Eschweiler: Wohnungsnot: Die WABe schlägt Alarm

Eschweiler : Wohnungsnot: Die WABe schlägt Alarm

Menschen ohne Arbeit, mit hohen Schulden, in einer sozialen Schieflage — dies sind die Klienten, die die Fachberatungsstelle der WABe des Diakonischen Netzwerks in der Beratungsstelle an der Franzstraße besuchen. Kurzum, dort wird Heinz-Dieter Hahn mit den Problemen der Menschen befasst, die am Rand der Gesellschaft leben.

Glaubt man den Worten der Beratungsstelle, dann erleben diese Menschen in Eschweiler gerade alles andere als einen konjunkturellen Aufschwung. „Sieht man genauer hin, ist die Beschäftigung zwar tatsächlich mehr geworden — sie ist aber hauptsächlich nur anders verteilt in Mini- und Teilzeitjobs, in Leiharbeit“, heißt es in der Jahresbilanz 2017. Dazu passt es, dass die Eschweiler Fachberatungsstelle im vergangenen Jahr keinen Klienten in eine Arbeitsmaßnahme oder Umschulung, geschweige denn in ein versicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis vermitteln konnte.

Nach wie vor ist die Suche nach bezahlbaren Wohnungen schwierig, die WABe-Beratungsstelle schreibt davon, dass preiswerter Wohnraum kaum noch zu finden sei. Zudem seien die vorhandenen Wohnungen vielfach „in einem erbärmlich-katastrophalen Zustand“. „Hier wird versucht, überteuerte Bruchbuden gewinnbringend an Frau oder Mann zu bringen“, lautet der Vorwurf. Letztendlich werde nur ein massiver sozialer Wohnungsneubau die steigenden Mietpreise ausbremsen.

Genau an dieser Stelle hakt es laut WABe jedoch weiterhin. In den Augen Hahns habe ein bedarfsgerechter Wohnungsneubau nie stattgefunden. „Es ist schon erstaunlich, wie es Politik und Verwaltung geradezu jahrzehntelang gelungen ist, die Realität auszublenden“, heißt es im Bericht. Zwar finde seit einiger Zeit ein regelrechter Bauboom statt, aber die neuen Wohnungen seien in den Augen der Fachberatungsstelle in der Regel zu groß und zu teuer.

Im vergangenen Jahr betreute Heinz-Dieter Hahn insgesamt 60 Personen, die sich mit Problemen an die Beratungsstelle in der Franzstraße wandten. 16 Betreuungen der Fachberatung werden in diesem Jahr fortgesetzt. Statistisch nicht erfasst wurden 13 Klientinnen mit einem oder zwei Beratungskontakten. In einigen Fällen (37) galt es, die Schuldensituation zu klären. 17 Mal knüpfte Hahn den Kontakt zu anderen Verbänden. Die WABe wirkt mit im Arbeitskreis „Soziale Dienste“ und am runden Tisch, an dem auch Vertreter anderer Hilfsorganisationen, von Behörden wie das Jobcenter, aber auch des hiesigen Energieunternehmens sitzen.

Obwohl der Wohnungsmarkt immer schwieriger werde, konnte man fünf Vermittlungsfälle verzeichnen. Drei Mal war es im vergangenen Jahr gelungen, die Verbleib in einer Wohnung zu sichern. „Hierbei konnte eine kostenaufwendige gerichtliche Räumung vermieden werden“, schreibt die WABe. Die wachsenden Kosten für Heizung und Strom führen ebenfalls bei immer mehr Menschen zu finanziellen Schwierigkeiten. Drei Familien mit Kindern konnte die WABe im vergangenen Jahr davor bewahren, dass ihnen der Energiehahn zugedreht wurde.

In der Statistik der Fachberatungsstelle spiegelt sich auch das wider, was auch den Fallmanagern des Jobcenters Kopfzerbrechen bereitet: 42 Prozent der Menschen, die im vergangenen Jahr Hilfe bei der WABe suchten, verfügten über keine Ausbildung. „Vielfach waren die Klientinnen ohne Hauptschulabschluss“, heißt es im Bericht. Immerhin 14 der betreuten Personen besaßen eine qualifizierte oder teilqualifizierte Berufsausbildung. Die Forderung lautet: „Es dürfte mittlerweile allgemeine Erkenntnis sein, dass Konjunktureffekte bei weitem alleine nicht ausreichen — hier wird kurz-, mittel- und langfristig sehr viel mehr Geld in die Hand genommen werden müssen, um Bildung und Qualifizierung zu fördern.“

Vor allem Menschen mit vielschichtigen Problemen fallen derzeit durch das Sieb. Um ihnen zu helfen, holte sich die WABe auch die Unterstützung anderer Fachverbände und -organisationen und arbeitete auch eng mit Partnern und Angehörigen zusammen. Nach wie vor bleibt die Lage angespannt, die Fallzahl in der Schuldnerberatung sei weiterhin „hoch“. Immerhin: Ausdrücklich lobt die WABe die Zusammenarbeit mit dem Jobcenter, dessen Geschäftsstelle sich seit einiger Zeit „um die Ecke“ befindet.

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