Klimagerechtes Bauen in Eschweiler: „Wir bringen die Förderung gleich mit“

Klimagerechtes Bauen in Eschweiler : „Wir bringen die Förderung gleich mit“

Bottrop könnte als Vorbild für die Indestadt dienen: Dort wird ein Gebiet mit 70.000 Einwohnern klimagerecht umgebaut. Eschweiler will daran anknüpfen und holt sich Tipps von den Verantwortlichen.

Die Stadt treibt ihre Bemühungen voran, klimagerecht zu bauen, beziehungsweise bestehende Gebäude umzubauen. Deswegen hat die Verwaltung den ehemaligen Oberhausener Oberbürgermeister Burkhard Drescher eingeladen, am Donnerstag im Planungs-, Umwelt- und Bauausschuss zu sprechen. Denn Drescher ist seit 2011 Geschäftsführer des Unternehmens Innovation-City in Bottrop. Die Stadt ist seit acht Jahren eine Modellkommune, ein Reallabor, wenn es darum geht, nach den Leitlinien von Innovation-City den Klimaschutz praktisch, sozialverträglich und möglichst industriefreundlich voranzutreiben. Dort wird nach Angaben des Unternehmens bis 2020 „weltweit erstmals ein komplettes Stadtquartier“ mit rund 70.000 Einwohnern und fast 15.000 Gebäuden klimafreundlich saniert. 50 Prozent der CO2-Emissionen und des Energieverbrauchs sollen somit gesenkt werden – den Vorstellungen der Bürger entsprechend.

„Das Modell haben wir bereits auf 40 andere Städte im Ruhrgebiet, in Hamburg und Berlin transferiert“, sagt Burkhard Drescher auf Anfrage. Eschweiler könnte auch folgen, wenn sein Vortrag die hiesige Politik überzeugt. „Wir würden gerne in Eschweiler einsteigen.“

Die Verwaltung empfiehlt der Politik auf jeden Fall, eine Zusammenarbeit prüfen zu lassen, wie es in der Sitzungsvorlage steht. „In einem der nächsten Ausschüsse soll über die Ergebnisse berichtet werden.”

Da es bei Bauprojekten und Sanierungen – klimagerecht oder nicht – immer um erkleckliche Summen geht, die Pointe des Vortrags vorweggenommen: „Wir bringen die Förderung gleich mit“, betont Drescher und verweist auf ein Modell der KfW-Bank. „Die liegt bei 65 Prozent. Das entspannt die wirtschaftliche Lage der Stadt. Wir beraten auch und unterstützen bei der Beantragung.“

In der Regel sei es so, dass sich die Experten – Drescher verweist auf die Expertise von 31 Mitarbeitern und ein Netzwerk aus Dienstleistern – mit einer Stadt austauschen, bei welchem Quartier ein Umbau möglich und nötig sei. 10.000 Einwohner oder etwas weniger seien eine Referenzmarke, erklärt Drescher. Seiner langjährigen Erfahrung nach sei der Erfolg eines solchen größer angelegten Projektes auch von der „Kommunikationsstruktur“ der Bewohner beziehungsweise der Hauseigentümer abhängig. In einfachen Worten ausgedrückt: Ziehen die Bürger dort an einem Strang? Sind sie offen für einen Wandel? Je homogener die Struktur, desto besser, betont Drescher. Die größte Herausforderung sieht er nämlich darin, die für alle Schritte nötigen Haus- und Grundstückseigentümer an einen Tisch zu bringen. Aber: „Wir haben sehr viel Erfahrung da drin, das zu schaffen mit verschiedenen Maßnahmen wie Arbeitskreisen“, sagt Drescher. „Wir wollen die Bürger zu einer Mitmachgesellschaft entwickeln, das ist unser Plan. Ein Stadtumbau kann nicht von der Stadt verordnet werden.“

Den Konzepten geht eine Stärken-Schwächen-Analyse über das Quartier (Infrastruktur, Gewerbe, Wohngebiete etc.) voraus, auf das die zukünftigen Maßnahmen zugeschnitten werden. Kommt es zu einer Einigung mit allen handelnden Personen und der Stadt, würde es ein Jahr dauern, bis ein entsprechendes Konzept fertig sei. Die Umsetzung würde drei bis fünf Jahre dauern.

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