Wahlkampf Geilenkirchen: Als Ideengeber und Ermutiger ins Amt?

Wahlkampf Geilenkirchen : Als Ideengeber und Ermutiger ins Amt?

Es herrscht Ruhe in der Kommunalpolitik. Unendliche Ruhe. Es ist noch Sommerpause. Der Stadtrat und seine Ausschüsse befinden sich in den Ferien. Doch hinter den Kulissen werden unbemerkt von der Öffentlichkeit eifrig Gespräche geführt.

In deren Mittelpunkt steht Daniela Ritzerfeld, die nach dem Willen der Parteivorsitzenden Dirk Kochs (CDU), Marko Banzet (SPD), Jürgen Benden (Grüne) und Helmut Gerads (Bürgerliste) im Herbst nächsten Jahres bei den Kommunalwahlen gegen den amtierenden parteilosen Bürgermeister Georg Schmitz kandidieren soll.

Bereits seit Sommer vergangenen Jahres wurden von führenden Kommunalpolitikern hinter den Kulissen lockere Gespräche über die Frage geführt, ob man einen gemeinsamen Kandidaten ins Rennen um das Bürgermeisteramt schicken soll. Man war und ist sich auch heute noch bewusst, dass nur ein gemeinsamer Kandidat gegen den in der ganzen Stadt so bekannten und beliebten Georg Schmitz eine Chance haben könnte. Im Frühjahr einigten sich die vier Parteivorsitzenden auf die 49-jährige Daniela Ritzerfeld, Juristin und Sozialdezernentin beim Kreis Heinsberg.

Doch bevor sie in den Wahlkampf starten kann, muss sie offiziell von den Mitgliedern der vier Parteien gewählt werden. Das soll Ende August und im September geschehen. Alle Parteien wissen, dass es gar nicht so einfach ist, einen eigenen Wahlkampf zu führen und gleichzeitig eine parteilose Bürgermeisterkandidatin zu unterstützen. Denn zu unterschiedlich sind oft die politischen Ansichten von CDU, SPD, Grünen und Bürgerliste. So ist die CDU für den Bau von Bürgerhäusern, die Grünen dagegen. Die Grünen wollen die Kita-Gebühren für untere Einkommensgruppen senken, die CDU nicht. Wie tief dann die Kluft ist, zeigt so manche lautstark geführte Debatte im Rathaus.  Doch zwischenzeitlich scheint sich die Tonlage geändert zu haben.

Marko Banzet, Jürgen Benden, Dirk Kochs und Helmut Gerads (von links) haben sich auf eine Unterstützung von Daniela  Ritzerfeld geeinigt.Jetzt entscheiden die Parteimitglieder. Foto: ZVA/Udo Stüßer

Diesen Eindruck jedenfalls hat Daniela Ritzerfeld: „Ich habe bilaterale Gespräche mit Parteien geführt, und wir haben auch alle an einem Tisch gesessen. Dabei habe ich gemerkt: Alle sind sehr bemüht. Sie wollen zusammenarbeiten. Es herrschte eine tolle Atmosphäre. Bei konträren Meinungen wurde durchgeatmet, und es wurde wieder sachlich.“ Sie hofft, dass sie diesen Zustand in die Ratssitzungen mitnehmen kann, falls sie gewählt wird. Jeder wisse nun, wie man mit dem anderen umgehen kann. „Wie in einer guten Beziehung muss man sich kennenlernen.“ Auch Parteiveranstaltungen hat Daniela Ritzerfeld begleitet: Mit den CDU-Frauen hat sie Rosen auf dem Marktplatz verteilt, die SPD bei Jazz zu Pfingsten begleitet, mit den Grünen den Umweltpreis übergeben und sich mit der Bürgerliste auf dem Kunsthandwerkermarkt präsentiert. „Viele Leute waren interessiert, neugierig und nett.“

Doch für Daniela Ritzerfeld ist das Bürgermeisteramt mehr, als repräsentative Aufgaben zu übernehmen. Die seien natürlich auch wichtig, sagt sie. „Ich sehe mich als Leiterin der Verwaltung, die den Kontakt zur Bezirksregierung und zu den Ministerien suchen muss. Ich muss als Bürgermeisterin die Augen und Ohren offen halten für die Dinge, die für die Stadt Geilenkirchen wichtig sind.“ Dass sie eine Verwaltung leiten kann, sagt sie „selbstbewusst und selbstsicher“. Schließlich hat sie ihre Karriere bis hin zur Dezernatsleiterin auf Kreisebene nach dem Jurastudium in der Verwaltung begonnen.

