Eschweiler: Wenige Studenten von RWTH und FH ziehen nach Eschweiler

Eschweiler: Wenige Studenten von RWTH und FH ziehen nach Eschweiler

Wenn riesige Nachfrage auf eine überschaubare Anzahl an Wohnungen trifft, ist klar was passiert: Die Preise steigen rasant. In Aachen — kein Geheimnis — ist genau das in den vergangenen Jahren passiert. Und davon könnten umliegende Kommunen wie Eschweiler profitieren.

Eschweiler aber will sich nicht so recht als Wohnort für Studenten etablieren. „25 bis 30 Studenten haben wir über die vergangenen dreieinhalb bis vier Jahre nach Eschweiler geholt“, sagt Bürgermeister Rudi Bertram. Zufrieden kann die Stadt mit der Zahl angesichts des vorhandenen Potenzials kaum sein.

Eberhard Büttgen, Demographiebeauftragter der Stadt Eschweiler. Foto: Patrick Nowicki

Ist Bertram auch nicht. „Es ist schwer, die jungen Leute zu gewinnen. Wer in Aachen studiert, will in Aachen bleiben.“ Der Grund: Alle Studenten sind in Aachen, Kneipen und Discos sind in Aachen, die Hochschulen sind in Aachen. Dabei versucht die Stadt, Studenten den Zuzug schmackhaft zu machen. Die Studiengebühren wurden, als es sie noch gab, von der Stadt übernommen und ein Praktikumsplatz war gesichert. Jetzt, nach dem Wegfall der Studiengebühren, zahlt Eschweiler jedem Studenten, der seinen Erstwohnsitz in die Stadt verlegt, 500 Euro pro Semester. Das Praktikum, zehn bis 14 Tage nach Vereinbarung in einem studienfachnahen Bereich in der Verwaltung, gehört nach wie vor zum Paket. Dennoch hält sich das Interesse in Grenzen.

Kurz vor Karneval, erzählt Bertram, habe man beschlossen, künftig noch aggressiver um Studenten zu werben. Eschweiler wird öfter Reklame machen und neue Kanäle bespielen — Facebook zum Beispiel. Die Stadt Stolberg war in der Vergangenheit bereits durch bemerkenswerte Werbemaßnahmen aufgefallen. Viel genutzt hat es nicht: Neun Studenten waren nach Auskunft der Stadt Anfang 2014 zugezogen. Das betrifft allerdings nur die Fälle, in denen die Stadt an der Vermittlung beteiligt war. Dennoch wird deutlich: Das Problem ist nicht Eschweiler-spezifisch — es ist ein generelles.

Möglichkeit für junge Familien

Dieser Eindruck setzt sich abseits des Studentenmilieus scheinbar fort. Vor einem Problem steht in Aachen jeder, der eine günstige Wohung sucht. Der knappe Wohnraum und die steigenden Preise drohen, weniger solvente Familien aus der Stadt zu drängen. Eine Gefahr, die direkt mit dem Trend, in der Stadt zu wohnen, zusammenhängt. Er schürt die Nachfrage.

Umliegende Kommunen wie Eschweiler können eine Alternative bieten. Eberhard Büttgen, Demographiebeauftragter der Stadt, außerdem im Planungsamt unter anderem für Klimaschutz, Statistik und die Konversion des Propsteier Waldes verantwortlich: „Wir haben relativ viel Wohnraum in Eschweiler“, der zudem noch günstig ist. Für eine einfache Wohnung mit Dusche und Heizung zahlte man in Aachen 2013 je nach Baujahr zwischen 4,20 Euro und 8,30 Euro pro Quadratmeter. In Eschweiler lag der Quadratmeterpreis dagegen nur zwischen 3,05 Euro und 6,50 Euro. Noch deutlicher wird der Unterschied vor dem Hintergrund, dass „das Mietniveau in Eschweiler gar nicht so niedrig ist“, wie Hans Knops, Geschäftsführer des Mieterschutzverein Aachen, betont.

Hinzu kommen weitere Pluspunkte: Optimale Infrastruktur beispielsweise, wie Büttgen betont. Eschweilers ist per öffentlichem Nahverkehr gut erschlossen. Die Euregiobahnverbindung erlaubt es, in rund 15 Minuten nach Aachen zu gelangen. Die Autobahn ist direkt vor der Tür. Es gibt viele Vereine, Naherholungsgebiete wie den Blausteinsee und den Stadtwald. Die Gastronomie- und Kneipenszene in der Innenstadt hat sich in den vergangenen paar Jahren erholt.

Dennoch scheint Eschweiler als alternativer Wohnort kaum in Betracht gezogen zu werden. Das Indiz „Einwohnerzahl“ aber täuscht. Wer annimmt, dass sich in der Stadt seit den 90er Jahren nichts tut, nur weil in Eschweiler seitdem rund 56 000 Menschen wohnen, der hat die Rechnung ohne den demographischen Wandel gemacht. Die Geburtenzahlen gehen zurück. 1994 sind 597 kleine Eschweiler auf die Welt gekommen. 2012 waren es nur noch 467. Demgegenüber ist die Zahl der Todesfälle unverändert bis leicht steigend. 1994 sind 672 Eschweiler verstorben — 2012 waren es 694. Der demographische Wandel betrifft Eschweiler also genauso, wie viele andere Kommunen. Trotzdem hält sich die Bevölkerungsstärke auf einem konstanten Niveau. Der Grund liegt in der Fluktuation: Seit 2008 steigt die Zahl der Zuzüge kontinuierlich jedes Jahr. Zwar ziehen auch mehr Leute weg, ihre Zahl ist in der Regel aber kleiner, als die der Zuzüge.

Laut Eberhard Büttgen wird diese Entwicklung anhalten. Seinen Prognosen zufolge wird Eschweiler bis 2027 leicht wachsen. Allderings verschiebt sich das Durchschnittsalter. Es wird noch weniger junge Leute geben, während die Zahl der Senioren wächst. „Wir müssen in der Innenstadt barrierefreien Wohnraum schaffen“, sagt er. Die So bleibe der Standort auch in der Zukunft attraktiv.