Eschweiler: Wenn die gemütliche Wohnung zum Hindernisparcours wird

Eschweiler: Wenn die gemütliche Wohnung zum Hindernisparcours wird

„Stell dir vor, du kommst nach einem Schlaganfall zurück aus dem Krankenhaus, und deine eigene Wohnung, die dir bisher so gemütlich erschien, ist ein einziger Hindernisparcours!” Genau dies ist die Ausgangssituation vieler Beratungen bei den Mitarbeitern im Pflegestützpunkt der Städteregion.

Deutlich gemacht werden diese Probleme - und wie man sie lösen kann - mit einer Ausstellung im Rathaus, die am Montag eröffnet wurde. Zugleich bietet der Stützpunkt am Mittwoch und Donnerstag dieser Woche persönliche Wohnberatung an, jeweils 9 bis 11 Uhr im Eschweiler Rathaus.

Die Hindernisse

Möglichst lange in den eigenen vier Wänden zu leben, auch bei Behinderungen oder im hohen Alter, das möchte die Wohnberatung möglich machen. „Was ist denn der häufigste Fall?”, fragte Manfred Knollmann, der 1. Beigeordnete der Stadt, bei der Öffnung der Ausstellung die Beraterin Yvonne Berg. Die berichtete von den beiden größten Hindernissen, die sich vor Menschen aufbauen, wenn sie pflegebedürftig werden oder körperlich beeinträchtigt, zum Beispiel nach einem Schlaganfall oder Herzinfarkt: „Erstens das Badezimmer, zweitens der Hauseingang.”

Die Wohnberater, die bei Bedarf auch Hausbesuche machen, schauen dabei zuerst, „ob man mit Hilfsmitteln klarkommt. Da gibt es tausend, oft wenig bekannte Möglichkeiten, die auch finanziell gefördert werden”, so Yvonne Berg. Das klassisches Beispiel Badewannenlift kennt fast jeder. Aber wer denkt schon an eine WC-Tür, die sich im Notfall von außen mit einer Münze öffnen lässt, für den Fall, dass sich ein dementer Mensch selbst einschließt? Oder an einen Sensor, der den Elektroherd in der Küche automatisch abstellt, wenn die Hitze zu hoch wird? Erst wenn Hilfsmittel nicht mehr ausreichen, rät Yvonne Berg zu einem Umbau.

Solche Beratungen müssen oft auch psychologisch einfühlsam sein. Wie macht man jemandem, der seit Jahrzehnten in seiner Wohnung lebt, klar, dass drei Teppichläufer übereinander im Flur eine Stolperfalle sind? Die Beraterin Yvonne Berg kennt diese Probleme: „Wir wollen die Leute ja schützen und nicht bevormunden!” Sie selbst hat schon jemandem, der sich gar nicht von einem Teppich trennen wollte, geraten, ihn als Schmuckstück an die Wand zu nageln.

Breites Beratungsangebot

Ausstellung und Beratung sind Teil der zurzeit laufenden dritten Woche der Senioren in Eschweiler. Die wird im Wesentlichen organisiert vom Eschweiler Seniorenbeauftragen Winfried Effenberg. Er und seine Kollegin Annette Lemke-Errens, die im Rathaus unter anderem für Seniorenberatung zuständig ist, freuten sich beim Start in die Seniorenwoche über das breite Beratungsangebot. Effenberg wies zugleich darauf hin, dass im Foyer des Rathauses ein breites Angebot kostenloser Broschüren und Ratgeber rund um das Thema „Wohnen im Alter” erhältlich ist.

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