H. auf sein Strafmaß auswirken würde und ob es noch möglich sei, die Strafe auf Bewährung auszusetzen. Eine Bewährungsstrafe sei im Falle eines vollständigen Geständnisses durchaus denkbar, so Waßmuth. Und so entscheidet sich der Angeklagte schon im Vorfeld der Verhandlung, alle ihm vorgeworfenen Taten umfänglich zu gestehen. Dies sei nicht selbstverständlich, so H.´s Rechtsanwalt, denn der Angeklagte sei noch an diesem Morgen bedroht worden, bloß keine Aussage zu machen. Die Zeugen, die vor dem Amtsgericht Geilenkirchen aussagen sollten, werden also kurzerhand wieder entlassen.

Ramadan H. ist 35 Jahre alt, wurde in Libyen geboren und ist in Tunesien aufgewachsen. Er ist gelernter Aluminiumverarbeiter und Koch. 2017 kam H. nach Belgien, wo er als Aushilfskraft in einem arabischen Café gearbeitet hatte. Anfang 2018 ging er in die Niederlande, wo er einen Asylantrag stellte. Im Mai 2018 kam er schließlich nach Deutschland. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm nun vor, zwischen dem 8. Mai und dem 16. Juni an sieben Einbrüchen beteiligt gewesen zu sein: In ein Vereinsheim des Hundesportvereins in Birgden, in einen Container des FC Eintracht Birgden, in den Kindergarten St. Johannes der Täufer in Hückelhoven-Ratheim, in zwei Einfamilienhäuser im Vennhof und Im Rhin in Hückelhoven und zweimal in einen Kodi-Markt in Selfkant-Tüddern. In vier Fällen waren diese Einbrüche erfolgreich, dreimal blieb es bei dem Einbruchversuch. Gestohlen wurden Werkzeuge, Elektrogeräte, Schlüssel und Bargeld, zusammengenommen eine Beute in Höhe von 15.643,01 Euro.

Nach dem letzten Einbruch in den Kodi-Markt hatte sich Ramadan H. selbst an die Polizei gewandt, freiwillig seine Beteiligung an den Straftaten zu Protokoll gegeben und auch die Identität der übrigen Bandenmitglieder preisgegeben. Vorausgegangen war wohl ein Streit zwischen den Komplizen.

Dieses Geständnis, seine Mithilfe bei der Aufklärung der Einbruchserie sowie sein bisher leeres Strafregister bringen Ramadan H. einen „herausragenden Pluspunkt“ in dem Verfahren, wie es selbst der Staatsanwalt zu Protokoll gibt. Dies bringe ihn in eine Position, die ohne seine Aussage nicht denkbar gewesen sei. Statt der nun beantragten zwei Jahren Haft auf Bewährung wären dann locker das Doppelte möglich gewesen, natürlich ohne Bewährung.

Im Strafmaß berücksichtigt wird dabei auch die sechsmonatige Untersuchungshaft, die Ramadan H. zwischen Juni und Dezember 2018 bereits abgesessen hatte. Die Tatsache, dass Ramadan H. nach der Haftentlassung zunächst abgetaucht war und erst einige Zeit später in einem Asylbewerberheim in Neumünster wieder ausfindig gemacht werden konnte, spielt in dem Verfahren in Geilenkirchen keine Rolle mehr.

Ramadan H. macht vertreten durch seinen Verteidiger und mit Hilfe der Dolmetscherin keine detaillierten Angaben zu den Vorwürfen, sondern gesteht die Anklagepunkte in Gänze. „Der Verteidigungsrede des Staatsanwalts kann ich mich auch nur anschließen“, meint der Verteidiger. Und weiter, dass er einen solch ungewöhnlichen Fall in seiner 20-jährigen Berufszeit auch noch nicht erlebt habe. Ramadan H. sei nun willens, die Episode der Straftaten hinter sich zu lassen.

Richterin Corinna Waßmuth verurteilt H. schließlich wie gefordert zu zwei Jahren Haft auf Bewährung mit dem Hinweis auf die strafmildernden Umstände. Die Bewährungsauflagen gelten für drei Jahre, wobei auch ein erneuter Verstoß gegen das Aufenthaltsrecht dazu führen könnte, dass die Bewährung widerrufen wird.

Im Prozess vor dem Aachener Landgericht muss Ramadan H. nicht mehr gesondert aussagen. Dort ist die Beweisaufnahme schon abgeschlossen, wie Richterin Waßmuth in einem Telefongespräch mit dem zuständigen Richter abgeklärt hat. In Aachen soll am Freitag, 8. Februar, das Urteil gegen die übrigen fünf Angeklagten fallen.

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