Früher das Freibad der Gemeinde Gressenich

Stolberg-Schevenhütte : Früher das Freibad der Gemeinde Gressenich

Die Wehebachtalsperre wird im Jahr 1983 in Betrieb genommen. Zuvor ist Wehe beliebt bei Badegästen aus der Region.

Motiv unseres Sommerrätsels vom vergangenen Samstag war die Brücke an der Langerweher Straße. Somit beschäftigt sich unserer heutiger Artikel mit dem Wehebach und seinen Besonderheiten.

Der Wehebach, dessen Wasser einst als Antriebsenergie für die Hammerwerke des Schevenhüttener Eisengewerbes genutzt wurde, prägt das Ortsbild.

Der Wehebach ist rund 26 Kilometer lang und durchfließt den 700-Einwohner-Ort von Süden nach Norden. Gebildet wird er durch die Quellzuflüsse der Roten und der Weißen Wehe.

Ursprung am Südrand

Die Rote Wehe entspringt östlich des Zweifaller Forsthauses Jägerspfad. Die Weiße Wehe hat ihren Ursprung am Südrand des bei Hürtgenwald-Raffelsbrand liegenden Waldgebietes „Todtenbruch".

Der Zusammenfluss dieser beiden Quelläste liegt heute im Bereich der 1983 in Betrieb genommenen Wehebachtalsperre. Sie ist die drittgrößte Talsperre des Nordeifelraumes und dient dem Hochwasserschutz und der Trinkwasserversorgung des Großraumes Aachen/Düren.

Gebaut wurde die Talsperre im Zeitraum zwischen 1977 und 1981. Bauherr war der ehemalige Talsperrenverband Eifel-Rur in Aachen. In der Nähe des Absperrdammes liegt der 54 Meter hohe Entnahmeturm.

Der neun Meter breite Absperrdamm ist ein so genannter Felsschüttdamm, dessen Material in unmittelbarer Nähe gewonnen wurde. Im Untergrund des Dammes befindet sich ein Kontrollgang, der nicht nur der Talsperrensicherheit dient, sondern gelegentlich auch für Führungen unter sachkundiger Leitung genutzt werden kann.

Unterhalb der Talsperre lag einst im oberen Ortsdrittel das Freibad „Jägerbusch". Das von der Wehe gespeiste Freibad wurde 1936 von Josef Wagemann erbaut. Als solches war es das Freibad der Gemeinde Gressenich.

Das Freibad und sein Wasser, das auch in den Sommermonaten mitunter niedrige, fast eiskalte Temperaturen besaß, war nicht nur bei der Gressenicher, sondern auch bei der Bevölkerung des Umlandes beliebt. So war auch in Stolberg das Bedauern groß, als das beliebte Schwimmbad Mitte der 1970er Jahre für immer seinen Badebetrieb einstellte. Heute dient das frühe Schwimmbecken, das dortige Restaurant war danach noch etliche Jahre geöffnet, einem örtlichen Forellenzuchtbetrieb als Fischbassin.

1946 gegründet

Die eingangs erwähnte, an der Langerweher Straße liegende Brücke, die derzeit erneuert wird, ist vermutlich ein Bauwerk der 1950er Jahre. Sie liegt der Stahl- und Maschinenbaufirma Wolff gegenüber. Dieses Unternehmen ist 1946 gegründet worden und hatte anfänglich landwirtschaftliche Geräte, Fahrzeugrahmen und Muldenfahrzeuge hergestellt.

1954 wurde am jetzigen Standort eine 550 Quadratmeter große Halle erstellt. Der Wehebach ist 1966 im Bereich zwischen der Firma Wolff und der unterhalb liegenden Teppichweberei (Ankerwerke) renaturiert worden. Der in diesem Bereich stark mäandrierende Fluss erhielt ein neues, überwiegend gerade verlaufendes Bachbett.

Schevenhütte wurde erstmals 1525 als „Scheyver Hütte" urkundlich erwähnt. Damit war eine kleine Eisenhütte der frühen Neuzeit gemeint. Der Ort lag im Amt „Wehrmeisterei" des Herzogtums Jülich. Die ältesten Häuser stammen aus dem 16. und 17. Jahrhundert.

Damals war der kleine Ort, der später zur Gemeinde Gressenich gehörte und 1972 zu Stolberg kam, vom Eisengewerbe geprägt. Als Reitmeister wurden die Besitzer der kleinen Eisenhütten bezeichnet, die die Wasserkraft der Wehe, den Waldreichtum des Ortes und das Eisenerz der Umgebung zur Herstellung von Eisen nutzten.

Schließlich benötigte man Holzkohle für den Betrieb der Schmelzöfen. Vor dem Bau der Wehebachtalsperre war Schevenhütte eine beliebte Sommerfrische. Ein in den 1950er Jahren entstandener Flyer empfiehlt Schevenhütte als Standort eines Freibades, einer Minigolfanlage, mehrerer Gaststätten und Beherbergungsbetriebe sowie eines Kahnweihers und eines Waldes, der für ausgedehnte Wanderungen genutzt werden kann.

Ausflugsziele

Heute werden die noch im Ort vorhandenen Gaststätten, die Wehebachtalsperre und die in der Nähe des Staudammes liegende eisenzeitliche Fliehburg als Ausflugs- und Naherholungsziele genutzt. Sehr schön ist auch die 2013 vom Heimat- und Bürgerverein Schevenhütte erstellte Hinweisbeschilderung, die zahlreiche historische Informationen über denkmalgeschützte Bauten und andere örtliche Besonderheiten bietet.

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