Theaterstück „Goldrausch am Knickertsberg“: Zeitreise ins Eschweiler der 70er Jahre

Theaterstück „Goldrausch am Knickertsberg“ : Zeitreise ins Eschweiler der 70er Jahre

Wir schreiben das Jahr 1974: In Südostasien tobt der Vietnamkrieg, Deutschland wird zum zweiten Mal Fußball-Weltmeister, US-Präsident Richard Nixon nimmt wegen der Watergate-Affäre seinen Hut, und auch Willy Brandt tritt als deutscher Bundeskanzler nach der Guillaume-Affäre zurück.

Sein Nachfolger wird der bisherige Finanzminister Helmut Schmidt. Eschweiler ist zu dieser Zeit noch geprägt von den Baumaßnahmen am Indeufer, die seit 1966 laufen, und in deren Zuge die Mühlenstraße, die Bachstraße sowie die Judenstraße verschwanden. Mitten in diesen turbulenten Zeiten tauchen in der Indestadt plötzlich zwei vermeintliche Archäologen auf und quartieren sich als Untermieter bei der Familie Ollig in der oberen Grabenstraße, genauer gesagt in der Grabenstraße 10, ein.

Was die beiden mysteriösen Gestalten wirklich im Schilde führen, ist den Eschweilern jedoch ein Rätsel. So begann am vergangenen Freitagabend im proppenvollen Bergrather Pfarrsaal an der Pfarrer-Kleinermanns-Straße die Premiere der Komödie „Goldrausch am Knickertsberg“ der Theatergesellschaft Fröhlichkeit. Sascha Krauß zeigte sich diesmal sowohl als Autor als auch als Regisseur des fidelen Mundart-Lustspiels verantwortlich.

Dieses begann zunächst einmal mit Bildern aus dem ereignisreichen Jahr 1974, die auf eine Leinwand geworfen wurden. Zu den Klängen des Hits „Mama Loo“ der Band „Les Humphreys Singers“ sah das Publikum Aufnahmen von Personen und Geschehnissen, die diese Zeit besonders prägten: darunter Richard Nixon, Bob Dylan, Abba, Muhammed Ali und Johanna König, auch bekannt als Waschmittel-Werbe-Ikone Klementine.

Geheimzutat: Schnaps

Danach wurden die Zuschauer in das Haus der Familie Ollig entführt. Hier wohnt der Postbeamte Rudi Ollig (Udo Jouhssen)und seine liebevolle Frau Resi (Angelika Bergrath), die die halbe Stadt mit ihren leckeren Reibekuchen versorgt, die reissenden Absatz finden. Nicht zuletzt wegen einer Geheimzutat. Diese lautet schlicht und ergreifend: Schnaps. „Dat deht joot, dat schmaat joot und donoch schleevste joot“, meint Haushaltsvorstand Rudi Ollig.

Die beiden vermeintlichen Archäologen Herbert Wagenrad (Thomas Henrotte) und Dr. Hans Zipfel (Stephan Wipperfürth) überlegen, wie sie am besten an den versteckten Schatz herankommen. Foto: Timo Müller

Doch die Olligs wohnen nicht alleine in ihrem Haus an der Grabenstraße. So leben Anette Rampelsberger (Kirsten Zinner) und Ute Sturm (Rita Mallmann) gemeinsam in einer Wohnung, was immer wieder zu Gerüchten über ihre sexuelle Ausrichtung führt, während im Dachgeschoss die geheimnisvolle Madame Mogo (Petra Grün) haust.

Zu dieser bunten Truppe gesellen sich schon bald Dr. Hans Zipfel (Stephan Wipperfürth)sowie Herbert Wagenrad (Thomas Henrotte), die sich als Archäologen vorstellen, und sich für eine kleine Miete im Keller der Familie Ollig einquartieren. Diese können sie auf Anraten Rudi Olligs gleich mindern, indem sie für den Reibekuchenhandel von Resi Kartoffeln schälen: „Pro anjefangenes Kilo jeschälte Äppele jibt es 50 Pfennig Mietrabatt.“

Doch die beiden mysteriösen Untermieter haben anderes im Sinn. Sie sind auf der Suche nach dem Gold- und Silberschatz der jüdischen Familie Kornblum, der wohl vor dem zweiten Weltkrieg am Knickertsberg vergraben worden war. Damit sie diesen für sich behalten können, versuchen die beiden ihre wahren Beweggründe für sich zu behalten und behaupten vor den anderen Bewohnern, es handele sich um „Bodenwiderstandsmessungen“. Gleichzeitig interessieren sich die beiden vermeintlichen Wissenschaftler sehr für die Damenwelt, was besonders Anette Rampelsberger freut.

Noch zwei Aufführungen

Schon bald beginnen sie im Keller mit dem Bau eines Tunnels, der direkt zum Standort des Schatzes führen soll. Daraus entspinnt sich im weiteren Verlauf eine lustige Geschichte, zu deren Ausgang an dieser Stelle natürlich nichts verraten wird.

Die Theatergesellschaft Fröhlichkeit, die ganze zehn Monate an dem Stück probte, führt die Komödie „Goldrausch am Knickertsberg“ noch zwei weitere Male im Bergrather Pfaarsaal an der Pfarrer-Kleinermanns-Straße 10 auf: am kommenden Freitag, 21. September, sowie am Samstag, 22. September, jeweils um 19.30 Uhr. Einlass ist um 18.30 Uhr.

Karten für die Aufführungen gibt es bei Autohaus Westphal, Aachener Straße 84-88, oder telefonisch unter 79060.