Eschweiler: Zweckehe der Förderschulen als Lösung

Eschweiler: Zweckehe der Förderschulen als Lösung

Die Schulen der Stadt müssen sich wieder einmal auf eine Änderung einstellen: Das Inklusionsgesetz stellt es Eltern frei, ihr Kind mit Förderbedarf in einer Regelschule anzumelden. Die Folgen sind noch nicht konkret an Zahlen zu erkennen, aber alle Verantwortlichen gehen davon aus, dass die ein oder andere Förderschule vor dem Aus steht.

Die Willi Fährmann-Schule an der Martin-Luther-Straße zählt zu den Wackelkandidaten. Die aktuelle Zahl von 154 Schülern wird im Zuge der Inklusion sinken. In der Stadtverwaltung wehrt man sich allerdings dagegen, dass das Aus besiegelt ist. „Wir sind aktuell in guten Gesprächen“, berichtet der zuständige Referent Dieter Kamp.

Dilemma auf beiden Seiten

Ein Ergebnis kann er noch nicht präsentieren, zumal die Zahl der in Frage kommenden Schüler auch noch nicht vorliegt. Aber ein Szenario zeichnet er schon vor: Favorisiert wird derzeit eine Kooperation mit der Stadt Stolberg. Die dortige Förderschule an der Tal­straße steckt im gleichen Dilemma wie die Willi-Fährmann-Schule.

Sie erreicht sogar im Gegensatz zur Eschweiler Schule schon jetzt nicht die erforderliche Mindestschülerzahl von 144. 130 Schüler mit Förderbedarf besuchen die Einrichtung in Stolberg. Eine enge Kooperation sei in den Augen von Dieter Kamps demnach die „wahrscheinlichste Variante“.

Als Standort einer Verbundschule hätte Eschweiler den Vorteil, dass das vor wenigen Jahren für 4,2 Millionen Euro sanierte Gebäude an der Martin-Luther-Straße immer noch als Schule genutzt werden kann. Unlängst dachte Bürgermeister Rudi Bertram darüber nach, den VabW (Verein für allgemeine und berufliche Weiterbildung) sowie die Fernunisversität Hagen dort unterzubringen, sollte das Areal nicht mehr genutzt werden.

Als Teil einer Verbundschule müssen immer noch mindestens 72 Schüler unterrichtet werden. Ansonsten wird sie nicht genehmigt. Noch bleibt den Verantwortlichen für die Entscheidung Zeit. Erst zum Schuljahr 2015/2016 muss eine konkrete Lösung her. Das allerdings bedeutet, dass bis zum Herbst Klarheit herrschen muss. „Auch, um den Eltern eine Planungssicherheit zu geben“, sagt Kamp.

Er setzt auch eine klare Prämisse: „Aus meiner Sicht muss das Motto weiter lauten: kurze Beine, kurze Wege. Wir sollten also alles dransetzen, den Standort zu erhalten.“ Auch wenn die Unterhaltungskosten einer Schule deutlich ins Gewicht fallen würden. „Man kann nicht verlangen, dass die Schüler, wovon einige auch aus Inden und Langerwehe nach Eschweiler kommen, längere Fahrten zur Schule in Kauf nehmen müssen.“

Auch Pädagogen führen mehrere Argumente ins Feld, den Bestand der Förderschulen zu sichern. Der Schulleiter der Willi-Fährmann-Schule, Karlmartin Eßer, hat schon vor Monaten klar Stellung bezogen: „Die Zahl der Schüler mit eklatanten Verhaltensauffälligkeiten in den Bereichen emotionale und soziale Entwicklung nimmt stark zu. Diese Entwicklung wird zu großen Belastungen für die Systeme der Haupt-, Real- und Gesamtschulen führen.“

Allerdings laufen an den Eschweiler Schulen die Vorbereitungen für inklusive Klassen seit Monaten auf Hochtouren. Lehrer der Willi-Fährmann-Schule sitzen übrigens beratend mit im Boot.

Landesweite Suche

Während die Stolberger und Eschweiler Förderschulen gemeinsam an einem Modell arbeiten, lässt sich die Verwaltung auch extern beraten. „Es werden landab und landauf Lösungen gesucht — deswegen lohnt es sich, genau hinzuschauen“, sagt Dieter Kamp. Noch ist allerdings nicht abzuschätzen, wie viele Eltern wirklich von dem Wahlrecht Gebrauch machen und sich für eine Regelschule entscheiden. Für den Leiter der Stolberger Schule an der Talstraße, Willi Seyffarth, steht jedoch fest: „Wir werden nach wie vor Kinder mit sonderpädaogischem Förderbedarf haben.“

Die Entscheidung über die Zukunft der Willi-Fährmann-Schule trifft letztlich der Eschweiler Stadtrat. Sollte es zur Zweckehe mit der Stolberger Schule kommen, muss auch dort der Rat zustimmen. Im Schulausschuss in zwei Wochen soll erneut über dieses Thema gesprochen werden. Lösungen werden dort nicht präsentiert.