Eschweiler: „Zuhause sicher” zeigt kleine Kniffe gegen Einbrüche

Eschweiler: „Zuhause sicher” zeigt kleine Kniffe gegen Einbrüche

Schlimmer als der materielle Schaden, sagt Kriminalhauptkommissar Manfred Beier, sei oft die emotionale Betroffenheit der Einbruchsopfer. Man fühlt sich in seinen eigenen vier Wänden nicht mehr sicher, das Gefühl von privater Geborgenheit ist zerstört.

Für manche Menschen ist die Vorstellung, der Täter habe alles in der Wohnung angefasst, die Wäsche, persönliche Gegenstände, so belastend, dass sie wegziehen und ihr Haus verkaufen. Über Einbruchschutz und Brandschutz informierte das Netzwerk „Zuhause sicher” jetzt in der Sparkassen-Filiale an der Marienstraße. Eingeladen hatte die Kreishandwerkerschaft.

Im Netzwerk „Zuhause sicher” arbeiten die Polizei, Feuerwehren und Fachhandwerker der Schutzgemeinschaft Aachen zusammen. Ihr Ziel: Informieren und vorbeugen. Rund 40 Besucher ließen sich in der Kassenhalle der Sparkasse mit Filmen, Vorträgen und drastischen Beispielen zeigen, wie Brände verhütet und Einbrecher abgeschreckt werden. Ludwig Voß, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Aachen, und Lothar Müller als Leiter der Geschäftsstelle Marienstraße der Sparkasse Aachen hatten sie willkommen geheißen.

Rauchmelder retten Leben

Nordrhein-Westfalen ist eines der wenigen Länder der Bundesrepublik ohne Rauchmelderpflicht. Der Einbau ist freiwillig - aber Kreisbrandmeister Bernd Hollands ließ keinen Zweifel daran, dass geprüfte und zertifizierte Rauchmelder das wichtigste Utensil sind, um bei Bränden Leben zu retten. Wenn es brennt, habe man durchschnittlich nur vier Minuten Zeit zur Flucht aus der Wohnung, und eine Rauchvergiftung könnte sogar schon nach zwei Minuten tödlich sein. Mindestschutz seien ein Rauchmelder pro Etage, und auf jeden Fall gehören solche Warnanlagen in Flure, Schlafzimmer und Kinderzimmer.

Alle vier Minuten wird in Deutschland eingebrochen - die Zahl ist bekannt. Manfred Beier und Norbert Winkler vom Kriminalkommissariat Vorbeugung aus Aachen fügten viele weitere, weniger bekannte Fakten hinzu. Wie kommt jemand dazu, einzubrechen? Wie geht er vor? Was lockt ihn, was schreckt ihn ab? Licht zum Beispiel schreckt ab. Gut erkennbare Sicherheitsvorkehrungen auch. Und aufmerksame Nachbarn.

Aber was sind das überhaupt für Leute, die in Wohnungen einbrechen? In den seltensten Fällen sind es professionelle, in Banden organisierte und aus dem Ausland anreisende Täter, rückt Manfred Beier ein häufiges Vorurteil gerade. Natürlich gibt es das auch, aber ausländische Einbrecher machen nur zwei Prozent aus.

Bei 75 Prozent aller Fälle, versichert der Fachmann von der Kripo, komme der Täter aus dem gleichen Ort oder Stadtviertel: „Sie haben ihn wahrscheinlich sogar schon einmal gesehen!” Beier schildert, was Menschen dazu bringt, einzubrechen: Drogensucht zum Beispiel. Das Großtunwollen in einer Gruppe Jugendlicher. Arbeitslosigkeit und drohender sozialer Abstieg. Auch Nervenkitzel, ja, obwohl die meisten Einbrecher Fluchttäter sind, die bei der geringsten Störung abhauen.

Wer sich in die Täter hineindenkt, kommt von selbst drauf, wie sich Einbrüche verhindern lassen. Was möchte der Täter? Eine möglichst große und möglichst schnelle Beute, ein geringes Risiko, entdeckt zu werden, gute Fluchtmöglichkeiten. In Sackgassen wird seltener eingebrochen, belegt eine Statistik. Im Winterhalbjahr wird öfter eingebrochen als im Sommer, einfach, weil es dunkler ist. Und natürlich kommen die wenigsten Täter nachts - die meisten Einbrüche geschehen zwischen 16 und 20 Uhr.

