Prozess um getötetes Baby: Wegen Totschlags angeklagter Vater wird freigesprochen

Prozess um getötetes Baby: Wegen Totschlags angeklagter Vater wird freigesprochen

Der Prozess um den Tod des sieben Monate alten Zwillingskindes Jason aus Eschweiler endete am Freitag vor dem Aachener Schwurgericht mit einem Freispruch für den angeklagten Vater.

Dem 30-jährigen Jackson E. war vorgeworfen worden, seinen Sohn am Morgen des 4. Mai in der Wohnung der Familie in Eschweiler so schwer am Kopf verletzt zu haben, dass das Baby am folgenden Morgen starb. Der Junge hatte einen Schädelbruch auf der linken Seite davongetragen, auf der rechten Seite befand sich eine schwere Verletzung der Kopfschwarte. Sie war Folge eines Schleuderns des Kindes „gegen einen harten Gegenstand“, sagte der Vorsitzende Richter Roland Klösgen in der Urteilsbegründung.

Das habe die Rechtsmedizinerin bei einer Obduktion des Kindes am 8. Mai festgestellt, erklärte Klösgen. Erst diese Ergebnisse führten zu den Ermittlungen wegen Totschlags gegen die Eltern und letztlich gegen den Kindesvater.

Der Angeklagte, vertreten durch den Aachener Anwalt Harald Bex, hatte sich von Beginn an schweigend verteidigt. Anwalt Bex hatte bereits zum Auftakt erklärt, dass sein Mandant unschuldig sei. Seine 29-jährige Lebensgefährtin und Mutter der Zwillinge habe ihn zu Unrecht belastet, sagte Bex in seinem Abschlussplädoyer — im Gegenteil, es habe keine Beweise für ein Fehlverhalten seines Mandanten gegeben und die Mutter habe in wesentlichen Teilen falsch ausgesagt.

Dem folgte das Gericht, auch Oberstaatsanwältin Silvia Janser hatte am Ende einen Freispruch wegen einer nicht eindeutigen Beweislage beantragt. Die Schwierigkeit in diesem Verfahren, überhaupt zu einer Verurteilung zu kommen, ist nach den Ausführungen des Gerichts in zwei Dingen begründet. Zeitlich sei es in zwei Phasen zu den Verletzungen gekommen.

Für die ersten beiden Verletzungen am Kopf des Kindes komme der Vater sehr wohl in Frage. Er war an dem möglichen Tattag mindestens zwei Stunden mit dem oft schwer zu fütternden Baby alleine, genügend Zeit für die Tat. Zwei weitere, zwar nicht so gefährliche Verletzungen des Kindes am Rücken und am Hals seien aber nachweislich erst dann geschehen, als der Vater nicht mehr in der Wohnung war.

Die Kammer konnte keinem der beiden Elternteile zweifelsfrei die todesursächlichen Verletzungen zuordnen. „In unserem Rechtsstaat bedeutet dies einen Freispruch für den Angeklagten“, begründete Klösgen die Entscheidung. Auch ein Prozess gegen die Mutter könne keinen anderen Ausgang haben.

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