Geilenkirchen: Als Buchpate Menschen Freude schenken

Geilenkirchen: Als Buchpate Menschen Freude schenken

Bürgermeister Thomas Fiedler liebt Bücher. Der Sprachwissenschaftler verschlingt sie förmlich. Zu seinen Lieblingsautoren zählt Zeruya Shalev. Von der in Jerusalem lebenden Schriftstellerin hat er alle Romane gelesen.

„Liebesleben”, „Mann und Frau” und „Späte Familie” stehen in seinem Bücherregal. Doch das jüngste Werk, „Für den Rest des Lebens”, befindet sich noch nicht neben der Romantrilogie in seinem Regal. In diesen Tagen hat er es allerdings gekauft und jetzt der Leiterin der Stadtbücherei, Antonia Zaharanski, übergeben. Mit dabei hatte er auch noch „Die Enden der Welt” von Roger Willemsen und „Der Regenkönig” von Saul Bellow.

Dies war der Auftakt einer Spendenaktion unter dem Motto „Bücher spenden - Freude schenken” rechtzeitig vor dem Welttag des Buches am kommenden Montag. „Und ich werde der erste Kunde sein, der sich ?Für den Rest des Lebens ausleiht”, lachte er. Auch in Zeiten knapper Kassen soll die Stadtbücherei weiterhin ein aktuelles und vielseitiges Medienangebot für die jährlich 38 000 Besucher bereitstellen können. Mit diesem Wunsch spricht Thomas Fiedler dem Bibliotheksteam und den Kunden aus dem Herzen. Angesichts der begrenzten Mittel braucht die Bibliothek aber zunehmend die Unterstützung von Bürgern und Sponsoren. Zwar erhält die Bücherei regelmäßig Buchspenden aus „Aufräumaktionen”, allerdings eignen sich diese Geschenke für ein aktuelles Angebot nicht.

Bereits im vergangenen Jahr ergriffen engagierte Kunden die Initiative und stellten dem Bücherei-Team aktuelle Titel zur Verfügung. Angespornt von diesem Engagement, gestaltete das Team nun eine Pinnwand mit aktuellen Buch- und Medienwünschen. Buchpaten sollen sich nun für ein auf der Wunschliste aufgeführtes Medium entscheiden, im Buchhandel kaufen und dann der Bücherei schenken. Als Dankeschön wird jedes abgegebene Medium mit dem Namen des Spenders versehen, falls er einverstanden ist. Gegen Vorlage eines Kassenbons und für Geldspenden gibt es eine Spendenquittung. „Das ist eine besondere Art, die eigene Begeisterung für ein Buch unter das Volk zu bringen”, erklärte Fiedler. Und: „Naturalien zu spenden hat auch etwas Persönliches.”

Da aktuelle Bestseller naturgemäß oft nachgefragt werden, beträgt die Wartezeit oft einige Monate: „Deshalb sind wir auch für Doppelexemplare dankbar”, sagt Antonia Zaharanski. Während Beigeordneter Herbert Brunen deutlich macht, dass die Gebühren für Nutzer seit zehn Jahren nicht erhöht wurden, macht Fiedler auf die Bedeutung der Bibliotheksmitarbeiter aufmerksam: „Bei 30.000 Neuerscheinungen im Jahr sind viele Menschen orientierungslos. Da muss man ihnen den Weg zur Literatur zeigen. Die Orientierung zu geben, ist mit großer Verantwortung verbunden, denn es wird viel Freizeit oder auch ein großes Lernpensum an ein Medium geheftet.” Deshalb schauen die Mitarbeiterinnen auch stets, was abseits der üblichen Bestsellerlisten empfehlenswert ist. 38.000 Medien sind derzeit im Angebot.

Während sich Bibliotheksleiterin Antonia Zaharanski über die ersten Buchspenden freut, zeigt ihre Stellvertreterin Nadine Sadlowski sichtlich stolz die umgestaltete Kinder- und Jugendabteilung der Bibliothek. Mit ihrer Kollegin Monika Fuß hatte sie diesen Bereich so umgestaltet, dass trotz der begrenzten räumlichen Gegebenheiten eine attraktive kind- und jugendgerechte Abteilung geschaffen wurde. Mehr als 1000 Medien wurden neu angeschafft, so dass Kindern und Jugendlichen nun insgesamt 9000 Medien zur Verfügung stehen. Das NRW-Ministerium für Familie, Jugend, Kultur und Sport hat dieses Projekt mit 12 000 Euro gefördert, die Stadt Geilenkirchen hat weitere 8000 Euro einfließen lassen.

Der neu gestaltete Bereich umfasst drei zusammenhängende Räume. Der größte Raum ist für die Kleinkinder gedacht, die mit ihren Eltern die Bibliothek besuchen. Großen Anklang finden hier neben Bilderbüchern, Kindererzählungen und Sachbücher für Kinder ein Kuschelsofa und eine Hörstation. Zwischen Kleinkind- und Jugendbereich befinden sich in einem mittleren Raum Kinderromane, ein Medienpool mit CDs, DVDs und Comics sowie ein für alle Altersgruppen gut erreichbarer Internet-Katalog.

Mit einer kleinen Lounge steht den Jugendlichen der größte Raum zur Verfügung. Der Jugendbuchbestand wurde um Mangas und Trendsachbücher bereichert. „Dieser Raum wird von den Jugendlichen gut angenommen. Wir haben festgestellt, dass sie sich nun länger im Haus aufhalten und die Bücherei als Treffpunkt sehen, wo sie zusammen reden und Musik hören”, sagt Nadine Sadlowski.