Geilenkirchen: Als Tagesmutter die Kalender mit Vorfreude füllen

Geilenkirchen: Als Tagesmutter die Kalender mit Vorfreude füllen

Jetzt ist es soweit. Endlich dürfen kleine und auch manche großen Kinder das erste Türchen ihres Adventskalenders öffnen. Trotz der verschiedenen Arten, auf die ein Adventskalender gestaltet sein kann, haben sie doch alle eines gemeinsam: Sie sind „gefüllt mit Vorfreude“.

Sie bringen Kindern auf der ganzen Welt ein Leuchten in die Augen, wenn sie morgens geradewegs auf ihn zusteuern und eins der Fächer öffnen dürfen. Diesen wunderbaren Anblick will auch Waltraud Große aus Geilenkirchen sich nicht entgehen lassen. Sie ist Tagesmutter von bis zu fünf Kindern im Alter von anderhalb bis drei Jahren. Mit diesen erlebt sie auch die Vorweihnachtszeit.

Doch dazu einfach in den Supermarkt gehen und die flache Papp-Variante mit kleinen Schokoladenfigürchen, aber ohne jeden christlichen Hintergrund kaufen? Nein, so unpersönlich soll es dann doch nicht sein. Also hat sie sich vor einigen Tagen mit ihren Tageskindern und deren Müttern zusammengesetzt und einen ganz besonderen Kalender gebastelt.

Über den ganzen Tisch verteilt lagen unterschiedliche Motivstanzer. Hier ein Stern, dort eine Schneeflocke, da hinten Engel und Rentier. Die Kinder auf den Schoß genommen oder neben sich platziert, hieß es für die Mütter, aus schlichten Butterbrottüten einen farbenfrohen Kalender zu gestalten. Mit Begeisterung griffen die kleinen Hände der Kinder die Papierbögen und stanzten die kleinen Motive aus. Diese legten sie auf die noch weißen Papiertüten, und Mama durfte zum Klebestift greifen.

Dass man den Kindern nicht nur mit gekauften, vorgefertigten Sachen eine große Freude machen kann, ist Waltraud Große bewusst. „Dem Kind intensive Zeit und Aufmerksamkeit zu schenken, ist von größter Bedeutung für eine gute Entwicklung“, betont sie. „Wichtig ist dabei der Weg, den man gemeinsam gehen möchte. Nicht das Ziel oder das gebastelte Produkt sollte im Vordergrund stehen. Im Tun erfährt das Kind Anerkennung und Wertschätzung und die Liebe seiner Eltern.“

Die Tradition des Adventskalenders ist zwar nicht ganz so alt wie die des Adventskranzes, jedoch nicht weniger markant für Jung und Alt. Beide dienen der Zeitmessung. Mit dem Blick auf den bis Weihnachten verbleibenden Zeitraum über 24 Türchen wurde bereits vor mehr als 100 Jahren den Kindern die Frage beantwortet, wie lange es noch bis zum „Christkind“ dauert.

Früher ganz schlicht mit Kreidestrichen an der Wand, danach mit biblischen Bildern hinter Türen, heute kleine Schokofiguren oder gar 24 kleine Spielzeuge, die am Ende eine weihnachtliche Szenerie ergeben — in Format und Inhalt hat sich über die Jahre viel getan, doch die Begeisterung für die Überraschung ist geblieben.

Mancher religiös gehaltene Adventskalender versucht zudem, nicht nur die allgemeine Stimmung, sondern auch die innere Haltung auf die nahende Ankunft Jesu vorzubereiten. Mit Texten, Liedern oder Bibelpassagen. Sie versuchen die Augen auch für das Wesentliche zwischen Weihnachtsdekoration und Plätzchen zu öffnen: für die Liebe.

Ihre Arbeit mit und für Kinder ist Waltraud Große eine Herzensangelegenheit. „Es ist unbezahlbar“, erzählt die Tagesmutter begeistert, „was da an menschlicher Qualität zwischen Kindern, Eltern und mir stattfindet.“ Zum einen haben gerade die ganz kleinen Kinder in Waltraud Große eine etwas persönlichere Bezugsperson als in einer Kindertagesstätte mit großen Gruppen, zum anderen entwickelt sich auch zwischen den Eltern eine sehr gute Verbindung. „Die Mütter tauschen sich häufig darüber aus, welche Entwicklung ihre Kinder gerade durchlaufen, oder wie man mit manch einem Verhalten am besten umgeht.“

Begonnen hat Waltraud Große mit der Tätigkeit als Tagesmutter vor rund neun Jahren. „Ich habe einen Aushang gesehen, dass Tagesmütter gesucht werden. Dort habe ich mich gemeldet, und schon fing alles an.“ Sie selbst und ihr Mann Thomas haben fünf Kinder in Alter zwischen sechs und 19 Jahren. Sich um Kinder zu kümmern, kann man Berufung nennen, denn eine andere Arbeit mag Waltraud Große gar nicht mehr ausüben: „Die Arbeit mit Kindern und Eltern ist der ‚rote Faden‘ in meinem Leben. Erfahrungen weiterzugeben und gemeinsam Wege zu finden, das gehört zu meiner Lebenshaltung.“

„Ach herrje!“ Mutter Vera muss beim Anblick ihrer Tochter erst mal lachen. Lina hat Glitter im ganzen Gesicht. Die schimmernden Partikel haben offenbar eine anziehende Wirkung auf Mädchen in diesem Alter. Gedacht ist der Glitzerstaub jedoch ebenfalls für die Tüten: Einmal gut mit Kleber bestrichen, vorsichtig das Pulver darüber gestreut und den Überschuss weggepustet; so glitzert neben der Tüte häufig auch der halbe Tisch. Die Mütter schreiben dann in bunten Farben den Namen des Kindes auf die Tüte und fädeln ein Band zum Aufhängen in zwei Löcher.

Zu guter Letzt füllen die Mütter jeweils eine Kleinigkeit für ihre Tochter oder für ihren Sohn in die Papiertüte. Ein kleines, nicht verschluckbares Spielzeug und vielleicht noch ein paar Schokolinsen. Zusammen werden sie an die von Waltraud Große vorbereitete Kalenderwand gehängt. Die restlichen Tütchen bastelt die Tagesmutter selbst und drapiert sie dazu, damit wirklich an jedem Tag ein kleines Präsent zu finden ist.

Bisweilen werden die Kleinen auch übereifrig. Plötzlich läuft der blonde Felix mit dem Geschenk in der Hand durch die Wohnung. Doch auch die Kleinsten werden wohl lernen müssen, sich bis zum Heiligen Abend zu gedulden.

„Auch wenn die Kleinen den Sinn noch nicht verstehen, lernen sie die Erwachsenen in emotionaler Weise kennen. Von Anfang an erleben sie die Gefühle, die Ruhe und manchmal auch Hektik dieser besonderen Zeit.“ Ebenso spricht die Tagesmutter den Eltern eine wichtige Rolle zu: „Es liegt in den Händen der Erwachsenen, wie sie die Vorweihnachtszeit mit ihren Kindern gestalten.“ Waltraud Große möchte auch weiterhinmöglichst viele christliche Traditionen und Werte in ihre Arbeit einfließen lassen.