Gedenken an jüdische Opfer: 42 Stolpersteine halten die Erinnerung wach

Gedenken an jüdische Opfer : 42 Stolpersteine halten die Erinnerung wach

Die letzten 13 Stolpersteine in Gangelt wurden am Freitag vor dem Heinsberger Tor auf dem Bürgersteig der Hanxler Straße und an der Sittarder Straße 11 verlegt. Der Künstler Gunter Demnig war angereist und nahm die Verlegung der pflastersteingroßen Stolpersteine auf Anregung des Initiativkreises „Stolpersteine helfen… auch in Gangelt“ vor.

Schüler der Gangelter Gesamtschule erinnerten in ihren Vorträgen an das Schicksal der Menschen, die unter dem Naziregime ihr Leben verloren.

Josef Backhaus, der den Initiativkreis ins Leben gerufen hatte, hielt eine Ansprache, in der er den Philosophen George Santayana mit den Worten zitierte: „Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, der ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ Die Gedenksteine in Gangelt und an vielen anderen Orten, so Backhaus, sollen uns erinnern an eine furchtbare Vergangenheit. Backhaus: „Wenn ich jedoch durch die Straßen unseres Ortes, wenn ich durch Geilenkirchen und Sittard gehe, dann spüre ich die heilsame Wirkung dieser Gedenksteine.“ Diese Gedenksteine könnten zwar nicht die grenzenlose Angst und das Leiden der Menschen in den Konzentrationslagern und den qualvollen Erstickungstod in den Gaskammern von Auschwitz ungeschehen machen. Sie könnten nicht die Ermordung von sechs Millionen Menschen jüdischen Glaubens aus den Geschichtsbüchern ausradieren. Aber diese Gedenksteine würden, so Backhaus, einen Ort des persönlichen Gedenkens schaffen.

Backhaus: „Sie bezeugen die Tatsache, dass diese Menschen hier in Gangelt als friedliche und verantwortungsvolle Bürger zusammen mit unseren Eltern gelebt haben. Sie bezeugen, dass diese Menschen dennoch einer wahnsinnigen und krankhaften Ideologie zum Opfer gefallen sind.“ Durch die Verlegung der Stolpersteine hätten diese Menschen wieder einen Namen, einen Ort und einen Platz in unserer Erinnerung bekommen. Die Schüler der Gangelter Gesamtschule, Christian Maaßen, Chiara Güsgen, Maurice Winkens, Erich Rausch, Gina Küppers und Benjamin Graff, hatten Beiträge verfasst, in denen sie das Schicksal der Familien Rosendahl und Hertz vor Augen führten.

Jüdisches Gebet

Eddy Falkenstein sprach ein jüdisches Gebet in Erinnerung an die Toten. Falkenstein hatte den Naziterror leidvoll erlebt. Seine Eltern waren trotz der Flucht über die Grenze in die Niederlande Opfer der Judenverfolgung geworden. Er selber hatte in einer Pflegefamilie überlebt. An der Feier zur Gedenksteinverlegung nahmen viele Gangelter Bürger teil. Auch Gäste aus den Niederlanden waren angereist. Bürgermeister Bernhard Tholen lud die Teilnehmer der Stolpersteinverlegung im Anschluss zu einem aufwärmenden Kaffee in das Rathaus ein. Insgesamt wurden in den vergangenen zwei Jahren 42 Stolpersteine in Gangelt verlegt.

(defi)