Eschweiler: Zynismus aus der Klischee-Kiste

Eschweiler: Zynismus aus der Klischee-Kiste

„Der Mann ist das einzige Lebewesen, bei dem die Pubertät nahtlos in die Midlife-Krise übergeht.” Fast, um diesen Spruch lustvoll zu bestätigen, griff der im Eschweiler Talbahnhof bereits bekannte Kabarettist Stefan Jürgens verbal tief in den Klischee-Topf vom geplagten Mann in den besten Jahren.

Und geplagt werden die Enddreißiger bis Anfangs-Fünfziger - immer vorausgesetzt, es gibt so etwas wie den Typ des „Homo midlife-krisensis” - von vielem: angefangen von realen Wehwehchen über wuchernde Tagträume bis hin zu eingebildeten Problemen und Fähigkeiten.

Der 1963 in Unna geborene und einst in Bochum zum Schauspieler ausgebildete Jürgens ist Fernsehzuschauern unter anderem als Gründungsmitglied von „RTL Samstag Nacht” und aus der Krimiserie „Soko Wien” bekannt.

In seinem neuen Programm „Alles aus Liebe” deklinierte Jürgens vor einem schmunzelnden bis köstlich amüsierten, vor allem „mittelalterlichen” Publikum in Eschweilers Kulturzentrum verbal spritzig und witzig, dabei auch den Flirt mit den Zuschauern suchend und findend, alle Abgründe der verflixten Lebensjahre des Mannes (und auch der Frau) durch.

Der auch schon „in die Jahre gekommene” - und inzwischen angegraute - Sonnyboy jonglierte mit bisweilen halbsbrecherischem Vergnügen zwischen ernsthafter Sinnsuche und grenzwertigem Zynismus.

Mit zunehmender Programmdauer obsiegte zunehmend die zynische Variante. Ein O-Ton Jürgens: „Vielleicht ist die lebenslange Partnerschaft ja auch ein überholtes Gesellschaftsmodell. Ein Auto hat man auch nicht sein Leben lang. Oder man schafft sich, um den ersten zu schonen, einen Zweitwagen an.”

Oder: „Die Frauen von Lothar Matthäus werden immer jünger. Seine neueste Freundin soll 15 Jahre alt sein. Da ist zumindest garantiert, dass die beiden sich auf gleichem geistigen Niveau befinden.”

Oder, mit charmanter Stimme, aber knallhartem Macho-Ton wider den Stachel der emanzipierten „Mittelalter-Frauen” im Talbahnhof löckend: „Was sie bei den Männern Midlife-Krise nennen, ist bei den Frauen das Klimakterium. Mit anderen Worten: Den Männern geht es zu gut und die Frauen können nix dafür.”

Doch wie es ein weiteres Klischee vorschreibt, so steckt hinter der harten Schale eines Mannes ein weicher Kern. Mochte sich Stefan Jürgens in seinen Texten auch noch so bemühen, den harten Macho zu mimen, so sprachen seine Lieder eine andere Sprache. Begleitet von Matthias Kahra (Gitarre), Sascha Magister (Keyboard) und Johannes Maximilian Bendel (Drums), atmeten die Gesangs-Darbietungen jene Nachdenklichkeit, die man weit mehr als Midilifecrise-Gehabe bei den „reifen Jahrgängen” vermutet oder erwarten darf. Jedenfalls, solange man die Texte verstehen konnte, denn bei einigen Beiträgen wirkte die Tontechnik überdreht.

Der Mix von Klischee bedienendem Verbal-Slapstick und musikalisch-versonnener Nachdenklichkeit kam beim erfreulich zahlreichen Talbahnhof-Publikum bestens an, so dass Zugaben unausweichlich wurden.