Eschweiler: Wenn das Herz zu rasen beginnt...

Eschweiler: Wenn das Herz zu rasen beginnt...

Der Verein „Deutsche Herzstiftung” zählt mehr als 66.000 Mitglieder. Zu den Hauptaufgaben gehört es, Patienten in unabhängiger Weise über Herzkrankheiten aufzuklären. Jährlich finden daher die sogenannten „Herzwochen” statt, bei denen Ärzte vor Ort sprichwörtlich über Herzensangelegenheiten aus medizinischer Sicht mit Patienten sprechen.

In Eschweiler übernahm das am Dienstagabend im Kulturzentrum Talbahnhof ein kompetentes Quartett aus dem St.-Antonius-Hospital: Professor Dr. Uwe Janssens, Chef der Klinik für Innere Medizin und seine drei Oberärzte Andreas Niedeggen, Thomas Schimpf und Johannes Nussbaum. Die diesjährigen Herzwochen im Monat November stehen unter dem Motto: „Herzrhythmusstörungen: Welche Therapien sind empfehlenswert?”

Das Herz - Motor des Lebens

In seiner Einleitung eröffnete Professor Dr. Uwe Janssens mit professionellen Bildern und Animationen einen ungewöhnlichen Blick in das Innenleben des Herzens. Dabei wurde klar, um welches Hochleistungsorgan es sich handelt: Ein 75-jähriger Mensch hat immerhin runde 2,5 Milliarden Herzschläge erlebt.

Mit einem weitgehend autonomen Steuerungssystem ausgestattet und mit einer Unmenge von Verbindungen in sämtliche Körperregionen, kann man durchaus von einem „Wunder” sprechen, so der Mediziner.

Umso problematischer sind die Störungen, die mit zunehmendem Alter vom Herz ausgehen können. Wer kennt nicht Phänomene wie Herzrasen oder -stolpern? Während sich die normale Herzfrequenz zwischen 60 und 90 Schlägen in der Minute bewege, so können Durchblutungsstörungen, Aufregung und Stress, aber auch Medikamente und Alkohol den Rhythmus des Herzens schnell aus dem Takt bringen.

Oberarzt Dr. Thomas Schimpf klärte die Besucher darüber auf, dass es durchaus auch gutartige Formen des Herzstolperns und -rasens gibt. Meist durch kurzfristige körperliche oder emotionale Überbelastungen ausgelöst, arbeite das Herz auch schon mal mit einer Frequenz zwischen 140 und 220 Schlägen pro Minute.

Solche Phänomene dauerten zwischen wenigen Minuten und mehreren Stunden, beginnen und enden meist plötzlich und man erlebe neben allgemeiner Schwäche vor allem Angstgefühle.

Wenn schwerere Krankheitsursachen ausgeschlossen werden können, dann helfe statt des vorschnellen Griffs zum Medikament oft auch ein Glas eiskaltes Wasser, tiefes Einatmen und Luftanhalten. Kein Patentrezept gebe es leider für den psychologischen Rückkopplungs-Effekt: Angstgefühle während einer Phase des Herzjagens können das Phänomen zusätzlich negativ beeinflussen.

Das „Vorhof-Flimmern” ist einer der häufigsten Formen der Herzrhythmusstörung, hervorgerufen durch eine unsynchronisierte Tätigkeit der Herzvorhöfe. Laut Dr. Andreas Niedeggen sind allein in Europa 4,5 Millionen vor allem ältere Menschen betroffen.

Die damit verbundenen jährlichen Kosten für das Gesundheitssystem werden zwar unterschiedlich hoch eingeschätzt, verschlingen aber kumuliert bereits Milliardenbeträge. Herzrhythmusstörungen erhöhen das Schlaganfallrisiko stark. Allein in Deutschland verzeichnen Ärzte pro Jahr etwa 30000 Schlaganfälle, hervorgerufen durch Vorhof-Flimmern.

Künstliche Helfer

Dr. Johannes Nussbaum schließlich machte das Publikum in Sachen Herzschrittmacher und Defibrillatoren schlau. Diese kommen bei Patienten zum Einsatz, die krankhaft bedingte Frequenzen unterhalb von 40 Schlägen pro Minute aufweisen. Das Ziel dieser implantierten Rhythmus-Geber sei die Beseitigung des langsamen Herzschlages und der damit verbundenen Beschwerden.

Mit der Veranstaltung im Talbahnhof bewiesen die Mediziner des St.-Antonius-Hospitals erneut, wie man mit erstklassigen bewegten Bildern, klarer Sprache und im entspannten Dialog den steigenden Informationsbedürfnissen von Patienten gerecht werden kann.