Eschweiler: Wirtschaftsförderung: Chinesen suchen Kontakte an die Inde

Eschweiler : Wirtschaftsförderung: Chinesen suchen Kontakte an die Inde

Wenn chinesische Unternehmer sich über Wirtschaftsförderung und Ansiedlungsmöglichkeiten in Deutschland informieren wollen, ist Eschweiler seit Jahren eine der ersten Adressen.

Frankfurt, Eschweiler, Köln, München heißen die Stationen einer viertägigen Informationsreise hochrangiger Wirtschaftsvertreter aus der südostchinesischen Provinz Jiangxi, die jetzt auf Vermittlung des in der Indestadt ansässigen Europavereins GPB dem Eschweiler Wirtschaftsförderer Dieter Kamp geradezu Löcher in den Bauch fragten.

Der stellte in Vertretung des verhinderten Bürgermeisters Rudi Bertram den Gästen im Rathaus jetzt die Vorzüge des Wirtschaftsstandorts Eschweiler dar, ohne allerdings auch Probleme zu verschweigen. Gelegen im Herzen Europas mit sehr guten Anbindungen an eine Vielzahl von Wirtschaftsmetropolen und in unmittelbarer Nähe der Exzellenz-Uni RWTH Aachen mit ihren 50.000 Studenten und 15.000 Wissenschaftlern, ist Eschweiler schon jetzt Standort etlicher weltweit agierender Firmen.

So hat bekanntlich West Pharma, Weltmarktführer in seinem Metier, in Eschweiler sowohl seine Europa- als auch seine Asienzentrale. Erfreulich auch, dass sich die Arbeitslosenquote in Eschweiler seit 2005 von 16,2 auf 8,4 Prozent nahezu halbiert hat und die Zahl der Beschäftigten seit 1999 von 14.000 auf 18.000 gestiegen ist.

Für Kamp ein Beleg erfolgreicher Wirtschaftspolitik in der Indestadt, deren Infrastruktur samt Freizeitangeboten ebenfalls auf Zustimmung stößt, wie der Anstieg der Einwohnerzahl innerhalb der vergangenen drei Jahre von 55.000 auf 58.000 unterstreicht.

Und: Eschweiler kann weiterhin Gewerbe- und Industrieflächen in bester Lage anbieten, deren Preis zudem weit unter dem im benachbarten Aachen liegt.

Die Gäste aus Jiangxi zeigten sich sehr interessiert an dem, was Eschweiler zu bieten hat. Da wurde nach Grundstückspreisen gefragt, nach dem Prozedere einer Ansiedlung, nach Kontakten zu hiesigen Firmen, aber auch nach Möglichkeiten, hier Wohnsiedlungen und Hotels zu bauen: Wang Ding Shui, Mitglied der aus Vertretern der Industrie- und Handelskammer und Unternehmern der Provinz bestehenden Delegation, ist Bauträger, Eigentümer etlicher Hotels und verfügt über Firmenniederlassungen in 45 Ländern.

45 Millionen Einwohner

Ye Hebin, Direktor der Industrie- und Handelskammer mit Sitz in der Sieben-Millionen-Stadt Shangroa, brachte den Eschweiler Gastgebern die Gegend nahe, aus der die Delegation angereist war: Die Provinz Jiangxi erstreckt sich über 160.000 Quadratkilometer und ist damit knapp halb so groß wie die Bundesrepublik. 45 Millionen Einwohner bevölkern das teils gebirgige Gebiet, das von 5000 Kilometern Autobahnen und 3700 Kilometern Eisenbahnnetz durchschnitten wird.

Gleich fünf Weltkulturerbe-Stätten finden sich in Jiangxi, das über die größte Kupferförderung in Asien verfügt und mit dem Poyang-See den größten Süßwassersee in China aufweisen kann. In Jiangxi liegt auch Jingdezhen, die „Porzellan-Hauptstadt“ Chinas, in der seit weit über 1000 Jahren „kaiserliches“ Porzellan gefertigt wird. Ein weiteres Wirtschaftsstandbein ist die ökologische Landwirtschaft.

Von dem, was Wirtschaftsförderer Dieter Kamp und GPB-Vorsitzender Peter Schöner ihnen über Eschweiler nahebrachten, zeigten sich die chinesischen Gäste angetan. Auch wenn sie aus dem Reich der Mitte ganz andere Dimensionen gewöhnt sind, als Eschweiler sie kennt.

„Wir sind hier, um mehr voneinander zu erfahren und Möglichkeiten einer Zusammenarbeit zu prüfen“, unterstrich Ye Hebin. „Ihre Stadt hat ihren Charme und ihre Vorteile — unsere Region ebenso. Wir können uns ergänzen und gegenseitig unterstützen.“

Fast zwei Stunden dauerte der intensive Informationsaustausch, der nicht der letzte gewesen sein soll. Ye Hebins Gegeneinladung: „Wir erwarten Sie in China!“