Geilenkirchen: 144 Kilometer entfernt und doch so nah

Geilenkirchen: 144 Kilometer entfernt und doch so nah

Krumme Gurken, klimarettende Glühbirnen, wassersparende Duschköpfe. Das verbinden viele mit Europa. Dass es bei der EU nicht nur um mehr oder weniger unsinnige Vorschriften geht, erlebten die Schüler des Bischöflichen St.-Ursula-Gymnasiums am Montag beim Europatag.

Das Institut für europäische Partnerschaften und internationale Zusammenarbeit (IPZ) organisierte in der Schule eine Podiumsdiskussion, Gesprächskreise und Workshops mit Politikern verschiedener Ebenen. Bei der Diskussion antworteten die Politiker auf Fragen der Schüler. Eine der Fragen beschäftigte sich damit, was passieren würde, wenn noch mehr Länder den Schutz des europäischen Rettungsschirmes benötigten.

Die Antwort von Europaparlamentarierin Sabine Verheyen (CDU): „Es könnte sein, dass der Rettungsschirm dann ausgedehnt werden müsste.“ Eine solche Entscheidung müsste dann aber noch einmal von den nationalen Parlamenten abgesegnet werden. In Deutschland also vom Bundestag. „So etwas könnte nicht ohne die Kontrolle eines von den Menschen gewählten Parlaments geschehen“, sagte Verheyen.

Die europäische Finanzpolitik ist trotz der großen Relevanz für viele junge Leute allerdings schwer greifbar. Die Europapolitiker im 144 Kilometer entfernten Brüssel regeln aber auch Dinge, die für das alltägliche Leben sehr wichtig sind. Einen dicken Applaus bekam Landtagsmitglied Ingo Wolf (FDP) dafür, dass er erklärte, dass die Roaming-Gebühren für das Telefonieren mit dem Handy im EU-Ausland abgeschafft werden sollen.

Die Schüler fragten auch nach der Erweiterung der EU. Mittlerweile besteht die Union aus 28 Mitgliedsstaaten. „Die EU muss sich fragen, wie weit sie sich noch in Richtung Osten erweitern will“, sagte Karin Schmitt-Promny (Grüne). Denn durch einen Beitritt zur EU seien nicht alle Pro-bleme eines Landes gelöst. Die Beitritte Bulgariens und Rumäniens seien vielleicht zu früh gekommen, es waren nicht alle Kriterien für den Beitritt erfüllt. „Aber sie waren politisch gewollt“, sagte Schmitt-Promny.

Auf der anderen Seite gibt es Länder, die sich bewusst gegen eine Mitgliedschaft in der EU entscheiden. Das Paradebeispiel: die Schweiz. Das Land setze auf Neu-tralität und wolle sich an niemanden binden. Auch um ihr strenges Bankgeheimnis zu wahren, erklärte Arndt Kohn (SPD). Allerdings habe die Schweiz viele Abkommen zur besseren Zusammenarbeit mit der EU geschlossen.

Besonders spannend sind für die Schüler die Chancen, die ihnen Europa bietet. Mit den Austauschprogrammen Erasmus, Comenius, und Leonardo Da Vinci gibt es eine Menge Möglichkeiten zu einem Aufenthalt in einem anderen Land. Außerdem kann man später ohne große bürokratische Hürden in der gesamten EU arbeiten.

Neben diesen Chancen möchte Anna Noddeland, Leiterin des IPZ, die Schüler auch ermutigen, sich einzubringen. „In diesem Alter ist es wichtig, dass man ein Thema findet, an dem man arbeiten möchte“, sagte sie. Noddeland: „Sie sollen mitmachen und aktive Bürger werden.“