Also sind erkennbare Sicherheitsvorkehrungen eine gute Abschreckung. Und außerdem notwendig. Wie schnell sich normale Türen und Fenster aufhebeln lassen, konnten die Besucher selbst ausprobieren, an einem normalen Fenstermodell, wie es in 80 Prozent aller Häuser eingebaut ist: Es braucht nur einen ganz normalen Schraubendreher und dauert keine 30 Sekunden: Knack, schon springt das Fenster auf.

Mindestens genau so wichtig sind aber Vorkehrungen, die kein Geld kosten, sondern nur Nachdenken. Wer über Facebook im Internet weltweit mitteilt, dass er die nächsten Wochen auf Malle am Strand liegt, braucht sich nun wirklich nicht zu wundern...

Aufmerksame Nachbarn sind wichtig, die fremde Leute im Mietshaus oder in der Wohnstraße ansprechen: „Kann ich ihnen helfen?” Und die im Urlaubsfall den vollen Briefkasten leeren, die Blumen gießen, die Jalousien mal raufziehen. Licht im Haus kann auch eine Zeitschaltuhr machen. Und wer seinen Wohnungsschlüssel unter die Fußmatte legt, könnte ihn auch gleich auf der Tür stecken lassen.

Dutzende Tipps haben die Fachleute vom Kommissariat Vorbeugung. Zum Beispiel den, dass es überaus sinnvoll ist, die Haustür auch tagsüber abzuschließen. Die Balkontür und die Terrassentür übrigens ebenso. Hingegen sei es völlig falsch, innerhalb des Hauses Schränke und Schubladen abzusperren - das signalisiert nur „Hier ist etwas Wertvolles drin”. Zum Verlust des Bargelds oder Schmucks kommt dann noch der des zerstörten und womöglich teuren Möbelstücks.

Ohnehin wissen Einbrecher meist sehr gut, wo was versteckt wird. Sie können innerhalb weniger Minuten eine Wohnung geradezu durchpflügen.

Beliebte Verstecke, wo die Diebe immer nachschauen

Obwohl die meisten Menschen einen Einbruch fürchten, verwahren sie Wertsachen mehr oder weniger griffbereit auf: in Schubladen oder Fächern, unter Wäschestapeln oder in entlegenen Schrankecken. Für versierte Langfinger kein Problem - in Sekunden „pflügen” Einbrecher Haus oder Wohnung um und öffnen übliche Schrankschlösser im Handumdrehen. Vom Netzwerk „Zuhause sicher” stammt die folgende Liste mit den beliebtesten Verstecken, die natürlich jeder Dieb kennt.

Den Zweitschlüsse in der Garage, im Blumentopf, auf dem Türstock oder unter der Türmatte findet jedes Kind.

Senioren neigen dazu, Bargeld im Kissenbezug, unter dem Kopfkissen, unter der Matratze oder im Wäscheschrank zu verwahren - auch sehr große Summen. Darum schauen Diebe dort jedes Mal nach.

Die Geldkassette im Wohnzimmerschrank gehört zum Standard-Repertoire der Einbrecher.

Frauen schätzen es, ihren Schmuck in einer Schatulle im Bad aufzubewahren. Praktisch für Einbrecher.

Der Wandtresor hinter dem Bild wird sicher gefunden. Wenn Schlüssel oder Zahlenkombination dazu im Schreibtisch oder in der Pralinendose im Wohnzimmerschrank liegt, kann man ihn auch gleich offen stehen lassen. Nicht selten werden kleinere Tresore einfach mit Gewalt herausgehebelt und mitgenommen.

Ein beliebtes, aber kein gutes Versteck für Schmuck und Geld ist nach Erfahrungen der Kriminalpolizei das Schmutzwäsche-Körbchen. Auch Buch-Attrappen - vor allem in Wohnmobilen - sehen sich Langfinger routinemäßig genauer an.