Zweiter Weltkrieg in Dürwiß: Die grausamen Wochen vor 75 Jahren

Vor 75 Jahren : Wie Dürwiß im grausamen Kriegsgeschehen zerstört wurde

Der November 1944 war ein bezeichnender Monat für Dürwiß: Die alliierte Artillerie schoss unaufhörlich in den Ort hinein, täglich gab es Tote und Verwundete, auch unter der Zivilbevölkerung.

Rund drei Monate nach der Landung der Westalliierten in der Normandie am 6. Juni 1944 standen am 11. September die ersten amerikanischen Soldaten bei Trier auf deutschem Boden. Einen Monat später befreiten die Amerikaner unter heftigsten Kämpfen Aachen, und somit die erste deutsche Großstadt.

Als im Herbst 1944 der unheilvolle Krieg immer näher kam, wurde auch Dürwiß tiefer und tiefer in das Kriegsgeschehen hineingezogen. Das Dorf nördlich von Eschweiler lag voller Soldaten, zuerst kamen nur Nachschubeinheiten, denen mit dem Näherrücken der Front später auch die Kampftruppen folgten. Im Oktober 1944 war Dürwiß bereits von zwei Seiten (Hehlrath und Weisweiler) belagert.

Die alliierte Artillerie schoss unaufhörlich in den Ort hinein. Täglich gab es Tote und Verwundete, auch unter der Zivilbevölkerung. In Dürwiß zogen sich immer mehr deutsche Artillerieeinheiten zusammen. Die Lage für die Zivilbevölkerung wurde von Tag zu Tag unhaltbarer. Im Laufe des Oktobers flohen immer mehr Menschen, erst noch freiwillig, ab dem 22. Oktober erfolgte dann der offizielle Räumungsbefehl für Dürwiß.

Aufnahme der zerstörten Kirche in Dürwiß in der amerikanischen Zeitschrift „Life“. Foto: Archiv Hans Nelles

Vom Sammelbahnhof Ameln wurden die meisten Dürwisser Familien nach Sachsen in die Gegend von Zeitz-Weißenfels gebracht. Die Bauern folgten und fanden in dem nicht weit entfernten Stommeln (Bezirk Köln) eine Unterkunft. Nach der Flucht der Bevölkerung erfolgte am 4. November ein schwerer alliierter Luftangriff auf den Ort.

Am 16. November wurde Dürwiß zusammen mit Düren und Jülich bombardiert. Am 18. November erfolgte der schwerste Luftangriff auf Dürwiß. Mehrere Straßenzüge wurden zerstört. Neben der alten Pfarrkirche aus dem Jahr 1774 wurde auch der benachbarte Broicher Hof Opfer dieser Angriffe. Die Alliierten konnten Dürwiß erst nach harten Kämpfen am 21. November 1944 einnehmen. Der zweite Weltkrieg brachte unfassbares Leid über die Bevölkerung, viele Dürwisser kehrten nicht mehr aus dem Krieg zurück. Nicht wenige von ihnen starben in sowjetischen Arbeitslagern.

Marschbefehl der Eheleute Johann Nelles in die Evakuierung, ausgestellt von der NSDAP-Ortsgruppe Dürwiß. Foto: Archiv Hans Nelles
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