Die Stabsstelle Recht und Kommunalaufsicht hat sie als Chefin einer handvoll Mitarbeiter geleitet. Dann wechselte sie zur Polizeibehörde und leitete die 46 Mitarbeiter starke Polizeiverwaltung, die für Haushalt, Personalangelegenheiten, Disziplinarrecht und Einstellungen zuständig war. „Das war schon eine Miniverwaltung“, blickt sie zurück. Als Sozialdezernentin unterstehen ihr, die auf 18 Jahre Verwaltungserfahrung zurückgreift, 220 Mitarbeiter. „Das Handwerkszeug bringe ich mit. Aber eine Verwaltung ist nur dann ein funktionierendes Gebilde, wenn alle mitziehen“, hat sie festgestellt.  Alle müssten an einem Strang ziehen und für das große Ganze arbeiten: „Als Chef der Verwaltung muss ich nicht hinter, sondern vor meinen Mitarbeitern stehen.“

Vier Parteien, vier unterschiedliche politische Auffassungen. Und mittendrin eine Bürgermeisterkandidatin oder Ende nächsten Jahres sogar eine Bürgermeisterin, die unabhängig ist: „Mit dieser Situation kann ich sehr gut umgehen. Ich habe die Dinge zusammengestellt, die mir wichtig sind. Denn ich kann nur authentisch etwas rüberbringen, wenn ich selbst dahinter stehe.“ Dabei stellt die angehende Kandidatin fest: „Ich entscheide nicht, der Stadtrat entscheidet. Ich kann nur vorher die Fakten ausloten.“

Ein Thema, das ihr besonders am Herzen liegt, ist die Wirtschaftsförderung. Mit Susanne Köppl ist nur eine Verwaltungsmitarbeiterin dafür zuständig: „Wirtschaftsförderung ist immens wichtig. Das ist Chefsache, das Arbeitsfeld muss aber personell aufgestockt werden.“

Wichtig ist für Daniela Ritzerfeld auch die Frage, wo die Verwaltung einsparen kann. „Da muss man auch Vergabeverfahren überprüfen. Manche Verträge dümpeln jahrelang in den Verwaltungen dahin. Viele Dinge müssen auf Wirtschaftlichkeit überprüft werden.“  Sicherlich seien die Kita-Beiträge auch ein wichtiges Thema: „Im September stehen Gespräche des Kreises Heinsberg mit den Stadtjugendämtern an. Bei den Beiträgen kann man als Stadt sicherlich was tun, aber da muss man sich den Haushalt ansehen.“

Würde sie die Bürgermeisterkette tragen, wolle sie dem Rat vermitteln, was ihr wichtig ist. „Aber es gibt doch keine Garantie dafür, dass das gemacht wird, was ich gut finde. Ich will sachliche und vernunftorientierte Arbeit leisten, die die Stadt nach vorne bringt.“

Neben der Wirtschaftsförderung steht für sie die Förderung der Jugend ganz oben auf der Agenda. Die Mutter einer 13- und einer 16-jährigen Tochter stellt fest: „Ich habe nicht das Gefühl, dass für die Jugend etwas geplant wird.“ Nicht nur, dass es an Treffpunkten mangele: „Noch nicht einmal die Mountain-Bike-Strecke ist befahrbar“, moniert sie. In der Jugendförderung sieht sie „ein breites Betätigungsfeld“. Zunächst aber müsse man ein Gesamtkonzept aufstellen. Man müsse sich die Frage stellen, wie sich die Stadt künftig aufstellen soll und was langfristig erreicht werden soll. „Ich sehe mich als Ideengeber und Ermutiger.“

Dass das Amt des Bürgermeisters, wenn man es richtig ausfüllt, harte Arbeit bedeutet, ist ihr klar. „Aber auch als Dezernentin bin ich außerhalb jeder Zeiterfassung. Auch jetzt sitze ich manchmal abends um 23 Uhr noch an meinem Schreibtisch. Aber ich mag Herausforderungen.“

Dennoch ist der hochmotivierten Immendorferin klar, dass sie den Bekanntheitsgrad von Georg Schmitz nicht erreichen wird. „Meine Kandidatur ist ein Angebot an alle Geilenkirchener Bürger. Und wenn ich die Wahl verliere, freut sich zumindest der Landrat. Dann behält er seine Sozialdezernentin“, sagt sie lachend.

Dass sie nicht nur trockene Paragrafen kennt, sondern auch mit einer großen Portion Humor ausgestattet ist, hat sie bereits in den vergangenen Wochen bei verschiedenen Kirmesveranstaltungen und anderen Festen gezeigt. „Ich habe noch nie so viele Schützenumzüge gesehen.“ Doch bevor sie sich richtig in den Wahlkampf stürzt, ihren Facebook- und Instagram-Account pflegt, die Wähler über ihr Programm zum bezahlbaren und barrierefreien Wohnen im Alter, zum Betreuungsangebot für Kinder, zur Modernisierung der Schulen, Stadtentwicklung und Tourismus informiert, muss sie die Parteimitglieder von CDU, SPD, Grüne und Bürgerliste überzeugen. Den Auftakt macht am Donnerstag, 29. August, 19.30 Uhr,  die SPD  im Bürgerhaus Bauchem.