Bürgerengagement: Wie ein Sportplatz wieder zum Mittelpunkt wird

Bürgerengagement : Wie ein Sportplatz wieder zum Mittelpunkt wird

Noch vor wenigen Jahren hatte der Sportplatz an der Erfstraße seinen Namen kaum verdient. Das Unkraut wucherte zwischen dem ramponierten Rasen, die alte Garage war voll Graffiti und Gestank, an ein gepflegtes Fußballspiel auf dem 1978 eröffneten Bolzplatz war nicht zu denken – die Aufenthaltsqualität lag nahe Null.

Nachdem die „Kicker Eschweiler“, die dort in den 80er Jahren spielten, sich auflösten, wurde es still auf dem Platz. Niemand fühlte sich verantwortlich, Spaziergänger mieden den Ort. Ein Kontrast zu dem, was sich am Samstag dort abspielte.

Begeistert warfen sich Beachvolleyballer aus sieben Gruppen in den Sand, beim Boule flogen die Kugeln von sechs Mannschaften, und drei Fußballteams jagten dem runden Leder nach. Die Stimmung beim fünften Röher Sportplatzfest war prächtig. Doch bevor es dazu kam, drohte dem Platz erst das Aus.

Als 2013 die Stadt Eschweiler den Plan vorstellte, auf dem Platz eine Photovoltaikanlage zu errichten, regte sich Widerstand, erinnerte sich Hans-Jürgen Krieger, der nun Vorsitzender des Vereins „Sportplatz Röhe“ ist. Alfred Bach, damals Vorsitzender der Interessengemeinschaft der Röher Vereine, wollte den Sportplatz retten. Mehr noch: Er sollte wieder in den Lebensmittelpunkt der Dorfgemeinschaft rücken. „Wir wollen diesen Platz für Röhe voranbringen“, betonte Krieger, der mit Dieter Büttgen, Petra Ott, Ingo Mandelarzt, Klaus Fehr, Alfred Bach und Heinz-Josef Schönenborn den „Sportplatz Röhe“ gründete. Mehr als 600 Unterschriften wurden gesammelt und viel Werbung bei der Stadt gemacht, die sich dem Bürgerwillen schließlich fügte. Allerdings unter der Bedingung, dass sich nun etwas tun müsse an der Erfstraße.

Beim Beachvolleyball lebte der Sommer noch einmal auf: Das Team „Keine Ahnung“ gewann nach knappen Spielen. Foto: Christian Ebener

„Eine breite Basis ist unsere Grundlage“, erklärte Klaus Fehr. „Wir haben es geschafft, Politik, Vereine, Bürger und die Wirtschaft ins Boot zu holen.“ Rund 70 Mitglieder zählt der Förderverein mittlerweile, und die packen auch immer wieder tatkräftig an. Statt eines großen Bolzplatzes befinden sich nun ein Kleinspielfeld mit zwei festen Metalltoren, ein Basketballkorb, ein Beachvolleyballfeld, eine Boulebahn und mehrere Bänke auf der einladenden Wiese. Regelmäßig wird frischer Mutterboden aufgebracht, und nachdem der Sommer 2018 dem Grün ordentlich zusetzte, wurde noch im November neu gesät. Die Sponsoren aus Röhe unterstützen den umtriebigen Verein nach Kräften. „Es kommen immer junge Leute nach. Besonders die Entscheidung für das kleine Fußballfeld hat sich als richtig erwiesen“, betonte Krieger und Fehr ergänzte: „Auch der normale Röher Bürger kann sich hinsetzen und die Ruhe genießen.“ Und nebenan gibt es eine Hundewiese.

Das Konzept sei mittlerweile sehr gut akzeptiert, so Krieger, der keine Mühe hat immer wieder ehrenamtliche Helfer zu finden. Für Wünsche aus der Bevölkerung sei man natürlich ebenso immer zugänglich. „Denn es lohnt sich nur zielgerichtet anzubieten, was auch ankommt.“ So gebe es bereits die Überlegung, den Basketballplatz zu befestigen, und einige der Boulespieler wünschten sich bereits im Anschluss an das Turnier eine zweite Bahn. Auch ein Trimm-Dich-Pfad steht in den Überlegungen von Krieger, der ständig im Austausch mit der Interessengemeinschaft der Röher Vereine steht. Und die lassen sich auch vor Ort blicken: Mehrere Teams entsendete der Mai-Club, der auch seine Feste auf der Wiese feiert, zum Boule und beim Beachvolleyball mischte ein Team des TFB Röhe mit. Stolz sei man auch darauf, dass zwei Teams der Caritas Lebenswelten beim Fußball mitspielten und auch regelmäßig dort trainieren. Zudem gab es eine Open-Air-Messe, Veranstaltungen der Grundschule und das Martinsfeuer, zählte Krieger auf: „Es gibt wirklich immer etwas zu tun.“

Stolz nahmen die Sieger der Turniere des Sportplatzfests (siehe Infobox) ihre Pokale entgegen und zogen vom Platz, bevor die ersten Regentropfen Röhe erreichten. Vor dunklen Wolken über dem Sportplatz müssen die Röher aber keine mehr Angst haben – denn die Idee des Solarparks ist in den Archiven der Stadt verschwunden. Dort ist man vielmehr zufrieden mit dem beispielhaften Bürgerengagement im Westen der Stadt.

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