Eschweiler: Was Reaktoren mit Waffelteig verbindet

Eschweiler : Was Reaktoren mit Waffelteig verbindet

Es ist schon eigenartig, wenn es im Chemieunterricht darum geht, welche Gruppe den besseren Waffelteig macht und wem das Instant-Kartoffelpüree schön gleichmäßig gelingt. Aber dieser Wettbewerb ist der Abschluss der Chemie-Projektwoche für Schüler der 10. Klasse der Bischöflichen Liebfrauenschule.

Die Woche, die zum dritten Mal in Folge stattfindet, soll den Schülern helfen, sich für ihre Leistungskursfächer zu entscheiden, die sie ab dem nächsten Schuljahr belegen müssen.

„Wir möchten somit natürlich auch ein bisschen Werbung für Chemie und Physik machen“, erklärt Chemielehrer Jochen Hermanns, der mit seinem Kollegen André Fischoeder-Bierbaum die Projektwoche betreut. Das Motto: Reaktoren. Daher haben die sieben Schüler nach dem regulären Unterricht eigene Reaktoren gebastelt, die ein bestimmtes Problem lösen sollten.

Und hier kommt der Teig ins Spiel: „Einen Kuchen zu backen, ist kein Problem. Aber tausende hintereinander mit gleichbleibend guter Qualität zu machen, das ist schon schwieriger“, weiß Hermanns. Die Schüler sollten daher in zwei Teams ihre eigenen Teig-Reaktoren beziehungsweise Rührer bauen, die theoretisch kontinuierlich einen Teig mischen (egal ob für Waffel, Kuchen oder Püree), ohne dass dieser zu zäh wird, aber eine gleichmäßige Konsistenz hat.

Der Reaktorbehälter: ein Eimer. Der Antrieb für den darin befindlichen, selbstgebastelten Rührer: eine Bohrmaschine, die durch den Eimerboden eingestochen wird. „Die Schüler haben ihre Konstruktion vorher nicht getestet. Das passiert jetzt zum ersten Mal“, sagt Hermanns gespannt, bevor der Wettbewerb mit Kartoffelpüree und Waffelteig unter Beobachtung der anderen Klassenkameraden beginnt. Das Ergebnis lässt leider gerade beim Waffelteig (anders als beim Kartoffelpüree, das schön gleichmäßig geworden ist) noch zu wünschen übrig: Der Teig der einen Gruppe ist zu klumpig, der andere Teig zu bröselig. Teilweise streikt der Bohrer und Teig läuft aus. Aber all das scheint den Schülern den Spaß an der Chemie nicht verdorben zu haben.

Für Schülerin Leoni Jünger war die Projektwoche und die praktische Arbeit sehr lehrreich: „Der Bau von dem Reaktor hat mir besonders Spaß gemacht. Erst konnte ich mir unter dem Thema nichts vorstellen, aber die Woche hat mir sehr weitergeholfen“, erklärt die 16-Jährige, die zwar keinen Leistungskurs Chemie wählt, aber das Fach auf jeden Fall weitermachen wolle. Neben dem „Eimer-Reaktor“ haben die Schüler auch noch an einem anderen Reaktor geforscht, der wie eine Säule aufgebaut ist. Während der Teig in Schläuchen, die um die Säule verlaufen, nach oben steigt, wird er von innen beheizt. „Wir so haben in der Woche gelernt, dass es verschiedene Reaktortypen gibt. Besonders der Besuch bei der RWTH hat mir gefallen“, erklärt Schüler Noah Kastenholz.

Einblick ins Studentenleben

Einen ganzen Tag lang konnten die Schüler an der Uni verbringen, betreut von zwei Doktoranden des Instituts für Technische und Makromolekulare Chemie. Dabei tauchten sie unter anderem in das Studentenleben ein, hörten bei Vorlesungen zu und besichtigten den Campus. Die Experimente, die die Studenten machen, durften sie ebenfalls ausprobieren. „Das Studentenleben ist halt doch nicht so einfach, wie ich dachte. Nach der Vorlesung konnten wir auch noch mit dem Professor sprechen, das war sehr hilfreich“, erzählt Caroline Weiland, die ihre Zukunft in der Biochemie sieht.

Die Projektwoche zeigt, dass es sich lohnt, rechtzeitig über den Tellerrand der Schule zu gucken. Auch wenn der Kuchen auf dem Teller des Nachbarn vielleicht nicht ganz so gelungen ist — bei der Entscheidung über die eigene Zukunft hilft der Blick ganz bestimmt.

(anne)
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