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Eschweiler: Weniger Hartz-IV-Empfänger in Eschweiler, aber Kosten steigen

Eschweiler : Weniger Hartz-IV-Empfänger in Eschweiler, aber Kosten steigen

Die Zahl der Vermittlungen in einen Job steigen, die Zahl der Menschen, die vom Jobcenter Unterstützung erhalten, sinkt, die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist stabil: Es gibt zahlreiche Gründe, sich in der ehemaligen Hauptpost an der Kaiserstraße auf die Schulter zu klopfen. Allerdings trüben die nach wie vor grundlegenden Probleme der Betroffenen die Stimmung.

Wer nicht über eine abgeschlossene Berufs- oder gar Schulausbildung verfügt, sitzt auf der Straße. Von den 1806 Arbeitslosen in der Statistik des Jobcenters Eschweiler verfügen 67,3 Prozent über keine Berufsausbildung. „Es werden nach wie vor Mitarbeiter gesucht, allerdings vorrangig Facharbeiter“, teilt Jürgen Schoenen, Leiter der Geschäftsstelle Eschweiler mit.

Seit dem Umzug in die Kaiserstraße hat sich viel getan. Vor allem der Zustrom von Flüchtlingen stellte das Jobcenter vor neue Herausforderungen. In sogenannten „Integration Points“ wurden die Neuankömmlinge zunächst betreut. Da die Vielzahl der Menschen inzwischen im Alltagsbetrieb unterstützt werden, wurden diese Anlaufstellen im vergangenen Sommer abgeschafft.

Allerdings soll in Kürze eine neue Variante, der „Integration Point 2.0“, vorgestellt werden. Dort sollen vor allem die verschiedenen Möglichkeiten der Unterstützung für diese Menschen im Mittelpunkt stehen.

Dass in den vergangenen Jahren mehr Menschen aus Kriegsregionen Zuflucht in Eschweiler gesucht und gefunden haben, macht sich auch an den Zahlen des Jobcenters bemerkbar. In dem Moment, wenn der Aufenthaltsstatus der Menschen im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge geklärt ist und nicht auf eine sofortige Abschiebung entschieden wurde, fallen sie in den Zuständigkeitsbereich des Jobcenters. Dennoch blieben die Fallzahlen konstant.

„Dies zeigt, dass wir den Zustrom von Flüchtlingen mit Vermittlungen in eine sozialversicherungspflichtige Arbeitsstelle kompensieren konnten“, berichtet der Geschäftsführer der Jobcenter in der Städteregion, Stefan Graaf.

Positive Entwicklungen

Diese Aussage wird von den aktuellsten Zahlen gestützt: Von September 2015 bis zum September des vergangenen Jahres stieg die Zahl der Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit, die mit Unterstützung nach dem Sozialgesetzbuch II („Hartz IV“) leben, von 1582 auf 2015. Im gleichen Zeitraum sank die Zahl aller Menschen in Bedarfsgemeinschaften von 6916 auf 6820 Betroffene. Allerdings bleibt die Zahl der Kinder, die von Hartz IV leben, konstant hoch: Im Januar 2017 waren 1884 Menschen im SGB-II-Bezug jünger als 15 Jahre.

Zu diesem Zeitpunkt lebten in Eschweiler insgesamt 7782 unter 15-Jährige — jedes vierte Kind lebt also nach wie vor mit finanzieller Unterstützung. „Hinzu kommt noch die kulturelle Armut, die manche dieser Kinder erfahren müssen, weil eben kein Geld für Konzertbesuche, für Instrumente oder Vereinsutensilien vorhanden ist“, sagt Stefan Kaever, Sozialdezernent und Kämmerer der Stadt Eschweiler.

Es gibt auch positive Signale auf dem Arbeitsmarkt: Die Summe der sozialversicherungspflichtigen Stellen am Arbeitsort Eschweiler ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen. Waren zum 31. Dezember 2012 insgesamt 16990 Stellen registriert, waren es am 31. Dezember 2016 insgesamt 17981. Zum gleichen Zeitpunkt wurden in der Nachbarstadt Stolberg 14040 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte gezählt.

„Die Stadt Eschweiler steht vor strukturellen Herausforderungen, scheint aber schon jetzt die Weichen zu stellen“, meint Stefan Graaf. Er ist davon überzeugt, dass jeder qualifizierte und engagierte Mensch in Deutschland eine Arbeitsstelle findet. Der Bildungsstatus werde jedoch zunehmend wichtiger, wie auch die Eschweiler Zahlen unterstreichen.

Als Erfolg werten die Verantwortlichen im Jobcenter, im vergangenen Jahr an die guten Vermittlungszahlen der Vorjahre anknüpfen zu können. Nach heutigem Stand wurden in 2017 insgesamt 1033 Menschen (78 davon kamen als Flüchtlinge nach Deutschland) in Arbeit gebracht. Diese Zahl kann sich noch erhöhen, da die vorliegenden Daten noch nicht endgültig sind. Damit erzielt man in Eschweiler das zweitbeste Ergebnis in der Historie des Jobcenters.

996 Aufstocker

Problematisch bleibt die Situation der Aufstocker, also der Menschen, die trotz Arbeitsstelle nicht genug Geld verdienen. In den Augen von Stefan Graaf führt auch der Mindestlohn in Deutschland nicht zu einer Verbesserung: „Mit einem Stundensatz von 8,84 Euro erreicht man als Familienvater keine Summe, die den Bedarf der ganzen Familie deckt“, sagt er.

Dies führt dazu, dass im vergangenen Jahr 114 Menschen zusätzlich Geld vom Jobcenter bezogen, obwohl deren Einkommen bei über 1200 Euro brutto lag. Ein Großteil, nämlich 531 Betroffene, verfügten über ein Einkommen, das unter 450 Euro lag. Insgesamt 996 Aufstocker waren im September des vergangenen Jahres in der Stadt Eschweiler gemeldet.

Finanziell ist kein Aufwind zu spüren. Die Ausgaben sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen: 15,16 Millionen Euro (2013: 13,87 Millionen Euro) zahlte die Städteregion in 2017 für Unterkunft und Heizung, der Bund überwies 17,52 Millionen Euro (14,51) für Leistungen zum Lebensunterhalt.

Die Aufgaben in den Jobcentern werden in den kommenden Monaten nicht leichter. Die Integration der Flüchtlinge auf dem Arbeitsmarkt bleibt nicht die einzige Herausforderung. „Die meisten Menschen, die zu uns kommen, haben eine Menge von Problemen zu bewältigen“, sagt Graaf. Familiäre Belastung, Sucht und Schulden würden dazu zählen.

Deswegen sei die Netzwerkarbeit wichtig. Viele Probleme könnten aber auch die 61 Mitarbeiter im Jobcenter Eschweiler nicht lösen. Schoenen und Graaf setzen sich dafür ein, dass Arbeit finanziell lukrativer wird. Dies könne in ihren Augen unter anderem mit höheren Freibeträgen geregelt werden. Diese Entscheidung fällt jedoch nicht in Eschweiler, sondern in Berlin.