Geilenkirchen: Altes Stellwerk gammelt weiter vor sich hin: Wann wird es abgerissen?

Geilenkirchen: Altes Stellwerk gammelt weiter vor sich hin: Wann wird es abgerissen?

Niemand mag sogenannte Schandflecken gern, das verrät schon das Wort. Am allerwenigsten die Bewohner der direkten Umgebung, ebensowenig alle anderen, denen der Eindruck wichtig ist, den ihre Heimatstadt auf Auswärtige macht. Den allerschwersten Stand haben Schandflecken, die keinen Nutzen erfüllen. Das ausgediente Stellwerksgebäude am Bahnübergang Konrad-Adenauer-Straße in Geilenkirchen ist so ein Fall.

Groß war daher die Freude bei unserem Leser Rolf Schneider, als er im April vergangenen Jahres aus seiner Tageszeitung erfuhr, dass der in den 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts zusammengeziegelte Zweckbau verschwinden wird. So hatte es damals Herbert Dopstadt von der Deutschen Bahn bei einer Podiumsdiskussion in der Nikolaus-Becker-Stube versprochen. „Der Abriss erfolgt dieses Jahr“, kündigte der in leitender Funktion für die Fahrplangestaltung zuständige Bahn-Angestellte damals an. Eine gute Nachricht, fand Rolf Schneider.

Weil die äußerst prominent im Stadtbild platzierte Ruine immer noch an ihrem angestammten Platz vor sich hinrottet, ist Schneiders Freude merklich abgeklungen — und blankem Ärger gewichen. Seinerzeit sei von den Beteiligten in der Nikolaus-Becker-Stube wohl etwas zu tief ins Glas geschaut worden, schreibt Schneider in einem gepfefferten Leserbrief an unsere Redaktion. Als Hünshovener Bürger sei man doch ohnehin „seit vielen Jahren schon genug damit gestraft, wenn man täglich an dieser maroden und heruntergekommenen Bauruine vorbei muss“. Da wolle er sich nicht auch noch „verarschen“ lassen.

Kaum weniger deutlich klingt das bei den Eheleuten Jansen, die die Nikolaus-Becker-Stube betreiben und das Stellwerk somit tagtäglich direkt vor der Nase haben. Seit Jahren liege er der Bahn in den Ohren, sich doch endlich um den Abriss zu kümmern, berichtet Franz-Willi Jansen. „Oder muss erst ein Zug entgleisen und dagegen fahren, damit es verschwindet?“ Wann immer er das Gefühl gehabt habe, bei einem leitenden Angestellten Gehör zu finden, sei dessen Posten auch schon wieder neu besetzt gewesen — und das Spiel fing aufs Neue an.

Lediglich die Stadt nimmt Jansen in Schutz. Die sei in der Angelegenheit durchaus engagiert. Allerdings eben ohne jeden Erfolg. Franz-Willi Jansens Ehefrau Rosemarie sagt: „Dass das Ding verschwindet, glaube ich erst, wenn der Bagger da steht.“

Wann (und ob) das geschehen wird, ist noch immer offen. Herbert Dopstadt erklärt auf Anfrage, dass am 30. April vergangenen Jahres der Antrag auf Abriss beim Eisenbahn-Bundesamt (EBA) in Köln, das ist die zuständige Aufsichtsbehörde, gestellt wurde. Das bedeutet, dass der Abriss zum Zeitpunkt der Podiumsdiskussion in der Nikolaus-Becker-Stube noch gar nicht beantragt war.

Bislang ist laut Dopstadt noch keine Genehmigung erteilt worden. „Wir sind jetzt aktiv auf das EBA zugegangen, um den aktuellen Arbeitsstand zu erfragen und baten um eine Stellungnahme, wann mit der Genehmigung gerechnet wird. Sobald uns eine Stellungnahme des EBA Köln vorliegt, können wir den zeitlichen Rahmen einschätzen und würden umgehend mit den konkreten Planungsarbeiten für den Abbruch beginnen.“