Eschweiler: Wasserball auch für Mädchen sehr interessant

Eschweiler : Wasserball auch für Mädchen sehr interessant

Wasserball ist eine Sportart, die aufgrund der Anstrengung und des Körperkontakts nur selten mit jungen Mädchen in Verbindung gebracht wird. Dennoch erlebt gerade der Damenwasserball in den letzten Jahren einen Aufschwung, denn immer mehr Mädchen interessieren sich für diese traditionsreiche Sportart.

Auch in Eschweiler verzeichnet die Jugendabteilung sowohl bei den Mädchen als auch bei den Jungen einen deutlichen Zuwachs. Ein Besuch in der Schwimmhalle Jahnstraße beim Training der Wasserball-Jugendabteilung zeigt dann auf den ersten Blick, was diesen Sport so anspruchsvoll macht: Unter den anfeuernden Rufen ihrer Trainer schwimmen die Kinder mit dem Ball im Sprint auf das Tor zu, nehmen ihn auf und scheinen danach trotz der vier Meter Wassertiefe zu stehen, während sie mit voller Wucht den Ball krachend in das Torgestänge werfen.

Heldenhaft werfen sich die Torhüter in die Torschüsse, nur geschützt durch eine Stoffkappe mit der Spielernummer und eingenähten Plastikschalen zum Schutz der Ohren. Im direkten Kontakt während des Trainingsspieles offenbart sich dann der Grund für den Ruf des Wasserballs als körperbetonte Sportart, wenn der Centerspieler mit seinem Verteidiger in eine Art Ringkampf im Wasser um die beste Position vor dem Tor tritt. „Er hält mich unter Wasser fest!“ beschwert sich der junge Spieler während seine Kontrahentin schulterzuckend die Trainerin ansieht.

„Das ist egal, einfach immer oben bleiben!“ kommentiert Trainerin Ann-Kathrin Mertens, selbst aktive Spielerin in der Bezirksliga, trocken. Die jungen Aktiven haben erkennbar viel Spaß im Wasser. Es werden aber auch die Probleme deutlich, mit denen die Eschweiler Delphine zu kämpfen haben, denn den Wasserballjugendlichen steht zum Training nur eine Beckenecke mit einem Tor zur Verfügung, während parallel eine Schwimmbahn eingehängt ist und im restlichen Becken die Synchronschwimmerinnen ihre Küren trainieren.

Hervorragende Zusammenarbeit

„Nur der hervorragenden Zusammenarbeit der vier Vereinsabteilungen Schwimmen, Synchronschwimmen, Wasserball und Triathlon ist es zu verdanken, dass überhaupt ein Jugendtraining im Wasserball möglich ist“, so der Technische Leiter Simon Münstermann.

„In anderen Vereinen stehen die Abteilungen oft in Konkurrenz zueinander, hier im Delphin verfolgen wir einen gemeinschaftlichen Ansatz. Trotzdem haben wir an allen Ecken und Enden mit Engpässen zu kämpfen, angefangen von Wartelisten im Schwimmerbereich, über die Trainingssituation in der Jahnhalle bis hin zu der Frage, wann wir unsere Heimspiele und Wettkämpfe austragen können“, so der ehemalige Schwimmer und aktive Wasserballer.

Zur Saison 2017/2018 haben die Eschweiler Delphine erstmals eine gemeinsame Damenmannschaft mit dem Aachener Schwimmverein 06 in der offenen U16-Landesmeisterschaft gemeldet. Durch die Teilnahme des SSV Esslingen aus Baden-Württemberg und des ETV Hamburg handelt es sich damit um eine inoffizielle deutsche U16-Damenmeisterschaft, in der auf höchstem nationalen Jugendniveau gespielt wird.

Am letzten Wochenende fanden für die Delphine die ersten beiden Spiele beim größten deutschen Schwimmverein Bayer Uerdingen in der Traglufthalle Aquadome in Krefeld statt. Hier traf die gemeinsame Aachener und Eschweiler Mannschaft auf den Gastgeber und den SSV Esslingen. In beiden Spielen schlugen sich die Rheinländerinnen tapfer, mussten aber deutliche Niederlagen gegen den Nachwuchs der Bundesligavereine hinnehmen.

