Eschweiler: Wilfried Berndt rechnet sich gute Chancen bei der Kommunalwahl aus

Eschweiler: Wilfried Berndt rechnet sich gute Chancen bei der Kommunalwahl aus

Eigentlich ist er es gewohnt, dass die Menschen schon aufstehen und klatschen, wenn er den Saal betritt. In der Regel erklingen dann auch Trompeten. Doch diesmal muss Wilfried Berndt in der Dürwisser Festhalle warten, bis sich die Menschen erheben. Die CDU-Mitglieder tun es nach einer vielleicht nicht flammenden, aber für viele im Saal sicherlich überraschend forschen Rede.

Der bisher vor allem als musikalischer Leiter der Band „Brass on Spass“ bekannte Berndt tritt bei der Kommunalwahl als Spitzenkandidat der CDU gegen Bürgermeister Rudi Bertram (SPD) an. Und er sieht durchaus Chancen, aus der Wahl als Sieger hervorzugehen: „Ich werde alles dransetzen, dass der nächste Eschweiler Bürgermeister einen Vornamen als Nachnamen trägt.“ Dafür erntet er viel Applaus.

An diesem Donnerstagabend ist die Eschweiler CDU-Spitze bemüht, die Zeiten der Zwistigkeiten in ihrer Partei hinter sich zu lassen. So ganz gelingt dies nicht: Bei der anschließenden Wahl vereint Berndt 54 Stimmen auf sich, acht Parteiangehörige stimmen gegen ihn. Sowohl der Stadtverbandsvorsitzende Willi Bündgens als auch der Kreisverbandsvorsitzende Axel Wirtz hatten zuvor die Gemeinschaft betont. Der Kandidat selbst ist mit dem Ergebnis zufrieden: „Es bleibt genug Zeit bis Mai, alle Parteifreunde zu überzeugen.“

Wilfried Berndt ist politisch ein noch unbeschriebenes Blatt. Vor wenigen Jahren trat er der Eschweiler CDU bei, in Dürwiß gehört er jetzt dem Ortsverbandsvorstand an. Als Mathematiker ist der 55-Jährige bei RWE Generation als Abteilungsleiter tätig. Dort verantwortet er Projekte in Millionenhöhe. „Ich bin es gewohnt, mit dem Vorstand ebenso zusammenzuarbeiten wie mit dem Pförtner, auch Verwaltungen sind mir bekannt“, betreibt er bei der CDU-Mitgliederversammlung Werbung in eigener Sache.

Es sei an der Zeit, in Eschweiler etwas zu ändern, sonst lande die Stadt im Nothaushalt und der Rat entscheide nichts mehr. Spätestens 2016 könne es soweit sein. Dass er als vermeintlicher David gegen Goliath antritt, scheint ihm bewusst. Auf Bürgermeister Bertrams Popularität kommt Berndt auch zu sprechen und zitiert in diesem Zusammenhang Orson Welles: „Beliebtheit sollte kein Maßstab für die Wahl von Politikern sein. Wenn es auf die Popularität ankäme, säßen Donald Duck und die Muppets längst im Senat.“ Solche Aussagen gefallen den Christdemokraten im Saal.

In der Städteregion sitzt die CDU am Ruder. Und auch bei der Wahl zum Städteregionstag und -rat kann sie wohl ihr bisheriges Zugpferd satteln. Amtsinhaber Helmut Etschenberg will seine erneute Kandidatur zwar mit höchster Wahrscheinlichkeit erst heute bekanntgeben, aber in der Festhalle Dürwiß bringt er sich in Position. Vor der Versammlung des Eschweiler Stadtverbandes tagte der CDU-Kreisvorstand. In der anschließenden Versammlung stellt er die Geburtswehen der Städteregion dar, um ein versöhnliches Fazit zu ziehen: „Wir sind gemeinsam gut unterwegs und werden im nächsten Jahr einen Haushalt vorlegen, in dem wir deutlich einsparen werden.“

Dies nimmt der CDU-Fraktionsvorsitzende im Eschweiler Stadtrat, Bernd Schmitz, mit Freude zu Kenntnis. Der Weisweiler lässt die aktuelle Ratspolitik Revue passieren. Vehement fordert er den Bau einer Mehrzweckhalle für die Don-Bosco-Schule: „Es ist ein unhaltbarer Zustand, dass Kinder der größten Eschweiler Grundschule bei Wind und Wetter eine lange Strecke zum Sportunterricht gehen müssen.“ Auch der Zustand der Hertie-Immobilie sei ihm ein Dorn im Auge: „Aber die Stadt kommt auch dort keinen Schritt weiter.“ Ähnlich kritisch sieht er den Zustand der Blausteinsee-GmbH: Die CDU habe für ein Darlehen plädiert, die SPD habe sich aber für einen Zuschuss in Höhe von 150.000 Euro entschieden.

Hoffnung nach Bundestagswahl

Für den Eschweiler Stadtverbandsvorsitzenden Willi Bündgens ist die CDU in Eschweiler auf Augenhöhe mit der SPD: „Das hat die vergangene Bundestagswahl gezeigt.“ Der langanhaltende Streit habe die Christdemokraten lange gelähmt. Diesmal habe der Parteivorstand bei der Suche nach Bewerbern für die Wahlkreise die Qual der Wahl gehabt. Auch mit mehreren Bewerbern für die Wahl zum Bürgermeister habe man gesprochen. Bündgens verschweigt jedoch, dass sich die CDU auch Absagen anhören musste. „Jetzt dürfen wir mit unserem Vorschlag zum Bürgermeisterkandidaten einen Mann präsentieren, der dies nachweislich aus beruflichen Gründen kann. Einen solch klugen Kopf brauchen wir in unserer Heimatstadt Eschweiler in wirtschaftlichen Zeiten“, ruft Bündgens seiner Partei zu.

Der so gelobte Wilfried Berndt hält sich bei seinem ersten öffentlichen Auftritt als Kandidat noch zurück. Wer in Anlehnung an seine musikalische Tätigkeit einen Auftritt mit Pauken und Trompeten erwartet hat, der sieht sich getäuscht oder muss sich gedulden: Anfang des kommenden Jahres will die Eschweiler CDU ihren Kandidaten öffentlich präsentieren.

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