Diskussion in der Realschule Patternhof: Was die Jungen politisch umtreibt, ist nicht nur das Thema Klima

Diskussion in der Realschule Patternhof : Was die Jungen politisch umtreibt, ist nicht nur das Thema Klima

Um „Fridays for Future“ kommt Carina Gödecke, Vizepräsidentin des Landtags NRW, auch in Eschweiler nicht herum, als sie sich eine Schulstunde lang den Schülerfragen stellt. „Wie stehen Sie zu „Fridays for Future“, und was planen Sie?“, fragt da eine Schülerin. Und einen kurzen Moment später: „Wollen Sie das einfach so stehen lassen?“.

 „Nun, das wäre ja Harakiri“, sagt Gödecke und redet davon, dass sie viele Forderungen der Jugendlichen für berechtigt hält, dass man vorangehen müsse, aber dass man ebenso alle Seiten bedenken müsse – Stichwort Strukturwandel und Arbeitsplätze. Das, sagt sie, gehöre für sie eben zum Klimathema dazu. Auch die Frage nach einem möglichen Klimanotstand in Eschweiler steht kurze Zeit später im Raum – und zeigt: Das Thema treibt die Eschweiler Schüler ebenso an, wie in den anderen Städten.

„Präsidium macht Schule“ heißt das Programm, das Carina Gödecke an diesem Montag zu einem Besuch in der Realschule Patternhof gebracht hat. Es geht darum, ins Gespräch zu kommen. Mehr als 30 Schüler sind da, vor allem Neunt- und Zehntklässler, die sich im Politik-Unterricht im Vorfeld vorbereitet haben. Und die kein bisschen schüchtern sind.

Die Einstiegsfrage ist eine, in die Politikverdrossenheit reininterpretiert werden kann. Sie kann aber ebenso als ehrliches Interesse, als Wunsch, mitzuwirken, gehört werden: „Was für eine Rolle spielen eigentlich wir Jugendliche?“. Gödecke spricht von der Macht, sich zusammenzuschließen und von verschiedenen Projekten und Veranstaltungen, die Jugendliche in die Politik einbinden sollen. Sie spricht zum ersten Mal das Thema Klimawandel an – als Positivbeispiel dafür, dass junge Menschen, die sich zusammenfänden so einiges bewegen könnten. „Wir brauchen euch für die Politik“, sagt sie, und sie sagt es mit Nachdruck.

Versäumnisse in der Politik

Im Schnelldurchlauf werden allerhand Themen besprochen, alle die, die die Schüler beschäftigen. Warum wird so wenig in die Schulen investiert? Gödecke erklärt die geteilten Zuständigkeiten von Land und Kommune, räumt aber auch „Versäumnisse in der Politik“ ein. Insbesondere beim Thema Wlan kommt Kritik vonseiten der Schüler, und Gödecke sagt: „Es kann im 21. Jahrhundert nicht sein, dass es noch immer mehr Schulen gibt, die kein Wlan haben, als Schulen, die welches haben.“ Nächste Frage: Wie ist der Stand der Dinge beim Thema Tihange – engagiert man sich auf deutscher Seite?

Die Schüler sitzen nur auf Stühlen in einem Halbkreis um den Lehrertisch, eben ein bisschen so, wie im Plenum im Landtag. Und so richtig leicht machen sie es der Vize-Landtagspräsidentin nicht. Die hatte für die ganz lokalen Fragen und Angelegenheiten wiederum Unterstützung vom Landtagsabgeordneten und Eschweiler Politiker Stefan Kämmerling. Beim Tihange-Thema antwortet er, und er verweist unter anderem auf die Städteregion, die damals gegen „Tihange 2“ geklagt hatte.

Später geht’s für beide noch in Richtung Grüner Weg. Die Kindertagesstätte dort ist weitläufig, hell und modern, es gibt sie seit dem 1. Februar des vergangenen Jahres. Träger ist die BKJ (Betreuungseinrichtungen für Kinder und Jugendliche der Stadt Eschweiler/AöR).

Bianca Schmitz ist die Leiterin der Einrichtung und führt die Landtagspolitiker durch die Kita „Grüner Weg“. Es gibt Ruheräume, einen Logopäden, und es gibt viele Mini-Möbel auf den Gängen und Bilder von und mit den Kindergartenkindern. Kämmerling sagt, der Vize-Landtagspräsidentin nach dem Schulausflug noch die Kita-Landschaft der Region zu zeigen, sei ihm ein Anliegen gewesen.

Die zweite Station führt Gödecke in die Kita „Grüner Weg“ – dort hört sie vor allem Einrichtungsleiterin Bianca Schmitz zu. Foto: Marie Eckert

Und die formuliert einige „Anforderungen an die Politik“: Räume, Personal, die Finanzierbarkeit etwa. Das passt zu dem, was Bianca Schmitz sich wünschen würde, wenn sie einen Wunsch für ihre Kita frei hätte: „Dass die Personallage der Kita in Zukunft entspannt bleibt.“

Für die Kita-Kinder ist es jedenfalls noch ein bisschen zu früh für politisches Engagement. Viele der Realschüler vom ersten Termin dürfen dagegen schon wählen, zumindest kommunal. Wenn man Stefan Kämmerling fragt, ob er bei jungen Menschen ganz generell gesprochen eine Politikverdrossenheit bermerkt, dann sagt er: zum Teil.

Wenn es ums System als Ganzes gehe, stelle er schon ab und zu Verdrossenheit fest. Das Gegenteil sei aber bei individuellen Interessen der Fall – dort steige das Engagement sogar an. An dieser Stelle benutzt auch Kämmerling das Beispiel, an dem dieser Tage kaum wer vorbeikommt: das Klima. „Das zeigt aber, dass Jugendliche durchaus politikinteressiert sind“, sagt er. Und nur so viel: Es war ein Montagmittag, es war warm und die Sonne schien, und die Zehntklässler hätten eigentlich schon frei gehabt, als sie im Klassenraum mit Gödecke diskutiert haben.

Mehr von Aachener Nachrichten