Viele Indizien,ein Vorwurf ungeklärt: Zwei Jahre Haft für 37-Jährigen Dealer aus Eschweiler

Viele Indizien,ein Vorwurf ungeklärt : Zwei Jahre Haft für 37-Jährigen Dealer aus Eschweiler

Oliver S., ein Dealer aus Eschweiler, soll im März eine Frau aus Stolberg bedroht und dann mit der Faust ihr ins Gesicht geschlagen haben. Das konnte im Prozess aber nicht zweifelsfrei bestätigt werden - ein Vorwurf bleibt ungeklärt. Für die Drogengeschichten kassierte er dann doch eine Strafe.

Der Vorwurf wog schwer, der Angeklagte Oliver S., 37, aus Eschweiler sollte laut der Anklageschrift im Verfahren vor der 9. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht am Abend des 11. März dieses Jahres in Stolberg eine Zeugin bedroht und schließlich mit Gewalt eingeschüchtert haben, damit sie ihre in einem Strafprozess getätigten Aussagen zurückziehe.

Um das zu erreichen habe Oliver S. der in dem anderen Verfahren ebenfalls angeklagten Zeugin an diesem Abend mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben, lautete der Vorwurf, ein weiterer Unbekannter war dabei, mischte sich aber nicht ein. Ja, es sei Oliver S. gewesen, sagte sie auf Befragen der Polizei, die ihr ein Foto vorgelegt hatte. Allerdings habe Oliver S., stellte sie später fest, rote Sportschuhe getragen und deutlich sichtbar im Gesicht habe sie ein Muttermal gesehen.

Das alles konnte in der Hauptverhandlung vor Richterin Melanie Theiner nicht zweifelsfrei bestätigt werden, Polizisten gaben an, bei der ersten Vernehmung habe die Zeugin nichts von roten Adidas-Schuhen berichtet. Das alles mag auch deswegen so verwirrend sein, weil die Tat im Umfeld einer Gruppe von Kleinkriminellen aus der Stolberger Szene angesiedelt ist, die momentan in einem seit mehreren Verhandlungstagen laufenden Verfahren vor einer Jugendstrafkammer am Landgericht erörtert wird. Einer der Angeklagten dort ist ein guter Bekannter des hiesigen Angeklagten Oliver S., was nahe legt, dass dieser ihm helfe wollte. Doch für die Kammer wie für den Staatsanwalt reichten die Indizien nicht aus, der Angeklagte hatte die Tat nachdrücklich bestritten, gestand aber gleichzeitig nicht unerhebliche Vergehen aus dem Bereich Drogenhandel und Konsum.

Für die Drogengeschichten – er war regelmäßiger Lieferant des Stolberger Hauptangeklagten in dem Parallelverfahren – kassierte Oliver S. am Ende dann doch eine Haftstrafe von zwei Jahren, die das Gericht allerdings zur Bewährung aussetzte. S. kam nach einem knappen halben Jahr Untersuchungshaft unmittelbar wieder auf freien Fuß, sogar eine Strafe aus einem Verfahren vor dem Eschweiler Amtsgericht wurde mit eingepreist.

Die Kammer verurteilte den Angeklagten, weil bei seiner Festnahme in seiner Wohnung wegen des Körperverletzungsdeliktes erhebliche Mengen Amphetamine, Marihuana und mehr als 3000 Ecstasy-Pillen gefunden worden waren. Unmittelbar nach dem Fund war die Drogenfahndung eingeschaltet worden, die die Amphetaminpaste fein säuberlich abgepackt in Tupperdosen im Kühlschrank aufgefunden hatte.

Weitere Delikte in der Umgebung

Zurück zum Einschüchterungsversuch der Zeugin: Er hängt mit einem Konglomerat weiterer Delikte in Stolberg und Umgebung zusammen, die in anderen Verfahren gesondert verhandelt werden. Die Tatvorwürfe reichen von Drogendelikten bis hin zu Einbrüchen oder Pkw-Aufbrüchen, die von einer fünfköpfigen Gruppe in wechselnder Besetzung begangen wurden, wie es in der dortige Anklageschrift heißt, das Verfahren läuft noch über mehrere Verhandlungstage, und auch dort wurde eine weitere Zeugin massive geschlagen und unter Druck gesetzt.

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