Eschweiler: Wer flexibel ist, findet Kurzzeitpflegeplätze

Eschweiler: Wer flexibel ist, findet Kurzzeitpflegeplätze

Tag und Nacht ist Gabriele V. für ihre Mutter da. Ein Schlaganfall machte die 79-Jährige vor zwei Jahren zum Pflegefall. Gabriele V. holte die Mutter zu sich in die Wohnung. Ruft die Mutter nachts nach ihr, steht Gabriele V. an ihrem Bett. Sie füttert die Mutter, wäscht ihre Sachen, badet sie und wechselt die Windeln. Entlastung kommt vom Pflegedienst, der zweimal täglich vorbeischaut.

Eigene Hobbys hat Gabriele V. schon lange nicht mehr. Und auch Freunde sieht sie nur noch selten.

Ihr Leben ist mit ihrem Teilzeitjob und der Pflege ihrer Mutter mehr als ausgefüllt. Doch die 47-jährige Eschweilerin merkt, dass sie eine Auszeit braucht, mal etwas für sich tun muss. Gabriele V. beschließt, einen Urlaub zu buchen. Doch wer kann in dieser Zeit ihre Mutter versorgen? Hunderttausende pflegende Angehörige stehen in jedem Jahr vor der gleichen Frage.

Der Gesetzgeber sieht Auszeiten für Menschen, die einen Angehörigen pflegen, durchaus vor. Das Stichwort lautet: Kurzzeitpflege. „Der Gedanke ist, dass pflegende Angehörige in der Kurzzeitpflege Entlastung finden“, erklärt Stephan Löhmann von der Pflegeberatung der Städteregion Aachen, die Angehörige in allen Fragen rund um das Thema Pflege Hilfestellung bietet und Hausbesuche macht. Zu unterscheiden sei bei der Kurzzeitpflege, so Löhmann, zwischen sogenannten solitären Einrichtungen, die sich auf die Kurzzeit und Tagespflege spezialisiert haben, und Pflegeeinrichtungen, die — je nach Belegung — sogenannte eingestreute Kurzzeitpflegeplätze anbieten.

Nach Angaben der Städteregion gibt es in Eschweiler zur Zeit zwölf solitäre Kurzzeitpflegeplätze bei Sentas, einer Einrichtung, die sich auf Kurzzeit- und Tagespflege spezialisiert hat, und 45 eingestreute Plätze in den sechs in Eschweiler ansässigen Senioren- und Betreuungszentren. Letztere werden allerdings meist mit vollstationären Langzeitpflegegästen belegt und können nicht im vorhinein monatelang reserviert und freigehalten werden.

„Die Anfragen sind da. Aber wir können den Angehörigen da leider keine Planungssicherheit bieten“, sagt dann auch Irmgard Lammertz, Leiterin des Ago Seniorenzentrums am Ringofen. Ähnliches ist von den fünf anderen vollstationären Betreuungseinrichtungen in Eschweiler zu hören. Kurzzeitpflegeplätze sind in allen Einrichtungen vorhanden, jedoch meist belegt. Wenn ein älterer Mensch verstirbt oder wieder aus der Einrichtung auszieht und zeitgleich jemand kurzfristig einen Kurzzeitpflegeplatz sucht, dann lassen sich Vereinbarungen treffen.

Wer langfristig Planungssicherheit braucht, kann sich an Einrichtungen wenden, die sich auf Kurzzeit- und Tagespflege spezialisiert haben, wie zum Beispiel Sentas in Eschweiler. Dort gibt es zwölf Tagespflegeplätze und zwölf Kurzzeitpflegeplätze und auch in der ersten Ferienwoche sind dort noch Kurzzeitpflegeplätze frei. „Bei uns herrscht eine hohe Fluktuation“, erklärt Sentas-Geschäftsführer Dr. Georg Weikert.

„Wenn beispielsweise ein zu Pflegender hier erkrankt und ins Krankenhaus muss, wird kurzfristig ein Platz frei.“ Und auch bereits im voraus reservierte Plätze werden nicht immer benötigt. „Es gibt Leute, die reservieren im April einen Platz für August und wenn wir dann zwei bis drei Wochen vorher telefonisch nachfragen, sagen sie uns, dass der Angehörige verstorben ist oder der Urlaub geplatzt ist.“

Einen Notstand bei Kurzzeitpflegeplätzen sieht Weikert demnach nicht. Und auch Stephan Löhmann betont: „Wenn sich jemand, der einen Kurzzeitpflegeplatz sucht, bei uns meldet, haben wir immer noch einen Platz gefunden“, sagt er. „Aber man muss flexibel sein und bereit sein, auch in den Nachbarkommunen zu suchen.“

Weikert gibt zu, dass die Kurzzeitpflege ein nicht ganz unproblematisches Feld ist. Viele pflegende Menschen plagt das schlechte Gewissen, wenn sie sich den wohlverdienten Urlaub gönnen und oft trägt der Angehörige noch seinen Teil dazu bei, indem er sich beklagt, abgeschoben worden zu sein. Weikert empfiehlt deshalb, einige Male vorher die Tagespflege zu nutzen, damit der alte Mensch die Einrichtung kennenlernt und schauen kann, ob er sich dort wohl fühlt. „Dann ist der psychologische Übergang für denjenigen, der die Kurzzeitpflege in Anspruch nimmt, nicht so hoch.“

1550 Euro oder 28 Tage

Und was ist mit den Kosten? Die Pflegekasse übernimmt pro Jahr 28 Tage Kurzzeitpflege beziehungsweise Kosten von maximal 1550 Euro. Voraussetzung ist, dass eine Pflegestufe vorliegt, erklärt Stephan Löhmann von der Pflegeberatung der Städteregion.

Neben der sogenannten Kurzzeitpflege gibt es noch die Verhinderungspflege, bei der ebenfalls ein Anspruch von vier Kalenderwochen bis zu einem Betrag von 1550 Euro besteht. Voraussetzung hierbei ist, dass die zu pflegende Person mindestens ein halbes Jahr vorher zu Hause gepflegt worden ist. „Die Verhinderungspflege greift etwa dann, wenn der pflegende Angehörige selbst erkrankt ist oder operiert werden muss“, erklärt Löhmann. Dabei übernimmt die Pflegekasse die Kosten, falls die Pflege zu Hause stattfindet.

Doch reichen 1550 Euro wirklich für 28 Tage Pflege aus? Hier sehen sowohl Pflegeberater Löhmann als auch Sentas-Geschäftsführer Weikert Probleme. „Der Betrag von 1550 Euro ist für alle Pflegebedürftigen gleich, egal ob sie in Pflegestufe 1 oder Pflegestufe 3 sind“, erklärt Löhmann. „Da die Pflegesätze in Pflegestufe 3 aber wesentlich höher sind, reichen sie für weniger Tage aus, obwohl der Bedarf in der Familie vielleicht sogar höher ist.“ Weikert bestätigt: „Das Geld der Pflegekasse reicht in Pflegestufe 3 nur für 19 Tage aus.“