Der Flügelspielerin Sophia Grunewald gelangen dabei die einzigen beiden Tore gegen die übermächtigen Gegnerinnen. Die Rückraumspielerin Frieda Johnen zeigte eine herausragende defensive Leistung und leitete durch clevere Spielaufbauten und lange, zielsichere Pässe die Angriffe über die Flügel ein. Zwischen den beiden Spielen hatten die Mädchen Gelegenheit, sich das Bundesligaspiel von Bayer Uerdingen gegen den SC Chemnitz anzusehen. Hier konnten sie sich live und aus nächster Nähe Tricks und Spielzüge abgucken.

Insgesamt war es ein toller Spieltag mit vielen neuen Erfahrungen für die jungen Delphine. Trainerin Ann-Kathrin Mertens war auch voll des Lobes über ihre Schützlinge: „Das war ein tolles Erlebnis für uns alle. Immerhin haben unsere Jüngsten hier erstmals in einem offiziellen Becken von 30x20m Länge gespielt und das vor der tollen Kulisse. Ich bin hochzufrieden und stolz auf meine Mädchen!“.

Erkältunsbedingt geschwächt

Dann hatte die gemischte U14-Jugendmannschaft die Gelegenheit, in der Osthalle im direkten Vergleich gegen die Aachener zu punkten. Die erkältungsbedingt ersatzgeschwächten Eschweiler traten dabei in einem kämpferischen, aber wasserballerisch sehr sehenswerten Spiel an. Nachwuchstorwart Robin Nolden, mit 10 Jahren der jüngste in dieser U14-Mannschaft, konnte einige sehr harte Schüsse der wesentlich älteren Aachener Angreifer parieren und war zu Recht stolz auf seine Leistung.

Die schwimmstarken Spieler Leon Beys und Niklas Nolden zeigten sich in Topform und setzten zusammen mit der sehr guten Schwimmerin Sophia Grunewald die Gegner über die Flügel unter Druck. Besonders für Neuzugang Annika Zylus und das Trainerteam brachte das Spiel ein Aha-Erlebnis: In ihrem erst zweiten Spiel, zum ersten Mal auf der Position des Centerverteidigers eingesetzt, erwies sie sich als Naturtalent und erlaubte dem starken Aachener Centerspieler nur ein Tor von dieser Position.

Das Spiel ging zwar mit 13:5 verloren, doch auf Seiten der Delphine herrschte alles andere als schlechte Stimmung, alle Spielerinnen und Spieler waren sich sicher, dass man beim nächsten Aufeinandertreffen die Delphine die Nase vorn haben werden.

Auch die erwachsenen Wasserballer sind erfolgreich mit zwei Mannschaften in die Bezirksligasaison gestartet. Zuletzt konnte sich in der Jahnhalle die Nachwuchsmannschaft der Delphine gegen den Nachwuchs aus Aachen in einem sehr spannenden Spiel mit einem Endergebnis von 17:16 knapp durchsetzen. Hierbei gelang den Eschweilern gegen die favorisierten Gegner sogar das Kunststück, in Unterzahl ein Tor zu erzielen.

Neben tollen individuellen Leistungen von Lukas Beiß, Lukas Stolberg und Matthias Thelen im Angriff und Alexander Mertens im Tor hatten die Indestädter auch das nötige Glück des Tüchtigen und konnten den knappen Vorsprung über die Spielzeit halten.

Auch die erste Mannschaft konnte ihre ersten Siege verzeichnen. In den nächsten Spielen warten jedoch noch die starken Gegner aus Aachen und Stolberg auf die Delphine. Wenn sich die Spieler aber ein Beispiel an ihrem eigenen Nachwuchs nehmen, gelingt vielleicht auch hier die eine oder andere Überraschung.

Mehr von Aachener Nachrichten